Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet ANGELIKA
(getauft am 04.01.2017)


Zu Beginn des Jahres 2017 ereignete sich im äußersten Norden Europas ein markanter Kaltluftvorstoß arktischer Luftmassen über die Barentssee in Richtung Nordwestrussland und Skandinavien. Damit verknüpft war die Entstehung eines Kältehochs, welches am Morgen des 04. Januars erstmals in den Wetterkarten als kleinräumige Hochdruckzelle mit einem Zentrumsdruck von etwas über 1015 hPa analysiert werden konnte. Da die Antizyklone das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen sollte, wurde das Hoch noch am 04.01. auf den Namen ANGELIKA getauft.

Zu diesem Zeitpunkt ereignete sich über der gesamten Nordhälfte Skandinaviens und dem Norden Russlands ein markanter Temperatursturz. Nachdem bereits in der Nacht zum 04.01. die Temperaturwerte über Lappland vereinzelt unter -40°C sanken, stiegen die Temperaturen im Norden Skandinaviens selbst am Tage nicht mehr über -20°C, in Nordlappland nicht über -30°C. Dies bedeutete eine Temperaturdifferenz von 10 bis 15 Grad im Vergleich zum Vortag. So lag z.B. das Tagesmaximum im finnischen Rovaniemi, direkt am Polarkreis, an jenem Tag bei nur -29,5°C, einen Tag zuvor waren es noch -13,4°C gewesen. Hierbei muss man berücksichtigen, dass zu dieser Jahreszeit im Bereich des nördlichen Polarkreises die Sonne kaum über den Horizont steigt und so die Luft in den klaren, sehr langen Nächten in Kombination mit der dort anzutreffenden Schneedecke besonders stark auskühlen kann. Mit der Kaltluft dehnte die Antizyklone ANGELIKA ihren Einfluss auf ganz Skandinavien aus und der Zentrumsdruck stieg im Tagesverlauf auf über 1030 hPa. In der sich anschließenden Nacht klarte es vor allem über Schweden und Norwegen zunehmend auf, wobei die arktische Kaltluft bis etwa zur südlichen Ostsee vorankam. Selbst über Südskandinavien, wo noch keine geschlossene Schneedecke anzutreffen war, sank die Temperatur verbreitet unter -10°C, z.B. in Stockholm auf -12°C und in Oslo bis -16°C. Über Lappland wurden erneut Temperaturen von unter -30°C, örtlich auch unter -40°C gemessen.

Am Morgen des 05. Januars konnte das Hoch ANGELIKA mit einem Zentrumsdruck von etwas unter 1030 hPa über Zentralskandinavien analysiert werden. So betrug der Luftdruck um 00 Uhr UTC, was 01 Uhr MEZ entspricht, über Trondheim 1030,5 hPa, mit weiterhin steigender Tendenz. Dabei griff der Hochdruckeinfluss rasch weiter südwestwärts bis zu den Britischen Inseln und nach Westeuropa über, was gleichbedeutend mit freundlich-sonnigem Wetter von Schweden und Norwegen über Großbritannien bis nach Nordfrankreich, den Beneluxstaaten und die Nordwesthälfte Deutschlands war.

Während die Kaltluft arktischen Ursprungs die Britischen Inseln und Westeuropa kaum mehr erreichte, in Paris wurden 7°C und in London 6°C registriert, floss diese langsam bis nach Mittel- und Osteuropa ein. Über Deutschland etwa lag das Temperaturniveau etwa 5 Grad unter dem des Vortages und es blieb bis auf den äußersten Westen überall unter dem Gefrierpunkt, wie in Hamburg mit -2°C und in Dresden mit -3°C. Weiter östlich wurde in Polen über der Schneedecke gebietsweise sogar mäßiger Dauerfrost beobachtet und die Temperatur stieg etwa in Warschau nicht über -6°C. Über Skandinavien hielten sich dagegen die eisig-frostigen Temperaturen, die -20°C-Isotherme reichte dabei bis etwa Mittelschweden und Südfinnland, die -10°C-Linie bis etwa Südskandinavien, Baltikum und Weißrussland.

In der Nacht zum 06. Januar hatte die Kaltluft schließlich auch Mitteleuropa erreicht, dabei kühlte es in einer vielfach klaren Nacht verbreitet unter -10°C ab, so wurden als Tiefsttemperaturen z.B. in Hamburg -11°C und in Warschau -14°C gemeldet. Stellenweise, vor allem dort wo eine Schneedecke vorhanden war konnten, auch bis nahe -20°C wie am Münchener Flughafen mit -19°C und in Vilnius mit -21°C gemessen werden. In Skandinavien wurden erneut Temperaturen von unter -30°C gemessen, wie z.B. in der nordschwedischen Hafenstadt Luleå mit -31°C.

In den Frühstunden des 06.01. befand sich das Zentrum von Hoch ANGELIKA mit einem Luftdruck von knapp über 1040 hPa etwa über Dänemark. Der Einfluss der umfangreichen Antizyklone ANGELIKA erstreckte sich mittlerweile von Nordwestrussland über Skandinavien und Mitteleuropa bis nach Frankreich. Während sich die Antizyklone ANGELIKA in den folgenden Stunden mit Schwerpunkt weiter südwärts verlagerte und für freundlich-sonniges Wetter in einem breiten Streifen von Russland über Deutschland bis nach Frankreich und Spanien sorgte, wurde an der Ostflanke des Hochs unverändert Kaltluft arktischen Ursprung nach Süden transportiert und erreichte langsam auch den Südosten Europas. Dabei lagen die Höchstwerte in Sofia oder Bukarest mit -3°C, bzw. in Budapest mit -5°C hier rund 5 Grad niedriger als noch tags zuvor. Auch vom östlichen Mitteleuropa bis in die Benelux-Staaten und den Osten Frankreichs herrschte Dauerfrost, mit Temperaturmaxima von z.B. -1°C in Amsterdam oder -3°C in Basel.

In der Nacht zum 07.01. kühlte es in einer vielfach sternenklaren Nacht im Bereich des Hochdruckzentrums über dem südlichen Mitteleuropa stark aus. Dabei wurde als Tiefsttemperatur in Prag -16°C, in Bern und Innsbruck -17°C sowie am Münchner Flughafen -22°C registriert. Auch über der Balkan-Halbinsel sanken die Temperaturen bis in den strengen Frostbereich, so wie in Belgrad mit -15°C oder in Sarajevo mit -16°C. Am darauf folgenden Tag wurde der hohe Luftdruck über Nord- und Zentraleuropa allerdings abgebaut. Ursache hierfür war ein vom Nordmeer aus mit seinen Ausläufern auf die Britische Inseln, Skandinavien und Mitteleuropa übergreifendes Tiefdrucksystem. Dabei gelangte mit kompakten Wolkenfeldern und leichten, meist als Schnee fallenden Niederschlägen weniger kühle Meeresluft in diese Gebiete. Größtenteils hielt sich jedoch leichter Dauerfrost, wie in Stockholm mit -2°C, in Berlin mit -4°C und in Nancy mit -3°C. Stellenweise erwärmte sich die Luft aber bis in den leichten Plusbereich, wie z.B. entlang der norwegischen Küste oder über Lappland. Damit ereignete sich über Lappland innerhalb von 4 Tagen ein weiterer Temperatursprung, nur diesmal in die andere Richtung. Messdaten z.B. aus Nikkaluokta in Schwedisch-Lappland belegen eine Temperaturdifferenz von knapp 30 Grad zwischen dem 05.01. mit -28°C und dem 07.01. mit 1°C.

Allgemein freundlicher und sonniger blieb es neben Südwesteuropa in einem Streifen von Nordwestrussland, über Weißrussland, der Slowakei und Ungarn bis nach Serbien und Kroatien. Gerade über Südosteuropa blieben die Temperaturwerte weiterhin im zweistelligen Minusbereich und das Maximum lag in Sarajevo und Belgrad bei lediglich -10°C. Passend zur Bewölkungssituation zeigte die Luftdruckverteilung über Europa am Tagesende keine zusammenhängende Antizyklone mehr, sondern das Hoch ANGELIKA hatte sich in mehrere Zentren aufgeteilt. Das kräftigste mit einem Druck im Zentrum von etwas über 1035 hPa befand sich dabei über der Biskaya, ein weiteres mit knapp über 1030 hPa über dem Westbalkan und ein drittes über Nordwestrussland. Damit war die Umstrukturierung der Antizyklone ANGELIKA jedoch noch nicht abgeschlossen, sondern setzte sich auch am 08. Januar weiter fort. Hierbei baute sich eine von den Azoren über West- und Mitteleuropa bis nach Russland reichende Hochdruckbrücke auf. Während allerdings zwischen Frankreich, den Beneluxländern und Deutschland in feuchtkalter Meeresluft dichte, hochnebelartige Wolkenfelder dominierten, in der die Temperaturen bis in den Plusbereich stiegen, wie in Hamburg mit 2°C, in Paris mit 8°C oder in Amsterdam mit 7°C, war es vor allem über der Iberischen und der Balkan-Halbinsel dank Hoch ANGELIKA sehr sonnig. Dabei erreichten die Temperaturen in mäßig-warmer Kontinentalluft über Spanien 10 bis 15°C. Über dem Balkan hingegen in der eingeflossenen Kaltluft arktischen Ursprungs herrschte weiterhin mäßiger bis strenger Dauerfrost. Dabei lagen die Höchstwerte in Budapest bei -5°C und in Bukarest bei -10°C.

Nachts hielt sich im Einfluss von Hoch ANGELIKA zwischen Frankreich, Deutschland und Polen der dichte Nebel und Hochnebel, wobei hinsichtlich der Temperaturen ein West-Ost-Gefälle vorherrschte. Die Tiefstwerte lagen ähnlich der vorangegangenen Nacht in Atlantiknähe bei feucht-milden 6 bis 8°C, wie in Nantes mit 6°C, und von Zentralfrankreich bis zu den Beneluxländern gab es leichte Plusgrade, so auch in Brüssel mit 2°C. In Deutschland wurde zumeist leichter Frost wie z.B. in Hannover mit 0°C registriert und noch weiter östlich in Polen wurde hingegen erneut strenger Frost wie in Lodz mit -19°C beobachtet. Allerdings wurde die Hochdruckbrücke im Laufe des 09. Januars über Mitteleuropa schon wieder abgebaut und Hoch ANGELIKA verlagerte sich langsam in Richtung Osteuropa. Grund hierfür war ein weiteres, kräftiges Sturmtief, welches vom Atlantik aus zur Norwegischen See zog und für Luftdruckfall über Zentraleuropa sorgte. Dies hatte jedoch zunächst noch keinen Einfluss, denn das Wetter im Bereich des Hochs ANGELIKA über Mitteleuropa wurde weiterhin von bodennahen Grenzschichtprozessen bestimmt. Konkret hielt sich die feucht-kühle Luft und mit ihr ausgedehnte Nebel- und Hochnebelfelder mit ähnlichen Temperaturen wie am Vortag, z.B. in Berlin mit -1°C oder Hannover mit +2°C. Weiterhin sehr kalt, aber gebietsweise freundlich mit längerem Sonnenschein gestaltete sich das Wetter über Ost- und Südosteuropa. Trotz eines leichten Temperaturanstiegs im Vergleich zum Vortag um 2 bis 3 Grad lagen die Höchstwerte verbreitet unter -5°C, gebietsweise auch unter -10°C. Beispielsweise erwärmte sich die Luft in Sibiu in Siebenbürgen bei einer Schneehöhe von 22 cm und trotz zeitweiligen Sonnenscheins auf lediglich -9°C. Nachts hielt sich im Einflussbereich des Hochs ANGELIKA über Osteuropa weiterhin der teils strenge Frost, wobei Rumänien der absolute Kältepol war. In Bukarest kühlte sich die Luft auf -22°C ab, in Sibiu auf -29°C und in Intorsura Buzaului in den Ostkarpaten auf rekordverdächtige -32°C.

Am 10. und 11. Januar positionierte sich das Hoch ANGELIKA quasi stationär über Osteuropa, wobei der Zentrumsdruck mit 1025 hPa stabil blieb. Durch die Einbeziehung trockenkalter, kontinentaler Luftmassen sorgte das Hoch dafür, dass sich die tiefhängende hochnebelartige Bewölkung über dem östlichen Mitteleuropa und Teilen Osteuropas zusehends auflöste und die Sonne vermehrt zum Zuge kam. Gleichzeitig wandelte sich die ursprünglich äußerst kalte Luft arktischen Ursprungs in eine weniger kalte Subpolarluft, was sich anhand langsam steigender Temperaturen äußerte. Beispielsweise wurden zwischen dem 09. und 12.01. in Bratislava insgesamt 26 Sonnenstunden registriert und nachdem am 10. Januar mit -6°C das tiefste Temperaturmaxima verzeichnet wurde, stieg die Temperatur an den folgenden Tagen langsam bis in den leichten Plusbereich. Die Nächte gestalteten sich dagegen durch den Hochdruckeinfluss über Ost- und Südosteuropa vielfach sternenklar mit weiterhin strengem Dauerfrost. Allerdings wurde die Kaltluft im weiteren Verlauf mithilfe weiterer Tiefdruckwirbel und deren Ausläufer immer weiter ostwärts nach Russland abgedrängt. Am 13. Januar konnte kein Dauerfrost in Mittel- und Südosteuropa beobachtet werden und der strenge Dauerfrost hatte sich östlich des Urals nach Sibirien verlagert. Gleiches galt auch für das Hoch ANGELIKA, das sich bereits am 12. Januar aus dem Ausschnitt der Berliner Wetterkarte gen Sibirien verlagert hatte.

 


Geschrieben am 19.02.17 von Gregor Pittke

Berliner Wetterkarte: 06.01.2017

Pate: Angelika Mohn