Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet ANKE

(getauft am 24.11.2017)

 

Am 23.11.2017 breitete sich ein weitreichendes Gebiet hohen Luftdruckes vom Nordpolarmeer über Grönland bis zum zentralen Nordatlantik aus. Das dabei entstehende Hochdruckgebiet sollte im weiteren Verlauf wetterbestimmend für den europäischen Raum werden und erhielt daher am 24.11. den Namen ANKE.

Mit einem anfänglichen zentrumsnahen Druck von ca. 1025 hPa verlagerte sich das Hoch ANKE bis zum 27.11. vom Nordatlantik nach Südosten bis über die Biskaya. Der Druck im Zentrum verstärkte sich dabei auf 1033 hPa. Bereits am Vortag sorgte der ansteigende Luftdruck im Süden Frankreichs und in Spanien für absinkende Luftmassen und demzufolge für Wolkenauflösung. Daraus resultierend wurden zwischen 7 und 9 Stunden Sonnenschein registriert. Der Einfluss des Hochs ANKE weitete sich bis zum 27.11. auch bis über den Alpenraum aus, wobei in der Schweiz und im Norden Italiens 5 bis 8 Sonnenstunden zusammenkamen. Auch die Temperaturen stiegen korrespondierend an. Im spanischen Avila konnten mit 13,4°C insgesamt 5,5 Grad mehr gemessen werden als am Vortag. Auch in Frankreich konnten Temperaturerhöhungen von einigen Grad verzeichnet werden, wie in Cognac, wo das Tagesmaximum nach 6,5°C am Vortag nun 11,4°C betrug.

Während sich das Hoch ANKE bis zum Folgetag nach Zentralspanien verlagerte und dabei einen Zentrumsdruck von ca. 1027 hPa aufwies, bildeten sich über dem zentralen Nordatlantik und dem Alpenraum zwei weitere Hochdruckzentren. Das Atlantikhoch ANKE II besaß einen maximalen Druck von 1030 hPa, jener von Hoch ANKE III über den Ostalpen betrug etwa 1023 hPa. Dadurch stellte sich ein weitreichender Bereich hohen Druckes von der Dänemarkstraße über den Ostatlantik, den Mittelmeerraum, und den Karpaten bis nach Sibirien ein. Der Hochdruckeinfluss wurde mitunter durch die Ausläufer einiger Tiefdruckgebiete getrübt. Folglich konnten lediglich im Norden Spaniens, im Süden Frankreichs, vereinzelt in Italien und dem Westen der Balkan-Halbinsel Sonnenscheindauern von 6 bis 9 Stunden registriert werden. Im Bereich des Hochdrucksystems ANKE flossen subpolare Luftmassen ein, wodurch ein merklicher Temperaturanstieg ausblieb. Im Mittelmeerraum konnten dabei verbreitet zwischen 8 und 13°C verzeichnet werden, an den Küsten wurden auch bis zu 18°C erreicht.

Das ursprüngliche Hoch ANKE I über der Iberischen Halbinsel löste sich bis zum 29.11. auf, wodurch an diesem Tag nur noch das Hoch ANKE II mit Zentrum ca. 700 km südlich von Island und das Hoch ANKE III über dem Nordwesten Rumäniens vernommen werden konnten, wobei sich letzteres bis zu den Mittagsstunden ebenfalls auflöste. Durch die Position des Zentrums und der Ausdehnung des Hochs ANKE vom Osten Grönlands bis zu den Azoren und vom zentralen Atlantik bis zu den Britischen Inseln befand sich Westeuropa in einer nördlichen Strömung, mit welcher kühle Polarluft nach Süden transportiert wurde. Die Höchsttemperaturen fielen daraufhin vor allem im Westen und Süden Frankreichs, sowie in Nordspanien wieder um 2 bis 4 Grad herab. Beispielsweise konnte in Santander eine Absenkung von 15,7°C auf 9,1°C beobachtet werden.

Diese Strömung blieb auch am Folgetag erhalten: die nun wieder als Hoch ANKE bezeichnete Antizyklone verlagerte sich nur wenig nach Süden und besaß einen Zentrumsdruck von etwa 1030 hPa. Im Westen und Süden Frankreichs wurden maximal noch 10,1°C in St. Sauver, 11,0°C in Socoa sowie 10,3°C in Santander gemessen. Weiter im Landesinneren, abseits der relativ warmen Küstengebiete, lagen die Tageshöchstwerte teils deutlich darunter, wie beispielsweise in Oviedo mit 6,2°C oder in Cognac mit 2,9°C.

Bis zum 01.12. bildete sich über den Ostalpen erneut ein zweites Hochdruckzentrum aus, welches im Tagesverlauf über Kroatien hinweg zog. In der Schweiz, im Norden Italiens und vereinzelt in Süddeutschland konnten an diesem Tag 4 bis 6 Sonnenstunden erfasst werden. Das westlichere Zentrum des Hochdrucksystems ANKE über dem Ostatlantik mit nun ca. 1035 hPa führte mit der anhaltenden nördlichen Strömung zu einem weiter ansteigenden Temperaturgradienten zwischen den Küstenregionen und dem Landesinneren von Frankreich und Spanien. Während an der Station Gijon-Musel 11,6°C registriert wurden, konnten rund 200 km südöstlich in Burgos lediglich 1,9°C gemessen werden. An der West- und Südküste Frankreichs lagen die Temperaturwerte meist bei 7 bis 9°C. Dagegen konnten zum Beispiel in Le Puy mit maximal -2,0°C, in Mende mit -2,4°C oder in Aurillac mit -1,4°C sogar Eistage verzeichnet werden, für welchen nach meteorologischer Definition ein Tageshöchstwert von unter 0°C benötigt wird.

In den folgenden Tagen verblieb die Antizyklone ANKE mit ihrem Zentrum nahezu stationär westlich bzw. südwestlich der Britischen Inseln. Der Luftdruck in Zentrumsnähe stieg dabei auf ca. 1038 hPa an. An der Ostflanke des Hochs begannen nun gemäßigte Luftmassen nach Süden zu strömen und verdrängten damit die kühlere Polarluft. Dies hatte eine Temperaturzunahme auf zweistellige Werte zur Folge, welche sich mit den Luftmassen bis zum 04.12. zunächst von den Britischen Inseln über den Norden Frankreichs und den Beneluxstaaten auch bis zur Nordhälfte Deutschlands ausbreitete. Im Nordwesten Frankreichs konnten so beispielsweise 12,5°C in Rennes gemessen werden, 11,9°C konnten am Flughafen der britischen Kanalinsel Guernsey, 10,5°C in Rotterdam und an den Küsten Spaniens sowie Portugals 14 bis 16°C festgehalten werden. Sonnenschein von über 6 Stunden wurde durchgängig jedoch nur in weiteren Teilen der Iberischen Halbinsel verzeichnet, da im übrigen Einflussbereich des Hochs ANKE immer wieder Tiefdruckausläufer der Wirbel UWE und VOLKER dichte Wolkendecken vorüberziehen ließen. Das Frontensystem des Tiefs UWE sorgte dabei am 04.12. für eine Trennung der Luftmassen über Deutschland. Die vom Hoch ANKE herantransportierte gemäßigte Luftmasse führte in der Nordhälfte des Landes zu Tageshöchsttemperaturen von verbreitet 7 bis 9°C, wohingegen weiter südlich im Bereich kühlerer Subpolarluft meist nur 0 bis 4°C erreicht wurden.

Das Hoch ANKE verlagerte sich schließlich vom östlichen Atlantik über die nördliche Biskaya und befand sich am 05.12. mit etwa 1039 hPa über der Bretagne. Der Einfluss des Hochs reichte dabei von den Britischen Inseln bis nach Algerien sowie vom Ostatlantik bis zu den Westalpen. Die feuchte Luft mit vielen Wolken im Norden des Hochs ANKE sorgte auf den Britischen Inseln und in der Nordhälfte Frankreichs nur mäßig für Sonnenschein. Weiter südlich erreichten die Werte aber erneut 7 bis 9 Stunden. Mit Unterstützung der Sonne stiegen dann auch die Tagesmaxima der Temperatur im Süden Frankreichs, in Spanien und in Portugal weiter an. Im nordostspanischen Tortosa wurden 16,1°C, im südportugiesischen Sagres 16,6°C und in Le Luc nahe Marseille 14,6°C gemessen. Weiterhin erwärmte sich die Luft auf den Britischen Inseln, wo sich die gemäßigten Luftmassen weiter etablierten, auf 11,5°C in Aberdeen oder 11,0°C auf der Isle of Man.

Am 06.12. wurde das Zentrum der Antizyklone ANKE mit 1039 hPa über dem Osten Frankreichs dokumentiert. In Frankreich stellte sich erneut ein deutlicher Gradient zwischen Landesinnerem und den Küstenregionen ein. So wurden beispielsweise in Cognac lediglich maximal 2,5°C vernommen, wohingegen vor allem an der Süd- und Nordwestküste die Wetterstationen oft Temperaturen zwischen 10 und 15°C aufzeichneten. Die einfließende gemäßigte Luft erwärmte sich auf den Britischen Inseln weiter, wodurch nun bis zu je 13,9°C am Valentia Observatory im Südwesten Irlands und im schottischen Aboyne oder 13,2°C in Chivenor in Devon gemessen wurden.

Bis zum Folgetag verlagerte sich das Hoch ANKE unter leichter Abschwächung auf 1036 hPa nach Zentralspanien. Dort wurden abermals Sonnenscheindauer von bis zu 9 Stunden bei Temperaturen von 16,3°C im südfranzösischen Socoa, 17,4°C in Murcia und 18,8°C in Asturias im Nordwesten Spaniens verzeichnet. Hoch ANKE war dabei Teil eines umfangreichen Hochdruckkomplexes über dem Süden Europas, welcher durch ein Zentrum über den Alpen auch Deutschland in dessen Einflussbereich miteinbezog. Dort konnten an diesem Tag mit Ausnahme des Nordens und Westens 4 bis 8 Stunden Sonnenschein wahrgenommen werden. Die Temperaturen stiegen dementsprechend im Vergleich zum Vortag um mehrere Grad an, wie zum Beispiel in Augsburg von 2,9°C auf nun 7,7°C.

Auch am 08.12. befand sich das Hoch ANKE mit einem sich weiter abschwächenden Zentrumsdruck von 1033 hPa über Spanien. Im Tagesverlauf wurde die Antizyklone jedoch von einem sich neu bildenden und verstärkenden Hochdruckgebiet westlich der Iberischen Halbinsel in dessen Zirkulation aufgenommen und konnte somit am Folgetag nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte namentlich verzeichnet werden.

 

Geschrieben am 25.02.2018 von Sebastian Wölk

Berliner Wetterkarte: 06.12.2017

Pate: Anke Schult