Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet ANNI

(getauft am 09.06.2017)

 

Am 09.06.2017 befanden sich weite Teile West- und Mitteleuropas unter dem Einfluss des mit Kern über der Nordsee gelegenen Tiefs JÖRN. Es verlagerte sich im Tagesverlauf nach Osten und seine ausgeprägte Kaltfront trennte warme Subtropikluft östlich von dieser und erwärmte Subpolarluft hinter der Front, wodurch sich einige Gewittern bilden konnten. Rückseitig der Kaltfront setzten absinkende Luftbewegungen ein, die den Luftdruck am Boden steigen ließen. Daraus resultierend entwickelte sich ein Hochdruckgebiet, welches in der Prognose für den Folgetag auf den Namen ANNI getauft wurde.

Das Hochdruckgebiet ANNI konnte so erstmals am 10.06. um 02 Uhr MESZ analysiert werden, wobei es den höchsten Luftdruck von etwa 1021 hPa über der Mitte Frankreichs aufwies. Die großräumig zum Boden gerichtete Luftströmung führte zu einer Erwärmung der Luft mit gleichzeitiger Abnahme der enthaltenen Feuchte, sodass sich die letzten Wolken am Morgen auflösten und ganz Spanien, Frankreich und auch Teilen Deutschlands einen sonnigen Tag bescherten. Über Frankreich schien die Sonne verbreitet 14 bis 15 Stunden, weiter östlich von Nordrhein-Westfalen bis nach Bayern waren es noch 12 bis 14 Stunden. Dadurch stiegen die Temperaturen im Vergleich zum Vortag in Frankreich deutlich an, da sich die am Vortag eingeflossene erwärmte Polarluft noch weiter erwärmen konnte. In Paris wurden tags zuvor nur 23°C als Tageshöchstwert erreicht, an diesem Tag stieg die Temperatur auf maximal 28°C an. An der Côte d’Azur in Marseille erwärmte sich die Luft sogar auf 33°C, dies sind ebenfalls 5 Grad mehr als noch am Vortag verzeichnet wurden. Auch in Rheinland-Pfalz oder dem Saarland waren ähnliche Erwärmungsraten zu beobachten. Weiter östlich, beispielsweise in Berlin, war der Einfluss des Hochs ANNI noch nicht so stark, sodass dort noch einige Wolkenfelder eine Erwärmung verhinderten. Konnten vor der Kaltfront am Vortag im Bereich der Subtropikluft noch 30°C verzeichnet werden, waren es an diesem Tag nur 24°C.

Das Hochdruckgebiet ANNI befand sich am 11.06. mit einem Kerndruck von ca. 1023 hPa über Tschechien. Der Einfluss der Antizyklone reichte dabei von Spanien bis nach Südschweden. Trotz der Mitte Juni auftretenden kurzen Nacht konnten infolge der trockenen Luft, beispielsweise über Bayern, einstellige Tiefsttemperaturen gemessen werden. Im fränkischen Bamberg sank die Temperatur auf 7°C, in Oberhaching südlich von München auf 8°C. Die höheren Tageshöchsttemperaturen sorgten in Frankreich auch für höhere Temperaturminima. In der Region Limousin meldete Guéret in der Nacht zuvor noch 8°C, während in dieser Nacht 13°C gemessen wurden. Ansonsten waren die meisten Orte in Frankreich in der Nacht wesentlich wärmer. Durch den wärmenden Einfluss des Mittelmeers wurde in Sete bei Montpellier ein Minimum von 22°C erreicht, was einer Tropennacht entspricht, bei welcher die Temperatur nicht unter 20°C sinken darf. Am Tag wurde es in weiten Teilen Frankreichs und Spaniens sehr heiß. In Auch bei Toulouse wurde eine Maximumtemperatur von 35°C registriert, in Spanien wurde es in Saragossa 38°C heiß. In der Extremadura an der Grenze zu Portugal wurden sogar 40°C in Badajoz gemessen. Etwa 10 Grad kühler waren die maximal in Deutschland gemessenen Temperaturen an diesem Tag. Wie oftmals üblich wurden diese im Oberrheingraben verzeichnet, denn er ist durch seine südliche und vor allem tiefe und geschützte Lage ideal für hohe Temperaturen. In Freiburg und Karlsruhe wurden maximal 32°C verzeichnet, in Darmstadt noch 31°C. Die Fronten des vom Atlantik folgenden Tiefs KARL ließen den Himmel am Nachmittag und Abend in der Nordwesthälfte Deutschlands etwas eintrüben, sodass im Münsterland nur 5 Sonnenstunden gemessen wurden. 15 Stunden gab es dagegen in Oberbayern. Trotz verschiedener Sonnenscheindauern unterschieden sich die höchsten Temperaturen in der sich inzwischen zu Subtropikluft umgewandelten Luftmasse über Deutschland kaum, am Münchner Flughafen wurde es 26°C warm, am Köln-Bonner Flughafen dagegen 30°C. Ein möglicher Grund ist die unterschiedliche Höhe der Stationen, denn der Flughafen in München befindet sich auf etwa 450 m über dem Meeresspiegel, jener im Raum Köln/Bonn dagegen auf nur knapp 100 m. An solch einem Tag kann dies aufgrund des höheren Stationsluftdrucks und der damit einhergehenden Erwärmung in Köln-Bonn schon einige Grad Temperaturunterschied begründen.

Das Tiefdruckgebiet KARL verdrängte mit seiner Kaltfront das sommerliche Wetter aus weiten Teilen von Deutschland. Diese kräftige Zyklone sorgte auch für eine Ostverlagerung des Hochs ANNI, das sich nun am 12.06. um 02 Uhr MESZ mit Zentrum über Rumänien befand, wobei der maximale Luftdruck auf nur noch 1018 hPa fiel. Vor der ankommenden Kaltfront gab es z.B. in Nossen, westlich von Dresden, mit 21°C sowie in Karlsruhe mit 22°C eine Tropennacht. Abgesehen von den Küstengebieten sowie großen Ballungsräumen gab es im Südosten Europas nächtliche Temperaturen von etwa 12 bis 16°C, in höher gelegenen Gebieten war es entsprechend kühler. Tagsüber war es in Rumänien meist zwischen 26 und 29°C warm, weiter nach Westen wurden verbreitet maximale Temperaturen über 30°C gemessen. Wien beispielsweise meldete maximal 33°C und Bratislava 32°C. Auch im Südosten Bayerns wurde es vor dem Kaltfrontdurchgang in Rosenheim noch bis zu 29°C warm. Die Sonne schien vor allem im Südosten Europas längere Zeit. Im serbischen Belgrad sogar 15 Stunden lang, was nah am für diese Jahreszeit astronomischen Maximum ist. Sarajevo im benachbarten Bosnien meldete 12 Stunden. Auch in Mazedonien, wo Skopje 14 Sonnenstunden verzeichnete, sowie in Athen und Istanbul mit je 11 Stunden war der Einfluss des Hochs ANNI deutlich spürbar.

Etwa über Montenegro wurde das Zentrum der Antizyklone ANNI am 13.06. um 02 Uhr MESZ analysiert. Der maximale Luftdruck betrug inzwischen nur noch ca. 1015 hPa. Die nächtlichen Temperaturen änderten sich im Einflussbereich des Hochs ANNI über Südosteuropa verglichen zum Vortag kaum. An der Schwarzmeerküste Rumäniens und der Ukraine konnten stellenweise Tropennächte verzeichnet werden. Ebenso im Bereich der Ägäis in Griechenland und der Türkei. Durch die auch an diesem Tag kräftige Einstrahlung der Sonne erwärmte sich die Balkanhalbinsel stark, sogar etwas stärker als am Tag zuvor. Im Süden Rumäniens wurden nun verbreitet 33°C erreicht, Gevgelija in Mazedonien, direkt an der Grenze zu Griechenland, meldete maximal 35°C. Die gleiche Temperatur wurde im bosnischen Zenica erreicht. Sofia in Bulgarien registrierte an diesem Tag 14 Sonnenstunden, Athen 13 und Belgrad 12 Stunden.

Schon im Tagesverlauf des 13.06. löste sich das Hochdruckgebiet ANNI über dem Südosten Europas komplett auf, sodass es am Folgetag nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden konnte.

 


Geschrieben am 12.07.2017 von Dustin Böttcher

Berliner Wetterkarte: 10.06.2017

Pate: Anni Wentz