Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet BÄRBEL

(getauft am 07.12.2017)

 

Bereits Anfang Dezember trat ein Gebiet hohen Luftdrucks an der Ostküste Kanadas in den Darstellungsbereich der Berliner Bodenwetterkarte. Das bisher noch unbenannte Hochdruckgebiet befand sich auf der Vorderseite eines zu diesem Zeitpunkt noch relativ schwachen Höhenkeils, also ein Vorstoß warmer Luftmassen nach Norden, über dem Eriesee. Unter Verstärkung dieses Höhenkeils zog das Hochdruckgebiet auf dessen Vorderseite bis zum 7. Dezember mit dem Zentrum etwa 250 km südlich der Südspitze Grönlands. Da das Hoch in den Folgetagen mit der westlichen Höhenströmung den europäischen Raum beeinflussen sollte, taufte es die Berliner Wetterkarte in der Analyse an diesem Tag auf den Namen BÄRBEL. Hoch Bärbel besaß um 00 Uhr UTC, also 01 MEZ, einen Kerndruck von etwas unter 1030 hPa und reichte in der Nordausdehnung bis weit über Grönland. Dabei sorgte Hoch BÄRBEL durch die Drehung im Uhrzeigersinn dafür, dass kurzzeitig mildere Luftmassen aus dem Süden an die Westküste Grönlands gelangten. Somit konnten dort bereits am frühen Morgen um 06 Uhr UTC Plusgrade verzeichnet werden, wie z.B. 3°C in Sisimiut, der mit 5500 Einwohnern zweitgrößten Stadt Grönlands. Klimatologisch gesehen beträgt die Höchsttemperatur im Dezember dort      -7°C. Somit wurde an diesem Tag eine Abweichung von 10 Grad erzielt. Die feuchten Luftmassen nordatlantischen Ursprungs sorgten ebenfalls für einige Niederschläge an der Westküste. Unter der Zufuhr der milden Luft ging der anfangs noch als Schnee gefallene Niederschlag rasch in Regen über. Im Tagesverlauf zog Hoch BÄRBEL zügig nach Südosten weiter, so dass die milden Temperaturen in Sisimiut nur von kurzer Dauer waren. In der Folge sorgten bereits schon am Nachmittag wieder kühle Luftmassen aus dem Norden für einen Temperaturabfall auf ca. -11°C.

Am Tag nach der Taufe positionierte sich Hoch BÄRBEL über dem Nordostatlantik mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von knapp 1500 km und einer Ost-West-Komponente von 700 km. Der Luftdruck blieb nahezu unverändert. Korrespondierend dazu befand sich ein kräftig ausgeprägter Tiefdruckwirbel namens WALTER über Südskandinavien. Die Luftdruckgegensätze zwischen Hoch BÄRBEL und Tief WALTER wurden durch kräftige Nordwinde ausgeglichen. Somit gelangte maritime Arktikluft mit Ursprung aus dem Nordmeer nach Irland, Großbritannien, Frankreich bis in den Norden Spaniens. Wo am Vortag in Nordspanien noch Höchsttemperaturen von 15 bis 20°C herrschten, stiegen die Temperaturen am 8. Dezember durch die Polarluft auf nur noch 11 bis 13°C. Noch größere Auswirkungen zeigten sich jedoch auf den Britischen Inseln. Während in Mittel- und Südengland am 7. Dezember mit einer maritimen Subtropikluft von Spanien kommend Temperaturen von 12 bis 14°C erreicht wurden, wie z.B. 13°C in London-Heathrow, wurden am 8. Dezember nur noch 0°C in Bingley in West Yorkshire und maximal 7°C im Bundesstaat Cornwall erreicht. Grund dafür war der sich verstärkende Hochkeil über dem Nordatlantik und Grönland, an dessen Vorderseite sich Hoch BÄRBEL verstärken konnte. Damit verbunden ist die Ausdehnung des Hochs hinweg über dem Südatlantik, so dass es sich mit dem kräftig ausgeprägten Hoch ANKE über Spanien und Portugal vereinigt hat und daher Einfluss bis Nordspanien hatte. Des Weiteren befand sich zu diesem Zeitpunkt Sturmtief WALTER mit einem Luftdruck unter 965 hPa mit dem Kern über der Westküste Südnorwegens. Da zwischen Tief WALTER und Hoch BÄRBEL eine Luftdruckdifferenz von ungefähr 75 hPa herrschte, stellten sich dazwischen ausgleichende Winde ein. Aufgrund der Drehrichtung von Tief WALTER gegen den Uhrzeigersinn und der Drehrichtung von Hoch BÄRBEL im Uhrzeigersinn kam es von Spitzbergen bis Großbritannien zu einer ausgeprägten nördlichen Höhen- und Bodenströmung. Damit ersetzte arktische Kaltluft die dort vorher bestehende maritime Subtropikluft. Trotz des Einflusses von Hoch BÄRBEL gab es in Großbritannien nur 1 bis 5, vereinzelt bis 7 gemessene Sonnenstunden. Besonders in Schottland und Wales ließ sich die Sonne örtlich gar nicht blicken. Grund dafür war die nun bestimmende maritime Arktikluft, welche über dem relativ warmen Atlantikwasser zahlreiche dichte Wolken und Regenfälle in Form von Schauern mit sich brachte. Am freundlichsten gestaltete sich das Wetter im Nordwesten Frankreichs. Im Ort Nantes konnten 8 Sonnenstunden registriert werden.

Am Folgetag verlagerte sich Hoch BÄRBEL unter Abschwächung des Kerns langsam nach Südosten. Im Tagesverlauf positionierte sich das Hoch vom Atlantik über Westfrankreich Richtung französische Mittelmeerküste. Dementsprechend zeigten sich die höchsten Sonnenanteile in Mittel- und Südfrankreich mit 1 bis 4, gebietsweise auch 5 bis 6, bzw. 8 Stunden direkt an der Mittelmeerküste, wie z.B. in Cannes und Marseille. Da sich aus Westen bereits die nächsten Tiefdruckausläufer von Tief XANTHOS über dem Nordatlantik mit dichten Wolkenfeldern ankündigten, wurden von Schottland über Irland, Westengland, der Bretagne bis nach Nordspanien keine Sonnenstunden verzeichnet, obwohl sich diese Gebiete zunächst noch im Einflussbereich von Hoch BÄRBEL befanden. Mit der Verlagerung von Antizyklone BÄRBEL Richtung südlichem Alpenraum profitierte auch der Süden Deutschlands. Von der Pfalz über Baden-Württemberg bis nach Niederbayern konnten vielerorts 1 bis 3 Sonnenstunden gemessen werden. Stuttgart war mit 5 Stunden Sonne der sonnenscheinreichste Ort Deutschlands an diesem Tag. Die Mitte und der Norden Deutschlands standen noch unter dem Einfluss von Tief WALTER, so dass es dort in den meisten Gebieten keine Sonne gab. Aufgrund des warmen Atlantiks erwärmte sich die maritime Arktikluft, sodass von der Bretagne bis zu den Pyrenäen Höchsttemperaturen von 7 bis 10°C erreicht wurden. Im restlichen Land, vor allem in Ostfrankreich, flossen weiterhin die kühlen Luftmassen mit arktischem Ursprung ein und sorgten für maximal 1 bis 4°C.

Am 10. Dezember nahm Hoch BÄRBEL die Eigenschaften eines Zwischenhochs an und wies zudem keine eigenständige Zirkulation mehr auf. Ein Zwischenhoch liegt immer zwischen zwei Tiefdruckgebieten, in diesem Fall zwischen einem Tiefdruckkern am Schwarzen Meer und einem weiteren westlich von Irland. Zwischenhochlagen halten aber selten länger als einen Tag an. So auch in diesem Fall, wo bis zum Folgetag bereits die Vorderseite des westlich gelegenen Tiefs herangezogen ist. Das Hochdruckzentrum befand sich mit einem leicht verringerten Luftdruck von etwa 1018 hPa über Norditalien bzw. dem südlichen Alpenraum. Rückseitig von Tief WALTER floss maritime Arktik- und Polarluft nun auch in großen Teilen Mitteleuropas ein. Unter dem Hochdruckeinfluss von Hoch BÄRBEL konnte sich die Luft in den meist klaren und windarmen Nächten abkühlen. Auf einigen Mittelgebirgsgipfeln gab es am Morgen strengen Frost. Auf dem Feldberg im Schwarzwald lag dabei das Minimum bei -10°C, auf dem Großen Arber bei -11°C. Aber auch am Alpennordrand wurde es mit einer in Oberstdorf gemessenen Tiefsttemperatur von -14°C recht kalt. Durch die rasche Verlagerung von Tief XANTHOS wurde die Antizyklone BÄRBEL in Richtung Griechenland verdrängt. Dadurch verschob sich das Einflussgebiet des Hochs am 10. Dezember von Mitteleuropa nach Südosteuropa. Die sonnenscheinreichste Zone erstreckte sich mit 7 bis 9 Sonnenstunden von Ungarn bis Griechenland. So meldeten die Wetterstationen in Sarajevo und Athen 8 Stunden Sonne. Mit Annäherung von Hoch BÄRBEL fand auch ein Luftmassenwechsel statt. Die am Vortag dort noch vorherrschende erwärmte kontinentale Subpolarluft wurde an der Nordostflanke von Hoch BÄRBEL durch die mitgeführten arktischen Luftmassen verdrängt. Die kühlere Luft drang bis nach Mazedonien bzw. gebietsweise auch bis in den Norden Griechenlands vor. In Skopje gab es am Vortag noch 14°C. Durch Hoch BÄRBEL kühlte sich die Luft am 10. Dezember in der Hauptstadt auf 5°C ab. Noch extremer verhielt es sich im Süden Serbiens: in Niš, der drittgrößten Stadt Serbiens, gab es vom 9. auf den 10. Dezember einen Temperatursturz von 15 auf 4°C. Im Süden Griechenlands fiel der Temperaturabfall weniger drastisch aus, da sich die kühleren Luftmassen vorher noch über dem Mittelmeer erwärmen konnten. So vermeldete Athen lediglich einen Temperaturunterschied von einem Grad im Vergleich zum Vortag.

Bis zum 11. Dezember zog das Zentrum von Hoch BÄRBEL bis über Peloponnes, einer Halbinsel südlich des griechischen Festlandes. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Hoch zwar wieder einen leicht angestiegenen Luftdruck von etwa 1023 hPa, allerdings ist es kein Hoch mehr mit eigener geschlossenen Isobare, also einer Linie gleichen Luftdrucks, sondern nur noch ein leicht ausgeprägter Hochdruckkeil. Im weiteren Tagesverlauf zog dieser Richtung Ägypten weiter und war somit für das Wettergeschehen in Europa nicht mehr von Bedeutung.

Folglich konnte Hoch BÄRBEL am 11. Dezember das letzte Mal im Analysebereich der Berliner Wetterkarte verzeichnet werden.

 


 

Geschrieben am: 09.03.2017 von Lisa-Marie Schulze

Berliner Wetterkarte: 07.12.2017

Pate: Bärbel Berta Heidelmann