Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet CARINA

(getauft am 14.12.2017)

 

Westlich von Europa existieren aufgrund der globalen Druckverteilung häufig ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet im Norden, das sogenannte Islandtief, sowie ein Gebiet hohen Druckes über den Azoren, das Azorenhoch. Zur Mitte des Dezembers war ebendieses Azorenhoch stark ausgeprägt und begann sich langsam in Richtung Nordosten zu verlagern. Aufgrund dieser Bewegung und der damit prognostizierten Einflüsse auf Europa wurde das Hoch in der Analyse des 14.12.2017 auf den Namen CARINA getauft. Als kleiner Ableger des Azorenhochs, getrennt durch eine Warmfront, wurde Hochdruckgebiet CARINA um 00 Uhr UTC des 14.12. über dem Nordatlantik analysiert.  Mit der Lage nördlich der Azoren, etwa auf Breite von Nordfrankreich brachte es zwar einen starken Druckgradienten mit dem nördlichen von Großbritannien liegenden Tief ZUBIN, wirkte aber nicht direkt auf das Wetter Europas ein.

Bis zum nächsten Tag konnte Antizyklone CARINA ihr Einflussgebiet vergrößern. Dieses reichte jedoch noch nicht bis aufs europäische Festland. Mit einem Zentrumsdruck von etwas über 1020 hPa gab es aber zumindest einen relativ ruhigen Seeabschnitt im Nordatlantik.

Der 16.12. war der erste Tag, an dem Hoch CARINA Einfluss auf das Wetter Westeuropas nahm. Mit einem Druck von über 1025 hPa befand sich das Zentrum weit südlich von Island, etwa auf Höhe Frankreichs. Das Gebiet um 00 Uhr UTC umfasste dabei Irland und westliche Teile Großbritanniens, sowie Portugal und Spanien. Im portugiesischen Monte Real wurden so bei überwiegend wolkenlosem Himmel 12,9°C erreicht. Das britische Camborne maß indes 9°C als Höchsttemperatur. Durch die absinkende Luft in einem Hochdruckgebiet gibt es oft wolkenfreien Himmel, der die Einstrahlung am Tag und die Ausstrahlung in der Nacht begünstigt. So entstehen auch bei der geringeren Anzahl an Sonnenstunden im Winter häufig große Temperaturunterschiede. In Zamora nahe der portugiesischen Grenze wurde bei einer Höchsttemperatur von 9,5°C und einer Minimaltemperatur von -2,1°C eine Differenz von fast 12 Grad erreicht. Nicht ganz so stark ausgeprägt war diese Differenz im britischen West Freugh. Dort wurden aber dennoch fast 8 Grad Unterschied gemessen, bei einer Höchsttemperatur von 7,6°C.

Durch die bis nach Frankreich reichenden Fronten des Eingangs erwähnten Islandtiefs konzentrierte sich der Einfluss der Antizyklone CARINA am 17.12. auf Portugal und Spanien, zog sich aber bis nach Frankreich und sogar Nordafrika. Mit einem verstärkten Druck von mehr als 1030 hPa befand sich das Zentrum vor der Biskaya. So wurden entlang der Küste Höchsttemperaturen von durchgängig 10-14°C erreicht, in Marokko sogar bis 18°C. Der Effekt der Tagesschwankung konnte auch an diesem Tag gut beobachtet werden. Beispielsweise wurden im spanischen Toledo 11,2°C bzw 0,8°C, in Cuenca 9,2°C und -2,2°C und in Frankreich in Agen 9,2°C und -0,7°C gemessen. Vor allem über Spanien und Portugal gab es mit 6-9 Sonnenstunden überdurchschnittlich viel Sonnenschein.

Am folgenden Tag kam es durch den verstärkten Einfluss der Fronten des Tiefs ANDREAS zu einer Spaltung des Hochdruckgebietes CARINA in die Zentren CARINA I und CARINA II. Hoch CARINA I mit maximalem Druck von über 1035 hPa lag dabei ähnlich zum Vortag an der Nordwestküste Spaniens und erstreckte sich über die Iberische Halbinsel und Nordafrika. Hochdruckgebiet CARINA II hatte sich indes bis nach Mitteleuropa verlagern können. Mit einem Zentrumsdruck von ca 1025 hPa befand es sich bei München, während sich das Einflussgebiet lediglich auf das Alpengebiet und den Norden Italiens beschränkte. Während die Länder im Gebiet von Hoch CARINA I erneut mit 7-9 Sonnenstunden beglückt wurden, schien sie in der Südschweiz und Norditalien maximal 3-5 Stunden. Dementsprechend kühl fielen auch die Temperaturen im Gebiet der Antizyklone CARINA II aus. Mit maximalen 6,5°C war Bologna noch einer der Spitzenreiter. Das österreichische Bischofshofen erreichte lediglich -3,4°C. In beiden Gebieten blieb es aber weitgehend trocken.

Mit der Auflösung des Frontensystems der Zyklone ANDREAS konnte sich über ganz West- und Mitteleuropa hoher Druck durchsetzen. Das Einflussgebiet des Hochs CARINA mit Zentrum über der Biskaya reichte um 00 Uhr UTC des 20.12. von den Azoren im Westen bis nach Polen im Osten. Während es sich im Süden bis nach Nordafrika ausbreitete, wurde es im Norden durch ein neues Tief BOB über Spitzbergen, dessen Front bis nach Frankreich reichte, begrenzt. Auch am folgenden Tag gab es ein ähnliches Bild. Antizyklone CARINA lag mit Zentrum über der Biskaya und beeinflusste das Wetter bis nach Mitteleuropa während sie im Norden durch Fronten von Tiefdruckgebieten eingegrenzt wurde. Dadurch ergab sich ähnlich mildes Wetter über Frankreich und dem Süden Großbritanniens an beiden Tagen. Bei 8,5°C bzw 10,0°C Höchsttemperatur im niederländischen Eindhoven blieb es jedoch durchgängig dunstig bis neblig. Das gleiche wurde in Wattisham nördlich von London gemeldet mit maximalen Temperaturen von 9,3°C bzw 11,1°C. Und auch Vatry-Aero in Frankreich blieb ganztägig neblig, aber mit minimal 6,6°C oder 7,9°C für den Dezember vergleichsweise mild.

Am nächsten Tag kam es durch das gen Nordosten ziehen der Zyklone CHARLY über Irland zu einer Verringerung des Gebiets von Hoch CARINA. Mit dem Schwerpunkt, in dem in den letzten Tagen der Druck stetig auf bis über 1040 hPa anstieg, noch immer über der Biskaya zog sich Hoch CARINA vom Atlantik nur noch bis nach Westfrankreich und brachte so an der französischen Küste, sowie in Spanien und Portugal verbreitet maximale Temperaturen von 9,4°C in Cap Ferret bis 17,1°C in Sagres.

Auch bis Heiligabend beschränkte sich der Einfluss des hohen Drucks mal mehr und mal weniger gen Osten reichend größtenteils auf die Iberische Halbinsel und Frankreich, in kleineren Teilen auch mal bis nach Süddeutschland und Italien. Mit der kurzzeitigen Ausbreitung bis nach Deutschland konnten so z.B. in Augsburg am 23.12. 7,6°C als Höchsttemperatur gemessen werden, womit es 5 Grad über dem Durchschnitt des gesamten Monats in Deutschland lag. Im französischen Creil Fafb gab es alle Tage um die 10°C Höchsttemperatur, was in etwa der Schnitt des gesamten Einflussgebietes des Hochs CARINA war. Lediglich in exponierteren Lagen wie in Grand St Bernard in der Schweiz wurden geringere Temperaturen von maximalen 2,7°C erreicht. 

Zum 1. Weihnachtsfeiertag um 00 Uhr UTC befand sich Antizyklone CARINA mit dem Zentrum, in dem ein Druck von ca. 1030 hPa herrschte, über Madrid. Gemeinsam mit zwei anderen Hochdruckzentren bildete es eine Brücke über die Schweiz und Österreich, sowie weiter über Kroatien und Griechenland bis in die Türkei. So kam es, dass vor Allem Deutschland im Bezug auf das Wetter zweigeteilt war. Während im Norden Tief DIETHELM II bspw. in Feldberg Sprühregen bis Regen bei bis zu 50 km/h in Böen brachte, gab es unter Einfluss des Hochs CARINA im Süden am Münchener Flughafen trockenes Wetter begleitet von Dunst und Temperaturen um den Gefrierpunkt. Direkt im Zentrum mitten auf dem spanischen Festland konnte indes der Effekt der Erwärmung und Abkühlung bei fast wolkenfreiem Himmel beobachtet werden. In Madrid/Getafe konnten in der Nacht lediglich -2,5°C erreicht werden, während es sich tagsüber auf 5,6°C erwärmte. Auch in Salamanca/Matacan startete der 25.12. mit -4,5°C sehr kalt und erreichte dann im Tagesverlauf 9,7°C Höchsttemperatur.

Durch einen sehr starken Jetstream, also einem Starkwindband in etwa 5,5 km Höhe, verlagerte sich Antizyklone CARINA bis 00 Uhr UTC des 26.12. weit nach Osten. So befand es sich mit einem gleichgebleibenen Druck zu Tagesbeginn über der Türkei. Bei überwiegend wolkenlosem Himmel erlebte die Türkei erneut einen sonnigen und milden Dezembertag. Zuvor war sie von dem einen unbenannten Hoch schon auf weitverbreitet zweistellige Maximaltemperaturen eingestellt gewesen. Hochdruckgebiet CARINA erzielte in Dalaman an der Küste 16,7°C und in Eskisehir 4,5°C. Diese großen Unterschiede entstehen dabei vor Allem durch den Höhenunterschied von fast 700m und der Wärmespeicherkapazitäten des Wassers.

Der zweite Weihnachtsfeiertag war zudem der Letzte an dem Hochdruckgebiet CARINA auf den Karten der Berliner Wetterkarte namentlich erschien.

 

 

Geschrieben von Stephanie Meier am 14.03.18

empfohlene Wetterkarte: 24.12.2017

Pate: Carina Hildebrandt