Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet CONCHA
(getauft am 15.06.2017)

 

Infolge der Verstärkung eines ausgeprägten Warmluftvorstoßes nach Norden in einer Höhe von 5,5 km, welcher auch als Höhenkeil bezeichnet wird, entwickelte sich im Laufe des 15. Juni 2017 im Bodenniveau über der Biskaya ein Hochdruckgebiet, das in der Prognose der Berliner Wetterkarte für den Folgetag auf den Namen CONCHA getauft wurde.

Am 16. Juni um 01 Uhr MEZ befand sich Hoch CONCHA mit seinem Zentrum, in dem der Bodendruck ca. 1025 hPa betrug, etwa 100 km südwestlich von Brest. Im Einflussbereich des Hochs CONCHA stieg die Temperatur in Nordspanien und Westfrankreich verbreitet um 2 bis 3 Grad im Vergleich zum Vortag an. So wurden in Bordeaux 26°C und in Bilbao 24°C als Tageshöchstwerte gemessen. In einem Hochdruckgebiet findet eine absinkende Luftbewegung statt. Das kräftige Absinken führte im Bodendruckfeld zur weiteren Verstärkung des Hochdruckgebietes CONCHA, sodass es weiter nach Nordosten ziehen und dadurch in den nächsten Tagen das Wetter von Europa bestimmen konnte.

In den folgenden 24 Stunden verstärkte sich der Höhenkeil über Südwesteuropa. Dadurch zog die Antizyklone CONCHA mit ihrem Zentrum weiter nordwärts und dehnte sich bis zu den südlichen Gebieten der Britischen Inseln aus. Der Einfluss des Hochdruckgebietes CONCHA wurde dabei durch das Frontensystem des Tiefdruckgebietes NAOTO mit Zentrum etwas westlich von Island und des Tiefdruckwirbels LUDGER über der Ostsee begrenzt. Das Hoch CONCHA wirkte sich dadurch nicht nur auf das Wetter von Südwesteuropa, sondern auch auf das von Großbritannien und den westlichen Teilen von Mitteleuropa aus. Das Absinken von Luftmassen in einem Hochdruckgebiet führt zur Wolkenauflösung, weshalb wesentliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht entstehen können. An der Station des Flughafens London-Heathrow sank die Temperatur zum Morgen bis auf 14,6°C und stieg am Tage auf 30,1°C an. In Paris-Orly lag die Tiefsttemperatur bei 12,2°C, wobei bis zum Abend maximal 27,3°C erreicht wurden. Außerdem gab es im Süden Großbritanniens verbreitet einen Sommertag. Im meteorologischen Sinne wird ein Tag als Sommertag bezeichnet, wenn die Tageshöchsttemperatur mindestens 25°C beträgt. Am 17. Juni wurde in Manchester und in Dublin 27 sowie 26°C als Höchsttemperatur gemessen. In Spanien stieg die Temperatur verbreitet über 40°C. In Córdoba wurde mit 43,5°C die höchste Temperatur erreicht.

Bis zum Folgetag verlagerte sich die Antizyklone CONCHA weiter nach Osten. Obwohl sich im Laufe des Tages die zonale Ausdehnung des Hochs CONCHA verstärkte, änderte sich das Einflussgebiet kaum im Vergleich zum Vortag. Dadurch strömte sehr warme Luft subtropischen Ursprungs von der Iberischen Halbinsel über Westeuropa bis nach Deutschland. Dies ermöglichte eine andauernde Hitzewelle, eine ungewöhnlich lange Phase aufeinander folgender heißer Tage, in Spanien und Portugal. In den Orten Merida und Beja stieg die Temperatur auf 43 bzw. 42°C an. Unter dem Hochdruckeinfluss war das Wetter in Deutschland recht freundlich und sommerlich. Es wurden verbreitet 13 bis 15 Stunden Sonnenschein bei Höchstwerten der Temperatur von über 25°C gemessen. Am wärmsten wurde es dabei in Lingen im Emsland mit 30,3°C.

Mit der westlichen Strömung verlagerte sich das Hoch CONCHA weiter nach Südosten und lag am 19. Juni um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum über der deutsch-österreichischen Grenze. Das Einflussgebiet reichte von Dänemark bis nach Nordafrika bzw. von Irland bis zum Schwarzen Meer. In der subtropischen Luft wurden in Deutschland an fast allen Wetterstationen Höchstwerte der Temperatur über 25°C gemessen. Ausnahmen waren der Brocken und der Fichtelberg mit Höchsttemperaturen von 22°C. An der Station Berlin-Dahlem gab es den ersten Heißen Tag des Monats mit 30,5°C. Ein Tag wird als Heißer Tag bezeichnet, wenn die Tageshöchsttemperatur mindestens 30°C beträgt. In der Nähe der Ostflanke des Hochdruckgebietes CONCHA sank die Temperatur durch die nächtliche Abkühlung unter leicht bewölktem Himmel in Belgrad auf 13,8°C.

Im Verlauf verlagerte sich das Hochdruckgebiet CONCHA weiter ostwärts. So befand es sich schließlich am 20. Juni um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum über der Slowakei. Das Einflussgebiet erstreckte sich von Polen über Mittel- und Osteuropa bis Nordafrika, sowie von Spanien bis zum Schwarzen Meer. In der Nacht sank die Temperatur in Budapest auf 14,9°C. Im Tagesverlauf erwärmte sie sich anschließend bis auf sommerliche 32°C, was einen Unterschied von 17,1 Grad zwischen Tagestiefst- und Höchstwert entspricht. Diese Werte wurden unter wolkenlosem bis leicht bewölktem Himmel in Wien bei einer Tiefsttemperatur von 12,7°C und einem Maximum von 34,0°C sogar noch übertroffen. In Deutschland wurde die höchste Temperatur mit 35,8°C in Trier gemessen. Währenddessen stieg in dem 720 m über dem Meeresniveau liegenden Villingen-Schwenningen die Temperatur noch bis auf 32,4°C an.

Das Hoch CONCHA verlagerte sich bis zum 21. Juni kaum. Dabei schwächte es sich aber aufgrund des sich verstärkenden Einflusses des Tiefdruckgebietes OCTAVIAN über Westrussland, des Wirbels PAUL etwas westlich von Irland sowie durch das sich zwischen diesen über der Nordsee befindliche Hochdruckgebiet DEIKE deutlich ab. Das Zentrum des Hochs CONCHA befand sich am Tag des astronomischen Sommeranfangs um 01 Uhr MEZ mit ca. 1015 hPa über Rumänien und beeinflusste das Wetter vor allem über Süd- und Südosteuropa. In der Nacht zum 21. Juni wurden in Deutschland verbreitet Tropennächte verzeichnet, für welche ein Minimum der Lufttemperatur mindestens 20°C nötig ist. An den meisten offiziellen Wetterstationen von Deutschland gibt es im Mittel weniger als eine Tropennacht pro Jahr. In Jahren mit heißen Sommern wie 2003 wurden an einigen Stationen mehr als 10 Tropennächte registriert. Am 21. Juni um 08 Uhr MEZ meldeten die Stationen Trier-Zeven und Frankfurt am Main Tiefsttemperaturen von 21,2 sowie 21,1°C.

Das Hoch CONCHA verließ bis zum Folgetag nach 7 Tagen Lebensdauer den Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte und konnte nicht weiter namentlich verzeichnet werden.

 


Geschrieben am 02.08.2017 von Adrienn Hegedüs
Berliner Wetterkarte: 18.06.2017
Pate: Concha Wuthe