Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet DORIS

(getauft am 23.01.2017)

 

Am 23.01.2017 zog sich ein ausgedehntes Hochdruckgebiet mit mehreren Zentren über den größten Teil Europas, von Spanien über Deutschland sowie Osteuropa bis zum Kaukasus, verbunden mit einem anderen über den Azoren liegenden Hochdruckgebiet. Am nördlichen Rand dieses Hochs entwickelte sich in der Höhe ein ausgeprägter Hochdruckkeil, also ein Warmluftvorstoß Richtung Nordosten zwischen einem Atlantiktief und einem anderen mit seinem Kern über Skandinavien ziehenden Tiefdruckwirbel. Unter einem Hochdruckkeil kann man Absinkbewegungen der Luft beobachten. So entstand im Bodenniveau ein neues Hochdruckgebiet über Nordskandinavien, das in der Prognose der Berliner Wetterkarte für den Folgetag auf den Namen DORIS getauft wurde.

Im Laufe des 24. Januar verlagerte sich die Antizyklone DORIS unter deutlicher Verstärkung nach Südosten, wobei eine Verbindung mit ihrem Zentrum und dem des über Deutschland liegenden ausgedehnten Hochs CHRISTA entstand. Im Einflussbereich von DORIS, also über Schweden und Finnland kam es tagsüber noch zu geringen Schneeschauern, wobei durch das Absinken der Luftmassen Wolkenauflösung stattfand. Gebietsweise bildeten sich Nebel und Hochnebel, die bei den Hochdruckgebieten im Winter besonders häufig auftreten. Dabei spielen der schwache Wind und die starke Ausstrahlung nachts wichtige Rollen, wobei die niedrigen Temperaturen in der Nacht die Feuchtigkeit in der Luft kondensieren lässt.

Bis zum Nachttermin des 25. Januar verstärkte sich das Hoch DORIS auf einen Luftdruck von etwa 1025 hPa. Um 00 UTC, d.h. um 01 MEZ, befand sich das Zentrum von Antizyklone DORIS über der finnisch-russischen Grenze. Am westlichen Rand drang eine zu einem Atlantiktief gehörende Warmfront ein und verband sich mit einer Kaltfront über der Hochdruckbrücke des Systems CHRISTA-DORIS. Dies brachte über Skandinavien nach meist wolkenlosem Wetter eine nun dichte Wolkendecke mit sich. Hinter der Warmfront erreichten die Region milde, maritime Luftmassen und verursachten nachts einen deutlichen Anstieg der Temperaturwerte. Im zentralen Bereich der Antizyklone DORIS, also vorwiegend in Finnland, herrschte in der Nacht strenger Frost mit Tiefsttemperaturwerten unter -20°C, so wurden in Kalevala -29°C und in Salla Naruska -30°C gemessen. Bis zum Morgen stiegen die Temperaturen dann auf über -5°C in Nordschweden und -10°C in Lappland. An der Küste des Bottnischen Meerbusens wurden am Morgen sogar Temperaturwerte um den Gefrierpunkt gemessen. Im Laufe des Tages strömten milde ozeanische Luftmassen weiter nach Osten ein, dabei erwärmte sich die Luft weiter, sodass sich in Lappland die Temperatur verbreitet über dem Gefrierpunkt befand. Im Gebiet der Front, die sich über ganz Schweden und das norwegische Nordkap bis über die Barentssee erstreckte, kam es nur zu geringen Niederschlägen wie beispielsweise 3 mm in 12 Stunden bis 18 Uhr UTC im nordschwedischen Svartbyn nahe der finnischen Grenze. So wurde das Hochdruckgebiet DORIS in südliche Richtung gedrängt, wodurch trockene, kontinentale Kaltluft nach Osteuropa geführt wurde.

Am 26. Januar um 01 Uhr MEZ befand sich das Hoch DORIS mit dem Zentrum über Weißrussland und verstärkte sich weiter. Im Zentrum erhöhte sich der Luftdruck auf etwa 1035 hPa. Dabei dehnte es sich von der Nordsee bis zum Ural und vom Baltikum bis zur Ägäis aus. Im Einflussbereich von Hochdruckgebiet DORIS war das Wetter nachts neblig-trüb, dagegen lösten sich die Nebel- und Wolkenfelder tagsüber meist auf. Dies sorgte für viel Sonnenschein vor allem in West- und Mitteleuropa, wodurch in Frankreich, den Benelux-Staaten und Deutschland 6 bis 8 Sonnenstunden registriert wurden. In der Nähe des Zentrums des Hochs DORIS über dem Balkan und Polen blieben die Dunst- und Nebelfelder durch schwache Luftströmung noch bestehen. Diese Unterschiede zeigten sich auch in den Temperaturwerten. Nach einer frostigen Nacht stieg die Temperatur in den sonnigen Gebieten über den Gefrierpunkt, so wurden in Berlin-Dahlem sowie in Paris 3°C gemessen, während in ganztägig bedeckten Regionen wie in Belgrad -1°C und in Sofia -2°C registriert werden konnten. Das sich vom Baltikum über das Karpatenbecken bis nach Russland erstreckende schwache Frontensystem spaltete sich bis zum Folgetag auf, ohne dass nennenswerter Niederschlag in den erwähnten Bereichen fiel.

Bis 01 Uhr MEZ am 27. Januar verlagerte sich das Hochdruckgebiet DORIS ein wenig nach Süden bis über Rumänien, wobei der zentrumsnahe Druck unverändert blieb. Bis zum Morgen erreichte die Bewölkung an der Warmfront von Atlantiktief GORDON Westeuropa und das Saarland, wodurch dort der Himmel ganztägig stark bewölkt bis bedeckt war. Im Bereich des Zentrums der Antizyklone DORIS hatten sich in der Nacht erneut Dunst- und Nebelfelder gebildet, die sich tagsüber mit Ausnahme der Täler auflösten. Die Luft kühlte sich nachts deutlich auf -4°C in Berlin-Dahlem, -10°C in München, -13°C in Bamberg und sogar auf -18°C in Lechfeld ab. In Osteuropa wurden ähnliche Werte gemessen. In Ungarn, Rumänien und Tschechien, wo es ganztägig neblig-trüb war, herrschte Dauerfrost bei Temperaturmaxima unter -5°C. In Süddeutschland sowie in Brandenburg traten gebietsweise auch negative Höchsttemperaturen auf, während sonst verbreitet Maxima von 3°C bis 10°C gemessen wurden. An der Nordostflanke des Hochdruckgebiets DORIS trübte das Frontensystem eines nordatlantischen Tiefkomplexes den Hochdruckeinfluss. In einem Gebiet von etwa Kiew bis nach Moskau fielen bis 07 Uhr MEZ am 27. Januar 12-stündig 3 bis 5 mm Niederschlag, meist in fester Form. Im Laufe des Tages wurden außerdem in Westrussland, der Ukraine und in Weißrussland geringe Mengen Sprühregen, bzw. gefrierender Sprühregen registriert.

Bis zum Folgetag verblieb das Hoch DORIS nahezu stationär. Ganz im Osten über dem Ural entstand ein weiteres Hochdruckgebiet, welches sich in der Folge nach Südwesten verlagern sollte. Der inzwischen aus den Tiefs GORDON I und GORDON II bestehende Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik näherte sich Mitteleuropa immer mehr, so dass das Hoch DORIS sich langsam abzuschwächen begann. Um 01 Uhr MEZ am 28. Januar wurde im Zentrum ein Luftdruck mit etwa 5 hPa weniger als am Vortag, also knapp über 1030 hPa, analysiert. Bis zum Nachmittag erreichten die maritimen Luftmassen etwa eine Linie Hamburg-Hannover-Würzburg. Westlich davon wurden Tagesmaxima von beispielsweise 12°C in Antwerpen, 10°C in Köln und 11°C in Bochum beobachtet. Östlich davon, besonders in den Tälern blieben die Temperaturwerte erneut unter dem Gefrierpunkt.

Im weiteren Verlauf verlagerte sich die Antizyklone DORIS bis zum 29. Januar nach Südosten. Das zweite Zentrum hohen Luftdruckes über Russland verstärkte sich bis auf ca. 1035 hPa, so dass es nun stärker ausgeprägt war, als das Hoch DORIS. Das Wetter in Deutschland war dabei geteilt. Der östliche Teil, der noch unter Einfluss von Hochdruckgebiet DORIS stand, war bis auf Bayern einheitlich von mildem Wetter geprägt. Während es hier zu 7 bis 8 Stunden Sonnenschein kam, blieb es in der nordwestlichen Hälfte Deutschlands bedeckt.

Am 30. Januar verlor die Antizyklone DORIS weiter an Ausdehnung und hatte immer weniger Auswirkung auf das Wetter von Deutschland. Noch an diesem Tag vereinigte sich das Hoch DORIS mit dem stärkeren Hochdruckgebiet über der Ukraine, wodurch es auf der Berliner Wetterkarte nicht weiter verzeichnet werden konnte.

 

 

Geschrieben am 06.04.2017 von Roland Góth

Berliner Wetterkarte: 27.01.2017

Pate: Doris Hildebrandt