Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet EITEL

(getauft am 18.02.2012)

 

Nachdem Mitte Februar 2012 das Tiefdruckgebiet QUIANA über die Südspitze Grönlands hinweg gezogen war, konnte sich auf der Rückseite zwischen eben dieser Südspitze und Neufundland ein kleines neues Hochdruckgebiet bilden. Im Zusammenhang mit der allgemeinen Westströmung in diesem Gebiet, driftete die Antizyklone weiter in Richtung Europa und wurde aufgrund ihrer baldigen Wetterwirksamkeit für den europäischen Raum am 18.02. auf den Namen EITEL getauft.

Am Tag der Taufe befand sich das Hoch EITEL mit seinem Kern über dem zentralen Nordatlantik auf der Breite von Irland, südlich des grönländischen Angmagssalik. Sein Kerndruck betrug bereits rund 1025 hPa. Angetrieben von der weiterhin westlichen Strömung, verlagerte sich das Hoch EITEL bis zum Morgen des 19.02. bis südlich von Island, ca. 1000 km westlich von Irland. Dabei verstärkte sich die Antizyklone auf einen Kerndruck von etwa 1032 hPa. Ihr Einflussbereich erstreckte sich nun auch zum ersten Mal bis nach Europa. So lösten sich zum Beispiel im irischen Cork im Laufe des Tages die Regenwolken, die am Vortag noch 7 l/m² Niederschlag mit sich brachten, fast vollständig auf.

Bis zum Morgen des 20.02. zog das Hoch EITEL weiter in südwestlicher Richtung und befand sich mit einem Kerndruck von knapp 1035 hPa über dem nördlichen Golf von Biskaya. Sein Wirkungsbereich umfasste mittlerweile die Gebiete von Zentralspanien bis nach Nordostdeutschland und vom französischen Marseille bis nach Edinburgh in Südschottland. Da in einem Hoch Luftmassen absinken und diese sich dabei erwärmen, lösen sich die Wolken verbreitet auf. Deshalb schien beispielsweise in Bordeaux an diesem Tag knapp 10 Stunden lang die Sonne, was fast dem maximal Möglichen zu dieser Jahreszeit entspricht.

Gegen 13 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, kurz MEZ, befand sich das Zentrum der Antizyklone EITEL bereits zwischen den Städten Luxemburg und Brüssel. Dadurch setzte sich auch in Deutschland und vor allem in den westlichen Bundesländern langsam der Hochdruckeinfluss durch. In Essen wurde dadurch der Regen und Schneefall beendet und es schien sogar 3 Stunden lang die Sonne. Noch freundlicher gestaltete sich das Wetter in Saarbrücken, wo insgesamt für rund 9 Stunden die Sonne schien. Da sich mit der Nordostverlagerung des Hochs EITEL im Laufe des 20.02. und dem Herannahen des Tiefs REBEKKA über dem Nordmeer der Druckunterschied in Norddeutschland verstärkte, konnten sich teilweise kräftige bis stürmische Winde ausbilden. So wurden in List auf Sylt Windböen von bis zu 79 km/h gemessen, was der Sturmstärke entspricht.

Um 01 Uhr MEZ des 21.02. befand sich das Zentrum der Hochdruckzone EITEL über Wien mit einem nochmals leicht angestiegenen Luftdruck von ca. 1036 hPa. In Verbindung mit dem Azorenhoch über dem Nordatlantik entstand eine Hochdruckbrücke, die von den Azoren viele Tausend Kilometer bis über die westliche Ukraine und von Marseille bis nach London reichte. Das Kerngebiet beschränkte sich jedoch auf den östlichen Alpenraum. Hier schien verbreitet 9 bis 10 Stunden lang die Sonne. Durch den klaren Himmel konnte es sich nachts aber stark auskühlen. Im Alpenvorland wurden in der vorangegangenen Nacht Tiefstwerte von unter -10°C gemessen, teilweise auch bis zu -16°C, wie in Oberstdorf mit -16,4°C. Tagsüber erreichte die Temperatur durch die intensive Einstrahlung oftmals jedoch Werte um +3°C, wie auch in Oberstdorf mit +3,9°C, was einem bemerkenswerten Tagesgang von 17,3 Grad entspricht.

Bis zum Morgen des 22.02. teilte sich das Hoch EITEL in zwei Zentren auf. Das erste namens EITEL I befand sich mit einem Kerndruck von weiterhin rund 1036 hPa über München, das zweite mit dem Namen EITEL II lag über Zentralrumänien zwischen den Nord- und Südkarpaten mit einem Druck von etwa 1035 hPa. Der anhaltend großräumige Hochdruckeinfluss reichte nun von den Pyrenäen bis zum Schwarzen Meer. Im rumänischen Cluj-Napoca gab es nur gegen 08 Uhr MEZ wenige Wolken, ansonsten war den ganzen Tag lang der Himmel wolkenlos und die Sonne ließ die Temperaturen von knapp -10°C in der Nacht auf +2°C im Tagesverlauf ansteigen. Aber auch in den französischen Bereichen schien wieder verbreitet die Sonne, wie in Bordeaux mit rund 10 Stunden, wo mit 14°C Höchsttemperatur bereits der dritte Sonnentag zu Ende ging.

Am nächsten Tag, dem 23.03., verband sich das Hoch EITEL I mit dem Azorenhoch. Dadurch bildete sich über Westeuropa erneut eine große Hochdruckzone aus. Jedoch drängten die nördlich entlang ziehenden Tiefausläufer das Hoch EITEL I weiter nach Südwesten ab, wodurch der Kern mit einem Druck von rund 1032 hPa über Bordeaux lag. Dadurch wurde es nun in Spanien sehr sonnig und warm. In Madrid zeigte sich beispielsweise gut 10 Stunden lang die Sonne und die Temperatur stieg auf 19°C an. Da sich die ohnehin trockenen Luftmassen stark erwärmten, war es in Madrid dadurch ebenfalls sehr trocken. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit betrug nur 29%.

Der zweite Hochdruckkern namens EITEL II befand sich mit einem Druck von ca. 1031 hPa nahezu stationär über Rumänien und schwächte sich langsam ab. Auch hier wurde verbreitet ein sonniger Tag gemeldet.

Am Morgen des 25.02. hatte sich das Hoch EITEL II bereits so weit abgeschwächt, dass es auf der Berliner Wetterkarte nicht mehr analysierbar war. Daher wurde die Antizyklone EITEL I nun wieder unter dem Namen EITEL geführt. Diese befand sich mittlerweile westlich der Bretagne, südlich von Irland. Ein kleiner Hochdruckkeil reichte noch bis nach Süddeutschland und in die Schweiz, wo bei Höchsttemperaturen von rund 14°C nochmals bis zu 10 Stunden Sonnenschein möglich waren.

Anschließend verkleinerte sich der Einflussbereich des Hochs EITEL stark. Der stationäre Kern wies am Morgen des 26.02. noch einen Druck von rund 1030 hPa auf und umfasste die Seegebiete westlich der Bretagne und südlich von Irland.

Durch eine erneute Verbindung mit dem Azorenhoch konnte die Antizyklone EITEL jedoch wieder an Kraft dazu gewinnen und breitete sich bis zum 28.02. mit einem Kerndruck von rund 1029 hPa nochmals bis nach Süddeutschland, über die Alpen hinweg bis zum Balkan und in südlicher Richtung bis auf die Iberische Halbinsel aus. Damit erlangte das Hoch EITEL wieder eine wetterbestimmende Funktion für Mittel- und Südeuropa mit den ähnlichen Auswirkungen, wie sie schon in den vergangenen Tagen zu beobachten waren. Verbreitet schien von morgens bis abends die Sonne und die Temperaturen kletterten auf vorfrühlingshafte Werte. Auch in vielen Gebieten des Mittelmeerraums herrschte Hochdruckwetter. So konnte sich zum Beispiel in Rom auch die Sonne durchsetzen. Bis zum 01.03. schien hier jeden Tag bis zu 10 Stunden am Tag die Sonne und die Höchsttemperaturen steigerten sich bis zum 01.03. auf 21°C. Zum Vergleich, am 27.02. waren es noch knapp 14°C.

Am Morgen des 02.03. befand sich der Kern des Hochs EITEL zwischen dem französischen Zentralmassiv und den Vogesen mit einem Druck von etwa 1027 hPa. Das Hoch bescherte Italien, den südlichen Teilen Frankreichs und dem westlichen und zentralen Alpen immer noch frühlingshaftes Wetter, doch langsam wurde das Wetter in Mitteleuropa wieder mehr und mehr von Tiefdruckausläufern beeinflusst, die von Nordatlantik kamen. Das Hoch EITEL konnte diesen Ausläufern bisher stand halten und befand sich mittags noch über dem südlichen Hessen. Bis zum nächsten Morgen schwächte sich die Antizyklone jedoch aufgrund eines Tiefs über Weißrussland, dessen Front Deutschland von Nord nach Süd überquerte, deutlich ab. Somit konnte das Hochdruckgebiet EITEL, was weiten Teilen Europas seit nunmehr 14 Tagen frühlingshaftes Wetter bescherte, am 02.03. letztmalig auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 


Geschrieben am: 11.04.2012 von Paul Heger

Berliner Wetterkarte: 20.02.2012 (oder 22.02.)

Pate: Eitel Grulert