Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet ELLEN

(getauft am 25.06.2017)

 

Ein neues Hoch entstand am 24. Juni über dem nördlichen Atlantik vor der Südspitze Grönlands. Dieses bildete sich auf der Vorderseite eines kleinräumigen Hochdruckkeils infolge eines unscheinbaren Warmluftvorstoßes, der sich in einer Höhe von wenigen Kilometern zwischen Neufundland und Südgrönland über dem Ausgang der Labradorsee ereignete.

Am Morgen des 25. Juni konnte eine kleinräumige Hochdruckzelle mit Zentrum auf einer geographischen Breite wie Dublin sowie geographischen Länge wie Ostgrönland analysiert werden. Der Luftdruck im Zentrum, der im Durchschnitt nur einige hundert Kilometer messenden Antizyklone, betrug etwas über 1020 hPa. Das Hoch sollte in den folgenden Tagen ostwärts in Richtung der Britischen Inseln und weiter nach Skandinavien ziehen und dabei auch Einfluss auf das Wetter in

Mitteleuropa nehmen. Folglich wurde das noch namenlose Druckgebilde am 25.06. auf den Namen ELLEN getauft.

Das Hoch konnte am selben Tag seinen Einfluss noch bis Island ausdehnen. Nachdem tags zuvor noch Tiefdruckeinfluss und dichte Regenwolken dominierten, kam es hier zu einer allgemeinen Wetterberuhigung, wenngleich es bei einem Mix aus Sonne und Quellwolken mit Temperaturen von etwa 10°C recht kühl blieb.

Am darauffolgenden Tag zog die Antizyklone ELLEN ohne größere Verstärkung nördlich an den Britischen Inseln vorbei in Richtung Nordmeer. Allerdings konnte das Vereinigte Königreich nicht vom Hochdruckgebiet profitieren, da zeitgleich das Atlantiktief RASMUND von Westen her auf die Insel zuzog. Dennoch zeigte sich über Island und auch den Shetland-Inseln, neben einigen Wolkenfeldern auch längere Zeit die Sonne und die Temperaturen stiegen auf ähnliches Niveau wie am Vortag, z.B. in Reykjavik auf 11°C. Ursache für die recht kühlen Temperaturen war Meereskaltluft arktischen Ursprungs, die auf der Vorderseite des Hochs ELLEN über dem nahen Nordostatlantik einsickerte. Den Impuls für diesen Kaltluftvorstoß lieferte jedoch nicht das Hoch allein, sondern vielmehr auch das kräftige Tief QUIRIN, welches sich zu diesem Zeitpunkt über Skandinavien befand.

Am frühen Morgen des 27.06. wurde in Thorshaven auf den Shetland-Inseln, wo sich das Zentrum der Antizyklone ELLEN befand, ein Luftdruck von 1016,2 hPa gemessen. Von hier aus konnte sich in den folgenden Stunden der schwache Hochdruckeinfluss bis nach Skandinavien, genauer bis zur Westküste Norwegens, ausdehnen. Da Hoch ELLEN sich damit weiterhin über dem Atlantik befand, blieben die direkten Wettereinflüsse auf Europa gering. Indirekt bestand aber über eine Hochdruckbrücke eine Verbindung zu höherem Luftdruck über Osteuropa. Und so blieb es in einem weiten Streifen zwischen Nordsee-Südskandinavien-Norddeutschland bis nach Polen nicht nur trocken, sondern auch freundlich. Hier schien die Sonne für längere Zeit und in kühler Meeresluft stiegen die Temperaturen z.B. in Hamburg und Berlin bei 11 Stunden Sonne auf 21 bzw. 23°C und in Danzig auf 19°C bei 12 Sonnenstunden.

In der Nacht zum 28.06. schwächte sich Hoch ELLEN vorübergehend ab und war im Bodendruckfeld nicht mehr als abgeschlossene Antizyklone, sondern nur noch als diffuse Hochdruckzone erkennbar. Diese reichte vom Nordmeer etwa bis Südskandinavien. Laut Analyse des britischen MetOffice befand sich der Schwerpunkt am 28.06. um 00 UTC, also 01 Uhr MEZ, mit 1014 hPa vor der westnorwegischen Küste im Bereich Trondheim.

Im weiteren Verlauf konnte sich die Antizyklone ELLEN unter leichter Verstärkung keilförmig nordostwärts ausdehnen, wobei sich der Schwerpunkt bis zum 29. Juni nach Nordskandinavien verlagerte. Wettertechnisch ergab sich an beiden Tagen von Skandinavien bis ins Baltikum bei einem Mix aus Sonne und Wolken recht freundliches, wenngleich kühles Wetter. Allgemein erreichten die Temperaturen Werte zwischen 15 bis 20°C oder knapp darüber. Beispielsweise lagen die Maxima am 28.06. in Oslo bei 22,3°C, in Göteborg bei 24,0°C und am 29.06. in Göteborg bei 22,0°C, in Helsinki bei 21,6°C, sowie in Tallinn bei 20,7°C.

Aufgrund des Hochdruckeinflusses blieb es in den Nächten zwischen dem 28. und 30. Juni über Skandinavien verbreitet klar und bei windschwachen Verhältnissen sank die Temperatur meist unter 10°C, vor allem über Zentralskandinavien bis nach Lappland auch unter 5°C. In mittleren Lagen der skandinavischen Alpen wurde leichter Frost beobachtet, so wie etwa im mittelschwedischen Bortnan mit -1°C in der Nacht zum 29. Juni.

Am 30. Juni um 00 UTC wurde das Zentrum von Hoch ELLEN bereits über der Kola-Halbinsel mit wenig über 1020 hPa analysiert. Dem Isobarenverlauf nach zu urteilen reichte der Einfluss grob vom Nordmeer über Nord- und Mittelskandinavien bis Nordwestrussland. Ohne nennenswerte Druckänderung zog die Antizyklone langsam mit Kern ostwärts in Richtung östliche Barentssee. Auch wenn Skandinavien in den folgenden Stunden und Tagen allmählich wieder unter Tiefdruckeinfluss durch den Tiefdruckkomplex RASMUND gelangte, hielt sich bis zum Monatswechsel über weiten Teilen Nordeuropas noch das heitere bis sonnige Wetter. Hierdurch konnte sich die alternde Kaltluft allmählich bis nach Lappland auf Werte nahe oder knapp über 20°C erwärmen. Über Nordwestrussland sorgte der Hochdruckeinfluss ebenfalls für zunehmend freundliches Sommerwetter. Auch hier, in einem Gebiet zwischen Karelien, Archangelsk, der Komi-Republik bis zum Nordural, erwärmte sich die zuvor eingeflossene kühlere, arktische Meeresluft suksezzive, z.B. in der Region Archangelsk von durchschnittlich 14°C am 30. Juni auf Werte um 20°C am 01. Juli.

In den Frühstunden des 02. Juli wurde Hoch ELLEN als Teil einer breiten Hochdruckzone, die vom Osten Grönlands über das Nordmeer und Spitzbergen bis nach Nordwestrussland reichte, letztmalig analysiert. Der Luftdruck betrug noch wenig über 1015 hPa, wobei etwa in Narjan-Mar, der Hauptstadt des Autonomen Kreises der Nenzen, 1015,5 hPa gemessen wurden. Das Hoch ging in den folgenden Stunden in einer sich neu entwickelnden Antizyklone mit Zentrum über der Karasee, also dem äußersten Norden Westsibiriens, auf. Damit setzte sich das freundliche, sonnige Wetter über Nordwestrussland auch in den folgenden Tagen fort. Das Satellitenbild des polumlaufenden, amerikanischen NOAA19 Trabanten zeigt zum Beispiel für diesen Tag einen großflächigen, wolkenfreien Bereich zwischen Weißem Meer und der Petschora-Tiefebene, dem Ende des Ausschnitts der Berliner Wetterkarte. Die Höchstwerte lagen in Murmansk bei 22,7°C, in Archangelsk bei 21,5°C, Narjan-Mar meldete 15,2°C und Workuta 12,5°C.

 


Geschrieben am 21.09.2017 von Gregor Pittke

Berliner Wetterkarte: 26.06.2017

Pate: Ellen Klein