Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet ERIKA

(getauft am 03.02.2017)

 

Anfang Februar entstand bei der russischen Insel Nowaja Semlja ein Hochdruckgebiet. Durch ein sich etablierendes Hoch über Nordeuropa in einer Höhe von etwa 5,5 km, verlagerte sich das neu entstandene Hoch durch die mit dem Uhrzeigersinn rotierende Strömung weiter in Richtung Mitteleuropa. Daher wurde diese Antizyklone am 03.02.2017 in der Prognose für den Folgetag von den Meteorologen der Berliner Wetterkarte auf den Namen ERIKA getauft.

Am 04.02. befand sich das Hoch ERIKA über der Karasee mit einem Druck von etwas über 1025 hPa und verlagerte sich in den folgenden Tagen unter weiterer Druckzunahme nach Westen. Auch der Einflussbereich vergrößerte sich. So weitete sich das Gebiet höheren Drucks bis zum 06.02. vom Europäischen Nordmeer bis nach Russland und von der deutschen Ostseeküste bis zur Karasee aus. Das Zentrum von Hoch ERIKA befand sich bei Archangelsk mit einem Druck von 1040 hPa. Insbesondere in Russland wurden Luftmassen arktischen Ursprungs herangeführt, so dass die Tiefsttemperaturen verbreitet unter -20°C und vereinzelt auch unterhalb von -30°C lagen. In Archangelsk wurde beispielsweise als Tiefstwert -35,3°C gemessen und eine Schneehöhe von 47 cm gemeldet. Durch die fehlende Wolken- und die hohe Schneedecke wurden diese niedrigen Werte erreicht. Etwas weiter westlich war es vergleichsweise deutlich wärmer. In St. Petersburg wurde beispielsweise eine Tiefsttemperatur von -13,0°C bei einer Schneehöhe von nur 5 cm gemeldet.

Bis zum Folgetag hatte sich das Zentrum von Hoch ERIKA unter weiterer Intensivierung bis nach Ostfinnland verlagert. Begrenzt durch die Ausläufer eines Tiefs im Nordosten hat sich der Einflussbereich jedoch kaum verändert. Die kalte Festlandluft verhinderte einen Temperaturanstieg über -10°C im Süden Finnlands und Karelien, wie in St. Petersburg mit -12,2°C. Die Tiefstwerte lagen im starken Frostbereich, sodass am Morgen in Mikkeli in Ostfinnland als Minimaltemperatur -25,8°C aufgezeichnet wurde. In Lappland wurden Höchsttemperaturen von meist um -8°C registriert. Ähnlich dazu wurden in Schweden morgens durch Bewölkung um -9°C gemeldet, im Laufe des Tages klarte die Bewölkung auf und die Temperatur fiel weiter ab. So wurde beispielsweise am Abend nur noch -16°C in Boden gemessen, zwölf Stunden davor waren es noch -8°C.

Das blockierende Hoch in der mittleren Atmosphäre hatte sich weiter verstärkt und führte dazu, dass sich der Druck des Hochs ERIKA am Boden nochmals erhöhen konnte. Mit nun zwei Zentren in Ostschweden und im Südwesten Finnlands von je etwas über 1050 hPa erstreckte sich der Einflussbereich von Skandinavien und Norddeutschland über das Baltikum bis nach Wolgograd. Insbesondere im Norden und Osten wurden durch die einfließende Festlandluft arktischen Ursprungs sehr niedrige Tiefstwerte gemessen, wie in Schweden in Vilhelmina mit -25,1°C, in Gielas mit -28,7°C und im russischen Orel mit -28,0°C. Am kältesten war es in Kautokeino, wo die Temperatur auf -30,5°C sank. Weiter südlich und an der Küste wurden etwas höhere Temperaturen registriert, dennoch blieben die Werte den ganzen Tag über unter dem Gefrierpunkt, was auch als Eistag bezeichnet wird. In Schweden wurden maximal -1,6°C und in Helsinki -3,6°C gemessen. Auch in Deutschland wurde nördlich einer Linie Osnabrück-Bayreuth ein Eistag beobachtet, dort lag die Höchsttemperatur meist um -3°C. In höheren Lagen, wie dem Fichtelberg, wurden nur -6,0°C erreicht.

In den folgenden zwei Tagen verlagerte sich das Hoch ERIKA mit nur noch einem Zentrum weiterhin kaum. Somit hielt das kalte Winterwetter in Skandinavien weiter an. Der Hochdruckeinfluss weitete sich über das Baltikum weiter nach Süden bis zum Schwarzen Meer aus. Verbreitet wurden Temperaturminima unter -15°C erreicht, an einigen Stationen wurde es in der Nacht jedoch noch kälter mit unter -20°C. Die niedrigste Temperatur meldete die Station in Kautokeino in Norwegen mit -32,6°C am 09.02. und Naimakka im Norden Schwedens mit 33,7°C am Folgetag. Tagsüber wurden bei einer Sonnenscheindauer von über acht Stunden meist um -5°C als Höchsttemperatur gemessen, wie in Minsk mit -3,6°C oder in Kiew mit -6,2°C. Die lang anhaltenden niedrigen Temperaturwerte führten zudem in den nördlichen und östlichen Bereichen der Ostsee großflächig zur Bildung einer Eisfläche.

Mit der leichten Verlagerung des sehr kräftigen Hochs in der Höhe nach Süden, konnte auch das Zentrum des Hochs ERIKA am Boden weiter südlich über dem Finnischen Meerbusen analysiert werden. Mit einem Druck von etwas über 1045 hPa am 11.02. reichte der Einflussbereich abermals von Skandinavien über die baltischen Staaten bis zum Schwarzen Meer. Am östlichen Rand der Antizyklone ERIKA führte die kontinentale Subpolarluft zu Temperaturwerten am Tage, die zum Teil im mäßigen Frostbereich lagen, wie in Murmansk mit -8,0°C, oder in Oulu mit -6,0°C. Die antizyklonale Strömung eines Hochs auf der Nordhalbkugel brachte auch dem Norden Deutschlands durch die Zufuhr der nun schon erwärmten subpolaren Festlandluft nochmals einen Eistag im Binnenland, wie Waren an der Müritz mit -1,4°C als Maximaltemperatur. Der Strömung nach Nordwesten folgend, konnte als Höchsttemperatur in Oslo -2,7°C, in Stockholm -1,2°C und in Trondheim -0,4°C registriert werden.

Am 12.02. befand sich das Zentrum der Antizyklone ERIKA mit einem um etwa 5 hPa gesunkenen Druck über Lettland. Durch eine neu entstandene Hochdruckzelle über der Nordsee, reichte der Hochdruckeinfluss von Schottland über die Ostseeregionen bis nach Weißrussland. In der Nacht sank die Temperatur auf ähnlich tiefe Werte wie an den Vortagen, tagsüber wurde allerdings die Schmelzgrenze durch den Zustrom wärmerer Luftmassen überschritten. So wurden im Norden in Nikkaluota 6,1°C von morgendlichen -15,4°C und 3,8°C von noch -28,0°C am Morgen erreicht. Weiter südlich mit dem Einfluss der Polarluft von Osten wurde verbreitet ein Eistag beobachtet. Die Luft erwärmte sich nicht über -5,6°C in Vilnius, -5,0°C in Lodz, -4,8°C in Warschau und -4,5°C in Riga. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern machte sich auch langsam das Hoch ERIKA bemerkbar, mit nur geringen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und noch fast vollständiger Bedeckung des Himmels den gesamten Tag über.

In den darauffolgenden zwei Tagen reichte in der mittleren Troposphäre, also in etwa 5-10 km Höhe, der Hochdruckrücken vom Mittelmeer weit nach Norden über das südliche Skandinavien bis nach Island. Daher breitete sich der Hochdruckeinfluss in Mitteleuropa weiter aus. Am Boden verlagerte sich das Hoch ERIKA auch nach Südwesten. Mit einem Zentrum über Südnorwegen und einem weiteren über dem Osten Polens hat sich der Luftdruck kaum verändert, sank aber weiter. Von Kristiansand in Norwegen über Hamburg, Warschau, Wien bis nach Budapest und den Karpaten wurde verbreitet ein Frosttag beobachtet, bei dem die Tiefsttemperatur unterhalb des Gefrierpunktes liegt. Aufgrund der langen Sonnenscheindauer von meist über acht Stunden konnten hohe Temperaturschwankungen an den Tagen verzeichnet werden. In Kristiansand stieg die Temperatur von -10,7°C am Morgen auf 6,1°C am Nachmittag des 14.02. an. In Hamburg war die Differenz nicht ganz so stark ausgeprägt, dort wurde die gleiche Höchsttemperatur gemessen, allerdings betrug das Minimum -6,6°C. Weiter östlich in Warschau oder Budapest stieg auch die maximale Temperatur mit -1,4°C bzw. 1,7°C nicht über die 0°C-Grenze. Die Stationen in den Karpaten meldeten teilweise sehr niedrige Tiefstwerte mit zum Beispiel -19,2°C am 13.02. oder -24,9°C in Intorsura Buzaului.

Bis zum 15.02. verstärkte sich der Höhenrücken leicht und befand sich direkt über Mitteleuropa. Am Boden befand sich das nördliche Zentrum nahe Oslo und das südliche Zentrum wurde bei Budapest analysiert mit je einem Druck von etwas über 1035 hPa. In der nun schon bereits erwärmten Polarluft wurde vielerorts in Mitteleuropa das erste Mal in diesem Jahr die 10°C-Grenze überschritten. Eine Sonnenscheindauer von meist über neun Stunden trug ebenfalls zu den höheren Temperaturwerten an diesem Tag bei. Beispielsweise wurden in Berlin-Dahlem 11,0°C, in Mannheim 10,5°C, in Wien 11,9°C und in Prag 10,6°C erreicht. Im Norden, wie z.B. in Göteborg mit maximal 6,9°C, und vereinzelt auch weiter südlich erwärmte sich die Luft nur auf 8,9°C in Belgrad oder auf 9,8°C in Krakau. Hingegen wurde gebietsweise in Nordrhein-Westfalen bis zu 17°C gemessen, wie in Geilenkirchen mit 17,8°C oder in Bochum mit 16,8°C.

Das blockierende Höhenhoch verlor zunehmend an Einfluss und es stellte sich langsam wieder eine westliche Strömung ein. Damit neigte sich auch der Hochdruckeinfluss am Boden in Mitteleuropa dem Ende zu. Dennoch konnte am 16.02. das Hoch ERIKA mit einem unveränderten Luftdruck im Zentrum über dem Karpatenraum analysiert werden. Dabei reichte das Hoch ERIKA vom Rhônetal im Westen über die Alpen und die Adria bis zum Schwarzen Meer im Osten sowie über das Baltikum bis zum Weißen Meer im Norden. Vor allem im Süden Deutschlands hielt der Hochdruckeinfluss an diesem Tag noch einmal an. Die Sonne schien über neun Stunden, wie zum Beispiel in Ulm, Kernten und Augsburg, aber auch im Osten wie in Görlitz. In Baden-Württemberg wurden verbreitet 15°C erreicht, wie in Freiburg am Breisgau mit 16,1°C. Weiter in Richtung Osten herrschten noch kältere Luftmassen vor. In Sofia wurden als Höchsttemperatur 9,8°C, in Bukarest 5,0°C, in Kiew 3,0°C, in Minsk -0,5°C und in Moskau im östlichsten Einflussbereich von Hoch ERIKA -2,8°C gemessen.

Bis zum Folgetag hatte sich der Bereich höheren Druckes deutlich reduziert. Das Zentrum von Hoch ERIKA befand sich nahe Istanbul und wies um 01 Uhr MEZ einen Druck von 1033 hPa auf. Auch in Bulgarien setzte sich das sonnige Wetter der vergangenen Tage fort. Dort sowie im Osten Griechenlands und im Norden der Türkei wurden oftmals 9 bis 10 Stunden Sonnenschein registriert. Die Temperatur stieg dabei von -2 bis -5°C am Morgen auf um 10°C tagsüber an. Beispielsweise erwärmte sich die Luft in Sofia von -4,6°C auf 10,3°C und in Alexandropolis von -5°C auf 9°C.

Mit der nun westlichen Strömung hatte sich das Hoch ERIKA bis zum 18.02. weiter bis nach Ostanatolien verlagert und sich dabei auf einen Druck von etwas unter 1030 hPa abgeschwächt. Am folgenden Tag konnte das lang bestehende Hoch ERIKA nicht weiter auf den Analysekarten verzeichnet werden.

 


Geschrieben am 20.03.2016 von Daniela Schoster

Berliner Wetterkarte: 15.02.2016

Pate: Erika Roth