Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet GISELA
(getauft am 04.07.2017)

 

Infolge der Verstärkung eines ausgeprägten Warmluftvorstoßes nach Norden in einer Höhe von 5,5 km, welcher auch als Höhenkeil bezeichnet wird, verlagerte sich im Laufe des 04. Juli 2017 im Bodenniveau ein Hochdruckgebiet über den zentralen Nordatlantik nach Osten, das folgend in der Analyse der Berliner Wetterkarte auf den Namen GISELA getauft wurde.

Am 05. Juli um 01 Uhr MEZ befand sich das Zentrum, in dem der Bodendruck ca. 1020 hPa betrug, über Schottland. In einem Hochdruckgebiet findet eine absinkende Luftbewegung statt. Das kräftige Absinken führte im Bodendruckfeld zur weiteren Verstärkung des Hochdruckgebietes GISELA, sodass es weiter nach Südosten ziehen und dadurch in den nächsten Tagen für Europa wetterbestimmend werden konnte.

In den folgenden 24 Stunden zog die Antizyklone GISELA mit seinem Zentrum weiter südostwärts und dehnte sich bis nach Ostpolen aus. Der Einfluss des Hochdruckgebietes GISELA wurde dabei durch die Frontensysteme des Tiefdruckgebietes SAVERIO mit Zentrum über Nordwestrussland, des Wirbels TILL über Südrussland sowie jene des Tiefs UWE über der Biskaya und eines unbenannten Tiefdruckwirbels westlich von Island begrenzt. Das Hoch GISELA wirkte sich dadurch auf das Wetter von den Britischen Inseln und Skandinavien aus. Das Absinken von Luftmassen in einem Hochdruckgebiet führt zur Wolkenauflösung. Durch das nächtliche Auskühlen der Luft bei fehlender Wolkendecke können deshalb wesentliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht entstehen. In Trondheim sank die Temperatur zum Morgen bis auf 4,1°C und stieg im Tagesverlauf bis auf 16,0°C an. In Hakadal lag die Tiefsttemperatur bei 5,3°C und bis zum Abend wurden 21,6°C erreicht.

Bis zum Folgetag verlagerte sich die Antizyklone GISELA weiter nach Osten und befand sich am 07. Juli um 01 Uhr MEZ über dem Raum Warschau. Unter dem Hochdruckeinfluss war das Wetter in Polen und der Slowakei recht freundlich, verbreitet wurden dort Sommertage registriert. Im meteorologischen Sinne wird ein Tag als Sommertag bezeichnet, wenn die Höchstwerte der Temperatur bei mindestens 25°C liegen. In der herangeführten polaren Meeresluft blieb es in Riga etwas kühler, dort wurden 22°C als Tageshöchsttemperatur gemessen. In Kiew stieg die Temperatur um 2 Grad im Vergleich zum Vortrag auf 23°C an.

Mit der westlichen Strömung verlagerte sich das Hoch GISELA weiter nach Osten und befand sich am 08. Juli um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum etwa 70 km südwestlich von Minsk. Das Einflussgebiet reichte von Skandinavien bis zum Schwarzen Meer bzw. von der polnisch-weißrussischen Grenze bis Moskau. Die Stationen Tallinn und Wilna meldeten um 07 Uhr MEZ jeweils 9°C als Tiefsttemperatur, woraufhin die Temperatur tagsüber auf 21 sowie 22°C anstieg, was etwa 1 bis 2 Grad mehr als am Vortag waren.

Im weiteren Verlauf erfolgte durch die nach Nordosten gerichtete Zugbahn des Tiefdruckgebietes UWE über die Ostsee eine südostwärtige Verlagerung des Hochdruckgebietes GISELA. Dieses lag am 09. Juli um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum südlich des Schwarzen Meeres über dem Norden der Türkei. Das Einflussgebiet erstreckte sich von der südlichen Ukraine bis über die Türkei bzw. von Rumänien bis Georgien. Dabei wurde beispielsweise in Ankara und in Istanbul mit Maxima von 31,7 bzw. 32,8°C ein Heißer Tag registriert, für welchen laut Definition eine Höchsttemperatur von über 30°C nötig ist.

Dank der Abschwächung des Tiefdruckgebietes UWE über der Ostsee kam es am Folgetag durch den Zufluss erwärmter Subpolarluft zur Verstärkung des Hochdruckgebietes GISELA. Dieses befand sich als Zwischenhochdruckgebiet mit seinem Zentrum über den Karpaten. Bei einem Zwischenhoch handelt es sich um ein Hochdruckgebiet, welches in einer Kette aufeinanderfolgender Tiefdruckgebiete eingebettet ist. Das Einflussgebiet von Hoch GISELA wurde dadurch von dem Wirbel VINCENT westlich von Norwegen, dem Tief WOLF über Nordostfrankreich und einem unbenannten Tiefdruckgebiet über Russland begrenzt. In Odessa erwärmte sich die Luft unter dem wolkenlosen Himmel bis auf 24,9°C. In Minsk gab es auch viel Sonnenschein, dort war es aber etwas kühler, wodurch 24,1°C als Tageshöchsttemperatur gemessen wurden.

Mit der Verstärkung der sich über Nord- und Westeuropa befindenden Frontensysteme zog das Hochdruckgebiet GISELA bis zum 11. Juli etwas nordostwärts, wobei sich der Einflussbereich über die Ukraine, Weißrussland und Russland ausdehnte. In der Nacht sank die Temperatur in Kischinew auf 17,5°C. Im Tagesverlauf erwärmte sich die Luft unter dem meist gering bewölkten Himmel bis 30,5°C, was einem Unterschied von 13 Grad zwischen Tagestiefst– und Höchstwert entspricht. Dieser Wert wurde im meist leicht bewölkten Wolgograd mit einer Tiefsttemperatur von 14,1°C und einer Höchsttemperatur von 27,2°C sogar noch übertroffen.

Am 12. Juli um 01 Uhr MEZ befand sich das Hoch GISELA mit seinem Zentrum etwa 100 km östlich von Moskau. Die zonale Ausdehnung betrug etwa 350 km, während das Einflussgebiet meridional von Nordrussland bis zum Schwarzen Meer reichte. Am westlichen Rande der Antizyklone GISELA ging die Temperatur zum Morgen in der erwärmten Subpolarluft, die durch Alterung über Europa entstanden ist, in Moskau und Archangelsk auf 14 sowie 15°C zurück.

In den folgenden 24 Stunden verlagerte sich das Hoch GISELA weiter nordöstlich und verblieb mit seinem Zentrum, in dem Druckwerte knapp über 1015 hPa erreicht wurden, in den nächsten 3 Tagen stationär über der Stadt Perm. Seine stabile Lage wurde durch die von Norden herangeführte Polarluft begünstigt. Unter dem von Tag zu Tag immer schwächer werdenden Hochdruckeinfluss konnte sich die Luft tagsüber immer weniger erwärmen. In Serov wurde am 13. Juli noch ein Sommertag mit einer Höchsttemperatur von 25,9°C registriert. Am 14. Juli war es etwas mäßiger warm, die Temperatur stieg auf 25,2°C an, um am Folgetag erneut um 0,2 Grad zu sinken. Außerdem gab es am 14. Juli auf der Insel Nowaja Semlja in Klein Karmakuly einen neuen Temperaturrekord mit 22°C.

Am 16. Juli konnte das Hoch GISELA nach 13 Tagen Lebensdauer zum letzten Mal auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden. Es lag mit Bodendruckwerten in seinem Zentrum von knapp über 1015 hPa etwa 100 km südlich des Raums Perm.


 

Geschrieben am 19.09.2017 von Adrienn Hegedüs
Berliner Wetterkarte: 06.07.2017
Pate: Gisela Schulz