Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet HANNA
(getauft am 11.07.2017)

 

Infolge der Verstärkung eines ausgeprägten Warmluftvorstoßes nach Norden in einer Höhe von 5,5 km, welcher auch als Höhenkeil bezeichnet wird, entwickelte sich im Laufe des 11. Juli 2017 im Bodenniveau über dem zentralen Nordatlantik, etwas südlich von Island, ein Zwischenhochdruckgebiet, das in der Prognose der Berliner Wetterkarte auf den Namen HANNA getauft wurde. Bei einem Zwischenhoch handelt es sich um ein Hochdruckgebiet, welches in einer Kette aufeinanderfolgender Tiefdruckgebiete eingebettet ist. Dieses sollte laut der Prognose am 12. Juli das erste Mal auf den Karten analysiert werden.

Am 12. Juli befand sich das Hochdruckgebiet HANNA mit seinem Zentrum, in dem der Bodendruck ca. 1015 hPa betrug, zwischen den nördlichen 55. und 65. Breitengraden, etwa 400 km westlich von Edinburgh. In seinem Einflussbereich meldete die Station Thorshavn um 07 Uhr MEZ 6,4°C als Tiefsttemperatur. In einem Hochdruckgebiet findet eine absinkende Luftbewegung statt. Das kräftige Absinken führte im Bodendruckfeld zur weiteren Verstärkung des Hochdruckgebietes HANNA, sodass es weiter nach Südosten ziehen und dadurch in den nächsten Tagen das Wetter von Europa bestimmen konnte.

In den folgenden 24 Stunden zog die Antizyklone HANNA mit ihrem Zentrum südostwärts und dehnte sich bis nach Österreich aus. Der Einfluss des Hochdruckgebietes HANNA wurde dabei durch das Frontensystem des Tiefdruckgebietes YIGIT mit seinem Zentrum über Island, dem Wirbel WOLF über Nordwestrussland und XAVIER über Polen begrenzt. Hoch HANNA wirkte sich dadurch nicht nur auf das Wetter von Nordwesteuropa, sondern auch auf das von Mitteleuropa aus. Das Absinken von Luftmassen in einem Hochdruckgebiet führt zudem zu Wolkenauflösung, weshalb deutliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht entstehen können. In Dublin sank die Temperatur zum Morgen bis auf 10,3°C und stieg bis 20 Uhr MEZ auf 21°C an. In Brüssel lag die Tiefsttemperatur bei 7,2°C und bis zum Abend wurden 21,9°C erreicht.

Bis zum Folgetag verlagerte sich die Antizyklone HANNA weiter nach Osten und befand sich am 14. Juli um 01 Uhr MEZ über Tschechien. Mit der Verstärkung der zonalen Ausdehnung reichte das Einflussgebiet nun auch weiter nach Osten. Unter dem Hochdruckeinfluss war das Wetter in Norddeutschland freundlich, es wurden verbreitet 10 bis 13 Stunden Sonnenscheindauer gemessen. Dank der kühlen Luft blieb es aber bei Höchstwerten der Temperatur von 20 bis 22°C. In Österreich war es etwas wärmer, in Wien stieg die Temperatur bis auf 24,4°C an.

In den nächsten 24 Stunden veränderte das Hoch HANNA seine Position kaum, wobei es sich aber leicht abgeschwächt hatte und nun einen Druck von unter 1015 hPa aufwies. Das Einflussgebiet reichte von der Ostsee bis zum Adriatischen Meer bzw. von Tschechien über das Karpatenbecken bis zum Schwarzen Meer. In der subtropischen warmen Luft wurde in Ostungarn verbreitet ein Sommertag registriert. Ein Tag wird in der Meteorologie als Sommertag bezeichnet, wenn die Tageshöchsttemperatur mindestens 25°C erreicht. Die Stationen Békéscsaba und Szeged meldeten Höchsttemperaturen von 26,3 bzw. 25,6°C. In Italien war es noch wärmer. In Trento und Mailand gab es mit einer Höchsttemperatur von 31°C einen Heißen Tag, also einen Tag mit einer Maximaltemperatur von mindestens 30°C.

Zum 16. Juli verstärkte sich das Hochdruckgebiet HANNA dank der von Westen herangeführten warmen Luft und erreichte in seinem Zentrum, das sich über Süddeutschland befand, einen Druck knapp über 1025 hPa. Der Einfluss der Antizyklone HANNA erstreckte sich von der Ostsee bis Nordafrika und von der Biskaya bis Ostbulgarien. In der Nacht sank die Temperatur in Marseille auf 19,8°C, während sich im Tagesverlauf die Luft bis auf 33,3°C erwärmte, was einem Unterschied von 13,4 Grad zwischen Tagestiefst– und -höchstwert entspricht. Außerdem wurde in Rom mit einer Tiefsttemperatur von 20,8°C eine Tropennacht und mit einer Höchsttemperatur von 33,3°C ein Heißer Tag registriert. Unter einer Tropennacht versteht man dabei eine Nacht, in der die Tiefsttemperatur nicht unter 20°C fällt.

Im weiteren Verlauf erfolgte durch die ostwärtige Verlagerung des Tiefdruckgebiets YIGIT mit seinem Zentrum über Skandinavien die Verkleinerung der meridionalen Ausdehnung des Hochdruckgebietes HANNA. Es lag am 17. Juni um 01 Uhr MEZ mit seinem ca. 1020 hPa starken Zentrum über Österreich und sorgte für meist sonniges und freundliches Wetter in Mittel-, Ost- und Südeuropa. In Ungarn und Serbien gab es verbreitet einen Sommertag, in Budapest und Belgrad wurden Höchsttemperaturen von 28°C registriert. Weiter südlich war es noch wärmer, die Stationen Rijeka und Dubrovnik meldeten Höchstwerte der Temperatur um 31°C. Die hohen Tagestemperaturen und der Mangel an Niederschlag verursachten in einigen Teilen Kroatiens und Montenegros starke Waldbrände.

Mit der westlichen Strömung verlagerte sich das Hoch HANNA weiter nach Osten und lag am 18. Juli um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum über Rumänien. Dabei verringerte sich sein Einflussbereich, sodass er sich auf Ost- und Südosteuropa beschränkte. In der warmen Luft sanken die Temperaturen im leicht bewölkten Bukarest und in dem wolkigen Sofia bis 07 Uhr MEZ auf 14,8 und 15,5°C und stiegen tagsüber bis 29,0 und 24,2°C an.

Infolge der Verstärkung des Hochdruckgebietes IRMINGARD über Norwegen, der Tiefdruckgebiete ZLATAN I über Island und ZLATAN II über der Biskaya sowie des Wirbels YIGIT über Nordwestrussland erfolgte die weitere Abschwächung der Antizyklone HANNA. Sie lag am 19. Juli um 01 Uhr MEZ mit ihrem Zentrum, in dem der Druck etwa 1020 hPa betrug, über Transsylvanien und sorgte für sonniges Wetter in Rumänien und Bulgarien. Dort wurden verbreitet unter klarem Himmel Höchsttemperaturen von 27 bis 31°C gemeldet. An diesem Tag konnte das Hoch HANNA nach 9 Tagen Lebensdauer zum letzten Mal auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 


Geschrieben am 29. August 2017 von Adrienn Hegedüs
Berliner Wetterkarte: 13.07.2017
Pate: Hanna Plieth