Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet HERTHA

(getauft am 01.03.2017)

 

Am 1. März 2017 wurde in der Prognosekarte für den Folgetag ein Hochdruckgebiet über dem Nordatlantik auf den Namen HERTHA getauft. Zum Zeitpunkt der Taufe des Hochdruckgebietes HERTHA erstreckte sich eine Tiefdruckzone vom südlichen bis südwestlichen Grönland, wo der Luftdruck bei unter 985 hPa lag, bis zum Randtief WILFRIED, das sich mit einem Kerndruck von weniger als 1000 hPa etwa 700 Kilometer westsüdwestlich von Irland befand. Der Bereich des höchsten Luftdruckes befand sich mit über 1030 hPa über dem westlichen Nordatlantik zwischen dem ostkanadischen Nova Scotia und den Bermudainseln.

Auf der Rückseite der zum Tiefdruckgebiet WILFRIED gehörenden Fronten stieg der Luftdruck rasch an und unter leichter antizyklonaler Krümmung formierte sich das Zwischenhoch HERTHA. Eine antizyklonale Krümmung herrscht unter Hochdruckeinfluss vor, wobei sich die Luft im Uhrzeigersinn um das Hochdruckgebiet bewegt. Dagegen dreht sich die Strömung um Tiefdruckgebiete entgegen dem Uhrzeigersinn, was in der Fachsprache als zyklonale Richtung bezeichnet wird. Beides gilt für die Nordhalbkugel der Erde, wogegen auf der Südhalbkugel umgekehrte Verhältnisse herrschen.

Am 2. März verlief eine verwellte Luftmassengrenze von Mitteleuropa über die südliche Biskaya und knapp südöstlich der Inselgruppe der Azoren bis etwa über die Mitte des Nordatlantiks zu einem Punkt, der südlich der Südspitze Grönlands und westlich der Kanarischen Inseln lag. Nördlich dieser Luftmassengrenze schloss sich über der Biskaya und nordwestlich davon das Hochdruckgebiet HERTHA an, welches einen Luftdruck von über 1015 hPa besaß und bis etwa zu der Position aktiv war, an dem am Vortag das Zentrum des Tiefs WILFRIED gelegen hatte. Dort herrschte ein Luftdruck von unter 1005 hPa. Tagsüber machte sich der zunehmende Einfluss des Hochdruckgebietes HERTHA vor allem in großen Teilen Frankreichs bemerkbar. So schien im Vergleich zum Vortag, als es in der Mitte und im Norden des Landes vielerorts kaum oder gar keinen Sonnenschein gegeben hatte, die Sonne am 2. März in Frankreich oft über 4 Stunden, zwischen dem Elsass und dem Ärmelkanal sogar an vielen Wetterstationen 7 bis 9 Stunden lang.

In der Nacht zum 3. März trat aufgrund des sich von Westen annähernden Hochdruckgebietes HERTHA und damit kaum noch vorhandener Luftbewegung sowie gebietsweise länger wolkenarmem Himmel vor allem im Süden und in der Mitte Deutschlands leichter Frost auf. In der Südhälfte des Landes war die Nacht somit bis zu 10 Grad kälter als die vorangegangene Nacht. In Oberstdorf im Süden von Bayern wurde beispielsweise mit einer Tiefsttemperatur von -7°C mäßiger Frost registriert, wohingegen die vorige Nacht mit minimal 2°C frostfrei war. Am 3. März befand sich das Hochdruckgebiet HERTHA morgens mit seinem Zentrum, in dem der Luftdruck auf über 1020 hPa gestiegen war, über dem östlichen Alpenraum. Auf der Mittagskarte der Berliner Wetterkarte waren zwei Zentren der Antizyklone HERTHA sichtbar, nämlich HERTHA I über Ungarn und HERTHA II über den südlichen Alpen, etwa zwischen dem Tessin und Südtirol. Der Einfluss des Hochs HERTHA reichte bis nach Nordfrankreich, in die Benelux-Länder und Norddeutschland sowie nach Polen, Tschechien, zur Slowakei und Ungarn. Weiter südöstlich und südlich des Zentrums des Hochs HERTHA war ebenfalls hoher Luftdruck wetterbestimmend, wobei dieser mit einem unbenannten Hochdruckgebiet vor der libyschen Küste in Verbindung stand, an dessen nördlichem Rand sich das Hoch HERTHA befand. Das Hochdruckgebiet HERTHA brachte am 3. März vom Bodensee entlang des Alpenrandes bis zum südlichen Bayerischen Wald oft rund 8 Stunden Sonnenschein, auf der Winklmoos-Alm in den Chiemgauer Alpen sogar 10 Stunden Sonne. Von Ostsachsen über Brandenburg und Berlin bis zur Lübecker Bucht wurden ebenfalls gebietsweise 8 bis 10 Stunden Sonne registriert. Mit einer Höchsttemperatur von 14°C war es in Oberstdorf am 3. März deutlich milder als am Vortag, wo maximal nur 7°C gemessen wurden. Der große Tagesgang der Temperatur von -7°C nachts bis auf 14°C tagsüber, wodurch der Temperaturunterschied in Oberstdorf also mehr als 20 Grad betrug, ist exemplarisch für die Übergangsjahreszeit in schwacher Luftbewegung, was zu kräftiger Ausstrahlung in den noch recht langen Nächten führt, aber auch zu relativ starker Erwärmung der Luft in zeitweiligem Sonnenschein bei einem Sonnenstand, der knapp drei Wochen vor dem astronomischen Frühlingsanfang etwa dem von Mitte Oktober entspricht.

Bis zum Morgen des Folgetages hatte sich das Hochdruckgebiet HERTHA mit seinem Zentrum über den Südosten Europas weiterbewegt. Die 1020-hPa-Isobare umfasste das westliche Schwarze Meer inklusive der Krim-Halbinsel, Teile der nördlichen und westlichen Türkei, große Gebiete Griechenlands, den südlichen und östlichen Balkan sowie große Teile Rumäniens und der Ukraine. Der Einflussbereich des hohen Luftdrucks erstreckte sich darüber hinaus über das östliche Mittelmeer, Italien, Ostmitteleuropa sowie die zentralen und südlichen Gebiete des europäischen Russlands. Das Hochdruckgebiet HERTHA brachte vor allem dem Osten und Südosten Europas eine deutliche Erwärmung. So stieg beispielsweise im westserbischen Loznica die Temperatur auf 24°C, womit nur knapp ein Sommertag nach meteorologischer Definition verfehlt wurde. Am Vortag hatte die Höchsttemperatur dort noch bei 16°C gelegen. Dazu schien von der Türkei über Griechenland und den westlichen Balkan bis nach Südpolen und Ostdeutschland längere Zeit die Sonne. Im südtürkischen Küstenort Antalya reichte es mit einer Höchsttemperatur von 25,2°C sogar zu einem offiziellen Sommertag, bei dem die Tageshöchsttemperatur 25°C überschreiten muss.

Am 5. März war das Hochdruckgebiet HERTHA zum letzten Mal als eigenes Druckgebilde auf der Berliner Wetterkarte zu erkennen. In der russischen Region Nordkaukasus, etwa im Gebiet der Stadt Stawropol, lag der höchste Luftdruck mit über 1030 hPa. Der im Bereich der Berliner Wetterkarte sichtbare Teil der von der 1025-hPa-Isobare umrandeten Region erstreckte sich über den westlichen Kaukasus, die nordöstliche und zentrale Türkei, das östliche Schwarze Meer, die östliche Ukraine und den südlichen Teil des europäischen Russlands, etwa ab der halben Strecke zwischen Moskau und Wolgograd. In den Folgetagen gliederte sich das Hochdruckgebiet HERTHA dem über Westsibirien liegenden, unbenannten Hochdruckgebiet an und konnte somit nicht weiter auf der Berliner Wetterkarte namentlich verzeichnet werden.

 

 

Geschrieben am 04.05.2017 von Heiko Wiese

Berliner Wetterkarte: 03.03.2017

Pate: Hertha Beuschel-Menze