Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet INGRID

(getauft am 05.03.2017)

 

Anfang März kam es im äußersten Norden Europas zu einem Vorstoß arktischer Kaltluftmassen von Norden in Richtung Skandinavien. Damit verbunden war die Entstehung eines Kältehochs, welches am Morgen des 04. März erstmals in den europäischen Wetterkarten als Hochdruckzelle mit einem Zentrumsdruck von etwas über 1015 hPa analysiert werden konnte. Da diese Antizyklone das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen sollte, wurde sie auf der Berliner Wetterkarte des 05. März auf den Namen INGRID getauft.

Bis zum 07. März positionierte sich Antizyklone INGRID unter steter Verstärkung bis auf 1030 hPa mit ihrem Zentrum etwa 500 km nördlich der finnischen Hauptstadt Helsinki. Ihr Einflussbereich umfasste dabei komplett Skandinavien bis zum russischen Kotlas im Osten. Im Süden trennte die Front des Tiefs XAVER die Antizyklone INGRID von einem Tiefdrucksystem über Mitteleuropa, welches die Zyklonen XAVER, YANNIK und ZEUS enthielt. Im Bereich des Hochdruckzentrums führte das Absinken von Luftmassen, wie es in einem Hochdruckgebiet üblich ist, zur Wolkenauflösung. Aufgrund der noch vorhandenen Schneedecke und des wolkenfreien Himmels konnten die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt sinken. So wurden bereits am 06. März beispielsweise im nordschwedischen Nattavaara -29,5°C, im ebenfalls nordschwedischen Svartbyn -22,8°C und am finnischen Flughafen Kittila -22,0°C als Minimaltemperatur gemessen. Tagsüber dagegen wurden aufgrund der starken Sonneneinstrahlung Temperaturen um den Gefrierpunkt erreicht. Auch am 07. März änderte sich am sehr kalten Wetter mit örtlich bis zu minimalen -33°C nichts.

Bis zum 08. März 01 Uhr MEZ verlagerte sich Hoch INGRID südostwärts bis nach Nordwestrussland. Unter weiterer Verstärkung auf über 1040 hPa beeinflusste es nun das Wetter von Nordschweden im Westen bis zum russischen Workuta im Osten. Im Süden wurde es von der Warmfront des Tiefs ZEUS begrenzt, welche nördlich von Sankt Petersburg in Richtung Südosten verlief. Nach morgendlichem Frühnebel kam es in Nordschweden und Nordfinnland zu leichtem bis mäßigem Schneefall, der zum Beispiel in der finnischen Gemeinde Jomala bis 19 Uhr MEZ für 8 cm Neuschnee innerhalb von 24 Stunden sorgte. Im finnischen Lumparland fielen in demselben Zeitraum 6 cm und am Flughafen von Kikala wurden 3 cm Neuschnee gemeldet.

Zum 09. März hat sich der Einflussbereich von Hoch INGRID weiter ausgedehnt. Es befand sich um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum über dem russischen Perm und wies einen Maximaldruck von weiterhin über 1040 hPa auf. Im Westen wurde es bei Sankt Petersburg von der Kaltfront des Tiefs ZEUS begrenzt und reichte im Süden bis südlich von Wolgograd. In der Nähe des Hochdruckzentrums sorgte die Antizyklone INGRID für sonniges und trockenes Wetter, so beispielsweise in Perm und Tevriz mit über 10 Stunden Sonnenschein. Dies sorgte für einen starken Tagesgang der Temperaturen. Während nachts durch den wolkenfreien Himmel und die damit verbundene Auskühlung -15,7°C in Perm und -22,2°C in Tevriz gemeldet wurden, traten in diesen Regionen tagsüber Werte von maximalen 1,7°C bzw. -3,5°C auf. Mit zunehmender Entfernung vom Hochdruckzentrum nahm die Bewölkung bzw. der Nebel zu. Dabei spielen der schwache Wind und die starke nächtliche Ausstrahlung wichtige Rollen, wobei die niedrigen Temperaturen in der Nacht die Feuchtigkeit in der Luft kondensieren lassen. So hielt sich im südrussischen Saratow bis zum Mittag gefrierender Nebel bei Temperaturen von -4,6°C bevor es aufklarte und maximale 1,9°C erreicht wurden.

Vom 10. bis zum 13. März änderte sich die Position von Antizyklone INGRID kaum. Das Zentrum des ausgedehnten Hochs lag etwa 700 km südlich von Perm über dem Südural mit einem Druck von etwa 1040 hPa. Die erwärmte kontinentale Subpolarluft sorgte in der Uralregion weiterhin für trockenes und meist sonniges, aber dennoch kaltes Wetter. In Tevriz wurde in diesem Zeitraum eine Maximaltemperatur von 0°C nicht überschritten, wodurch dieser Tag in der Meteorologie auch als Eistag bezeichnet wurde. In Perm war es mit maximal 1,3°C am 10. März auch nicht wesentlich wärmer.

Am 14. März verlief eine Hochdruckzone vom Ural über das Baltikum und Mitteleuropa hinweg bis zu den Azoren, welche die Antizyklone INGRID im Osten, das Hoch KATHRIN vor der französischen Westküste sowie ein unbenanntes Hoch über Nordwestrussland vereinte. Diese Hochdruckzone sorgte von der Ukraine bis nach Frankreich für trockenes Wetter mit viel Sonnenschein von bis zu 11 Stunden, wie in weiten Teilen Süddeutschlands und Zentralfrankreichs. Dies ließ auch die Temperaturen tagsüber weitverbreitet auf frühlingshafte Werte von über 15°C ansteigen. So wurden beispielsweise in Freiburg 16,5°C, in Konstanz 16,4°C und an der Station Paris-Orly 16,2°C gemessen. In Richtung Osten wurde es aufgrund des kontinentalen Klimas zwar zunehmend kühler, aber dennoch erreichten die Temperaturen nach Nebelauflösung milde Werte um 10°C, wie in Moskau mit maximalen 9,0°C oder in Dubna mit 10,4°C.

Sich weiter ostwärts verlagernd verließ das Hoch INGRID im Laufe des Tages schließlich den Analysebereich der Berliner Wetterkarte. Somit konnte es nicht weiter auf dieser verzeichnet werden.


 

Geschrieben am 26.04.2017 von Eva Siebenlist

Berliner Wetterkarte: 07.03.2017

Pate: Ingrid Bartu