Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet JOHANNA

(getauft am 06.03.2017)

 

Anfang März zog ein ausgedehntes, bisher von der Berliner Wetterkarte noch unbenanntes Hochdruckgebiet auf der Bodenwetterkarte über den südlichen Nordatlantik, bis es am 6. März die Azoren-Inselgruppe erreichte. In einer Höhe von 5,5 km, also auf der 500 hPa Karte, war zu diesem Zeitpunkt über weiten Teilen Mitteleuropas ein Langwellentrog sichtbar. Das ist ein Kaltluftvorstoß nach Süden, welcher in diesem Fall mit seiner Achse von Schottland bis zur Balkanhalbinsel reichte. Über dem westlichen Nordatlantik bildete sich ein bis dato noch schwacher Hochkeil, also ein Warmluftvorstoß nach Norden, aus, unter dessen Achse sich im Süden auf Bodenniveau das Azorenhoch befand. In Verbindung mit dem hier ebenfalls über Island existierenden Islandtief nahm das Azorenhoch mit der Verlagerung nach Osten durch die westliche Höhenströmung Einfluss auf die Großwetterlage Europas. Aus diesem Grund taufte die Berliner Wetterkarte jenes Bodenhoch in der Prognose für den 6. März auf den Namen JOHANNA. Zu 00 Uhr UTC, was 01 Uhr MEZ entspricht, befand sich das Hochdruckzentrum mit einem Luftdruck von knapp 1030 hPa bereits südöstlich der Azoren.

Zum Folgetag erschien Hoch JOHANNA auch namentlich auf der Berliner Wetterkarte. Mit westlicher Strömung verlagerte sich die Zone erhöhten Luftdruckes mit dem Zentrum etwa 1000 km westlich der portugiesischen Küste auf Höhe von Lissabon. Der Luftdruck stieg dabei auf etwas über 1030 hPa an. Die Antizyklone JOHANNA nahm an diesem Tag Einfluss auf das Wettergeschehen in Spanien: mit ihrer für ein Hoch typischen absinkenden Luftbewegung erwärmte sich die Luft Spaniens und trocknete dabei aus. Somit wurde in einer subtropischen Luftmasse im andalusischen Malaga eine Tageshöchsttemperatur von 28,5°C registriert. Dort erreichte auch die Sonnenscheindauer ihr für diese Jahreszeit astronomisches Maximum von 11 Stunden. Im Gegensatz dazu gab es an der Nordküste Spaniens vielerorts keine Sonne, da dort Ausläufer des Nordatlantiktiefs ADRIANO für einen wolkenreichen Tag sorgten.

Bis zum 8. März hatte sich die Lage des Hochdruckzentrums mit gleichbleibendem Luftdruck kaum verändert. Die Ausbreitung erstreckte sich bis über Spanien hinaus: über Genf bildete sich eine zweite Hochdruckzelle aus, die über einer gemeinsamen Isobare, definiert als eine Linie gleichen Luftdrucks, mit Hoch JOHANNA verbunden war. Diese Verbindung bezeichnet der Meteorologe auch als Hochdruckzone. Hochdruckzonen können sich über weite Entfernungen erstrecken. Auch an diesem Tag wurde in weiten Teilen Spaniens wiederholt das Maximum der Sonnenscheindauer erreicht. Ebenso wurden nahe der Südküste Spaniens erneut Höchstwerte von 28°C verzeichnet, wie z.B. am Flughafen Granada. Durch die Erweiterung der Hochdruckzone lösten sich auch im Süden Frankreichs und vereinzelt über der Schweiz die Wolken auf und brachten z.B. in Marseille 8 und in Nizza sogar 11 Stunden Sonne. Jedoch durchkreuzten Tiefausläufer aus dem Norden die erweiterte Hochdruckzone und sorgten für weniger Sonnenschein durch Wolkenbildung. Daher wurde in der Nähe von Genf nur 1 Stunde Sonne gemessen.

Bis zum 9. März wurde die Hochdruckzone durch Tiefausläufer des über den Shetlandinseln gelegenen Tiefs ADRIANO verdrängt. Zum 00 Uhr UTC Termin lag das Zentrum von Antizyklone JOHANNA über der Landeshauptstadt Spaniens. Der Luftdruck sank im Vergleich zum Vortrag auf etwa 1026 hPa. Das bereits abgeschwächte Gebiet hohen Luftdrucks breitete sich bis über Nordafrika und Südfrankreich aus. Durch die Drehung eines Hochdruckgebietes im Uhrzeigersinn konnte sich die kontinentale Subtropikluft über die gesamte Iberische Halbinsel ausbreiten. Im Süden wurde dabei sogar die 30°C-Marke geknackt, womit in Spanien und Portugal zumindest vorübergehend schon im März der Sommer eingezogen war. In Valencia z.B. stieg die Temperatur auf 32°C an, wodurch sich dort ein Hitzetag, also ein Tag, an dem die Temperatur 30°C erreicht oder übersteigt, verzeichnen ließ. In Portugal wurde der heiße Tag mit Tagesmaxima von 28°C in Monte Real und im unweit entfernten Coimbra nur knapp verfehlt. Der Süden Frankreichs wies genauso hohe Sonnenstundensummen mit beispielsweise 11 Stunden in Marseille, wie große Teile Spaniens und Portugals, auf. Während der Süden noch durch die kontinentale Subtropikluft, welche aus dem Südwesten von Hoch JOHANNA herangeführt wurde, beeinflusst war, was sich beispielweise an 22°C in Montpellier zeigte, strömte in den Norden Frankreichs kühlere Luft von einem Tief über Irland ein. Bei einer klaren Nacht konnten in Spaniens Küstenregionen noch zweistellige Tiefsttemperaturen vermerkt werden, wie in Barcelona mit 14°C. In Portugal wurden sogar im ganzen Land die 10°C-Grenze nicht unterschritten. In Coimbra verzeichnete man 16°C, in Faro sogar 17°C.

Bis zum nächsten Tag verschob sich das Zentrum von Hoch JOHANNA Richtung Nordosten und positionierte sich mit einem leicht erhöhten Luftdruck von ungefähr 1028 hPa über Zentralfrankreich. Seine Nord-Süd-Ausbreitung reichte von Spanien über Frankreich bis nach Schottland. In östliche Richtung reichte Hoch JOHANNA bis in den Westen Deutschlands. Bis zum Mittag verlagerte es sich mit dem Zentrum über das Rheinland. Daher wurden in Südwestdeutschland gebietsweise mehr als 10 Sonnenstunden erreicht. So konnte in Saarbrücken, Karlsruhe und Konstanz 11 Stunden die Sonne scheinen, wodurch die Temperatur in diesen Regionen auf Höchstwerte von 13 bis 15°C anstieg. An der Ostflanke von Hoch JOHANNA gelangten von der Nordsee her Meeresluftmassen subpolaren Ursprungs in das Binnenland. Sie hatten einen deutlichen Einfluss auf die Sonnenscheindauer: während es unmittelbar an der Nordseeküste nahezu wolkenlos bei fast 9 Stunden Sonnenschein auf der Insel Norderney war, sorgten die feuchten Luftmassen in Verbindung mit der Sonne im Binnenland für zunehmende Bewölkung, so dass die Sonnenscheindauer in Hannover nur noch 1 Stunde betrug. Auch im Berliner Raum und im südlichen Mecklenburg gab es weniger als 1 Sonnenstunde, ebenso wie auf den Britischen Inseln, wo es keinen oder nur sehr wenig Sonnenschein gab. Grund dafür war der Durchzug einer Warmfront eines nordatlantischen Tiefdrucksystems. Durch eben dieses konnte sich die vom Hoch JOHANNA aus dem Südwesten herangeführte Warmluft auf dem britischen Kontinent nicht durchsetzen. Maritime Subpolarluft aus dem Nordwesten sorgte für maximal 12 bis 14°C, nur punktuell wie z. B. in Bristol mit 17°C konnten höhere Temperaturwerte festgestellt werden. In Spanien dominierte weiterhin die heiße kontinentale Luftmasse, welche an der Mittelmeerküste in der Stadt Murcia für Temperaturen um 35°C sorgte. In der folgenden klaren Nacht kühlte es sich dort jedoch auf 9°C ab.

Am 11. März befand sich das Zentrum der Hochdruckzelle JOHANNA mit einem wieder leicht angestiegenen Luftdruck von ca. 1030 hPa über der bayerischen Region. Bereits ab dem Mittag verlagerte das Hoch seinen Schwerpunkt weiter nach Südschweden. Somit floßen warme Luftmassen aus dem Süden in den Westen Deutschlands und feuchte, kältere, zur Wolkenbildung führende Luftmassen von der Nordsee und Skandinavien in die Osthälfte Deutschlands, wo bei gerade mal 1 bis 3 Stunden Sonne in Berlin, Brandenburg, dem Süden Mecklenburgs und Sachsen 7 bis 10°C erreicht wurden. Währenddessen schien im Süden und Westen Deutschlands vielerorts die Sonne 10 bis 11 Stunden und erreichte damit ihre maximal für diese Jahreszeit mögliche Dauer. Dabei stiegen die Temperaturen auf frühlingshafte 13 bis 15°C, in Düsseldorf bis 16°C an. In der Nacht klarte es im Osten auf, so dass die Temperaturen verbreitet unter den Gefrierpunkt sanken.

Zu 00 Uhr UTC des Folgetages positionierte sich das Hochdruckzentrum JOHANNA mit einem wieder etwas gesunkenen Luftdruck von 1027 hPa über der Ostsee nahe der schwedischen Südküste. Es verließ langsam Mitteleuropa und dehnte sich nun über dem Baltikum bis nach Sankt Petersburg aus. Auch Deutschland lag weiterhin unter Einfinfluss des hohen Drucks. Jedoch gelangte durch die Verlagerung von Hoch JOHANNA in Richtung Nordosten vorübergehend kältere Festlandsluft in die Nord- und Osthälfte Deutschlands. Zudem verhinderten sich kaum auflösende Hochnebelfelder über dem Märkischen Oderland eine einstrahlungsbedingte Erwärmung, so dass z.B. Lindenberg und der Flughafen Berlin Schönefeld nur 1 bzw. 2 Sonnenstunden bei 2 bis 3°C registrierten. An der Station Berlin-Dahlem wurden dagegen 8 Sonnenstunden bei 7°C Maximaltemperatur gemessen. In den Baltischen Staaten lagen die Höchstwerte bei 2 bis 4°C, wie z.B. in Riga.

Bis zum 13. März blieb die Position des Hochdruckgebiets mit gleichbleibendem Kerndruck nahezu unverändert. Die Berliner Wetterkarte konnte prognostizieren, dass sich Hoch JOHANNA im Tagesverlauf dem ausgedehnten Hoch INGRID über Zentralrussland anschließen wird. Somit konnte die Antizyklone JOHANNA das letzte Mal am 13. März als eigenständiges Hochdruckgebilde auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet werden.

 



Geschrieben am: 20.05.2017 von Lisa-Marie Schulze

Berliner Wetterkarte: 10.03.2017

Pate: Johanna Knecht