Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet JOLANDA

(getauft am 30.07.2017)

 

Nahezu den gesamten Juli 2017 wurde das Wetter in Westeuropa von einem umfangreichen Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik bestimmt. Da sich die Luftmassen auf der Nordhalbkugel entgegen dem Uhrzeigersinn um ein solches System bewegen, gelangte auf der Vorderseite wiederholt Warmluft aus dem Mittelmeerraum in Richtung Mitteleuropa. Im Druckfeld waren diese Warmluftvorstöße in Form sogenannter Hochdruckkeile, die sich je nach Lage und Stärke der steuernden Zyklone bis nach Skandinavien oder Osteuropa ausbildeten, erkennbar.

Ein solcher Hochdruckkeil reichte am Morgen des 29. Juli mit seiner Achse von Norditalien über Österreich und Tschechien bis nach Polen. Der Schwerpunkt befand sich dabei im Bodenniveau mit ca. 1020 hPa über Österreich. Beispielsweise wurden um 00 Uhr UTC, was 02 Uhr MESZ entspricht, am Flughafen Innsbruck 1019,7 hPa gemessen. Er verlagerte sich in den folgenden Stunden über Ungarn nach Rumänien.

Im Bereich des Hochdruckgebiets herrschte von der Balkan-Halbinsel bis ins südliche und östliche Mitteleuropa heiteres Sommerwetter und vor allem die Gebiete südlich der Donau kamen bereits in den Einfluss subtropischer Warmluft. Zum Beispiel stieg die Temperatur in München bei 12,4 Sonnenstunden auf bis zu 28,3°C und in Budapest bei 14,2 Stunden bis auf 28,4°C. Über dem Ost- und Westbalkan zeigte das Thermometer auch Werte von über 30°C, so wie in Zagreb mit 30,0°C oder Belgrad mit 31,4°C.

Bis zum Morgen des 30. Juli hatte sich im Bereich des Hochdruckkeils eine abgeschlossene Antizyklone über Siebenbürgen gebildet. Der Luftdruck betrug hier etwas über 1020 hPa, wie z.B. um 00 Uhr UTC mit 1020,8 hPa in Sibiu gemessen. Da das Hoch bereits zu diesem Zeitpunkt Einfluss auf das Wetter in Mitteleuropa nahm, wurde es auf den Namen JOLANDA getauft.

Mit dem im Tagesverlauf nordostwärts Richtung Weißrussland und Baltikum vorstoßenden Hochdruckgebiet drang auch die Warmluft subtropischen Ursprungs weiter nordostwärts voran und brachte sommerliche Temperaturwerte, z.B. in Riga mit 25,0°C und Minsk mit 24,5°C. In einem Streifen von Ostdeutschland und Westpolen über Tschechien, Slowenien und Ungarn bis zu den ehemaligen Jugoslawienstaaten wurde ein Heißer Tag, also Maximaltemperaturen über 30,0°C, vermeldet. So erreichte die Höchsttemperatur in Breslau 32,1°C, in Budapest 31,7°C und in Belgrad 35,5°C. Aber auch im Zentrum der nahezu stationär und ohne signifikante Druckänderung über Rumänien verbleibenden Antizyklone JOLANDA stiegen die Temperaturen nahe oder knapp über 30°C. Bukarest vermeldete bei 12,3 Sonnenscheinstunden Höchstwerte von 30,4°C.

Nachts sanken die Temperaturen in der eingeflossenen, mediterranen Warmluft trotz vielfach klarem Sternenhimmel kaum unter 15°C, über dem östlichem Mitteleuropa nicht oder nur wenig unter 20°C. So erlebte man in der Nacht zum 31. Juli zum Beispiel in Lodz bei 20,0°C, in Berlin bei 19,9°C oder in Wien bei 22,7°C eine tropische Nacht.

Währenddessen zeigte sich Hoch JOLANDA am Morgen des letzten Julitages nur noch als schwach ausgeprägte Hochdruckzone über Südosteuropa, mit Schwerpunkt über Siebenbürgen, bei der das klare Zentrum fehlte. Jedoch vermochte es die Tiefdruckaktivität über Mitteleuropa weiter zu dämpfen. So wurden etwa die über Deutschland ost- bis südostwärts ziehenden Tiefausläufer am weiteren Vordringen zurückgehalten bzw. waren diese sogar leicht rückläufig. In Konsequenz bedeutete dies unverändert heiteres Sommerwetter mit meist 12 bis 14 Sonnenstunden vom östlichen Mitteleuropa bis nach Russland. Die Temperaturen lagen auf ähnlichem Niveau wie am Vortag, wobei sich der Hitzepol über dem Karpatenbecken mit Maxima von bis zu 38°C befand. Messungen ergaben eine Höchsttemperatur von z.B. 37,5°C in Ćuprija, circa 150 km südöstlich von Belgrad, 35,0°C wurden im rumänischen Timisoara gemessen.

Zum Monatswechsel von Juli zu August kam es zu einer abermaligen, leichten Verstärkung des Hochs JOLANDA, verbunden mit einem leichten Luftdruckanstieg auf knapp über 1020 hPa. In den Frühstunden des 01. August erstreckte es sich von der Ukraine über Rumänien bis Bulgarien. Nach Analyse des britischen MetOffice befand sich das Zentrum über Moldawien, wo um 06 Uhr UTC mit 1023,3 hPa der höchste Luftdruck in der Entwicklung registriert wurde.

Der Einfluss reichte auch an diesem Tage über den Kernbereich hinaus westwärts bis nach Polen, Tschechien und Österreich, südwärts bis zur Adria und Ägäis und ostwärts bis nach West- und Südrussland. Satellitenbilder zeigen über dem Hochdruckgebiet eine ausgedehnte Schönwetterzone mit keinen oder nur wenigen Wolken. Gegenüber dem Vortag stiegen die Temperaturen noch etwas weiter an und die 35-Grad-Marke wurde auch über Süddeutschland überschritten. München meldete 35,8°C, Österreich 36,5°C in Wien und Slowenien 36,1°C in Ljubljana. Die höchste Temperatur im Bereich des Hochs JOLANDA meldete die Station am Flughafen von Podgorica in Montenegro mit 40,4°C.

Ähnlich den vorangegangenen Nächten kühlte es nachts gebietsweise kaum unter 20°C ab, und das nicht nur über Südosteuropa, sondern selbst noch in Minsk mit minimalen 20,1°C, Vilnius mit 20,3°C oder Kiew mit 22,1°C.

Die Hochdruckzelle selbst dehnte sich bis zum 02. August weiter nordostwärts bis nach Westrussland aus, so wurde um 00 UTC in Moskau ein Luftdruck von 1021,8 hPa gemessen. Gleichzeitig verlor die Antizyklone JOLANDA in den folgenden Stunden an Einfluss auf das Wetter im östlichen Mitteleuropa und dem Baltikum. So konnten von Nordwesten Tiefausläufer mit teils kräftigen Schauern und Gewittern übergreifen, die bis zum Abend eine Linie Slowenien-Slowakei-Weißrussland-Moskauer Raum erreichten.

Östlich und südöstlich davon blieb es unter schwachem Hochdruckeinfluss bei viel Sonnenschein weiterhin sommerlich heiß, mit Temperaturen von meist über 30°C. In Kiew erreichten die Temperaturen beispielsweise 34,0°C, in Minsk 32,3°C und in Budapest 35,2°C. Der Hitzepol befand sich unverändert über den Balkan-Staaten mit Temperaturen von nahe oder knapp über 40°C. So betrug die Höchsttemperatur in Split extreme 42,3°C.

Allerdings begann bald schon der Luftdruck auch über Osteuropa zu fallen und Hoch JOLANDA schwächte sich allmählich ab. Die Ursache hierfür lag in höheren Luftschichten, wo sich der stützende Hochdruckkeil in den Mittelmeerraum zurückzog.

Letztmalig analysiert werden konnte Hoch JOLANDA am frühen Morgen des 03. August als schwache Hochdruckzone, die von der Wolga über das Schwarze Meer bis zur Adria reichte. Der Luftdruck lag bei nur noch wenig über 1015 hPa, wobei kein eindeutiger Schwerpunkt mehr auszumachen war. Ein lokaler Schwerpunkt lag über dem Ostbalkan, wobei in Sofia um 00 UTC ein Luftdruck von 1019,7 hPa registriert wurde.

Während die Antizyklone JOLANDA in den folgenden Stunden aus dem Bodendruckfeld verschwand, konnte sich leichter Hochdruckeinfluss über Südosteuropa auch an den folgenden Tagen noch halten, sodass sich hier das vielfach sonnige und vor allem heiße Sommerwetter weiter fortsetzte.

 


Geschrieben am 20.09.2017 von Gregor Pittke

Berliner Wetterkarte: 01.08.2017

Pate: Anna Hielscher