Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet KATHRIN

(getauft am 13.03.2017)

 

Am 12. März positionierte sich ein aus Westen kommender Höhenkeil, also ein Warmluftvorstoß nach Norden, mitten über den Nordatlantik. Korrespondierend dazu bildete sich ein Hochdruckgebiet über den Azoren, auch Azorenhoch genannt. Mit westlicher Höhenströmung und der damit verbundenen Ostverlagerung wurde die Antizyklone am 13. März von der Berliner Wetterkarte in der Analyse auf den Namen KATHRIN getauft. Um 00 Uhr UTC, also 01 Uhr MEZ, wurde das Hoch mit Zentrum nordöstlich der Azoren und einem Luftdruck von etwas über 1035 hPa lokalisiert. Besonders auf den östlich gelegenen Inseln São Miguel und Santa Maria führten die bei einem Hoch absinkenden Luftmassen zu nahezu wolkenlosem Himmel und zu einer daraus resultierenden Sonnenscheindauer von 10 Stunden bei maximal 17 bis 19°C.

Bis zum Folgetag spaltete sich Hoch KATHRIN vom Azorenhoch ab und zog mit unverändertem Luftdruck gen Osten bis über die nördliche Biskaya. Damit beeinflusste es das Wettergeschehen in Frankreich und Nordspanien. Jedoch streiften die Frontensysteme des Islandtiefs BERND im Norden die Antizyklone, so dass der äußerste Norden Frankreichs keine Sonnenstunden verzeichnen konnte, dafür Paris aber mit fast 11 Stunden Sonne knapp unter der jahreszeitlich möglichen höchsten Sonnenscheindauer lag. Durch die Nähe zu Hoch KATHRIN fielen die durch Tief BERND verursachten Niederschlagsprozesse sehr gering aus. Meist wurden nicht messbare Mengen verzeichnet. In südwestlichen Landesteilen Deutschlands war der Einfluss des Hochs am deutlichsten sichtbar, denn dort konnte die Schwarzwaldregion die höchsten Sonnenscheindauern von 10 bis 11 Stunden vorweisen. Freiburg war mit 16,5°C Höchsttemperatur auch eine der wärmsten Regionen Deutschlands an diesem Tag, welche damit deutlich über den statistischen Mittelwerten lag.

Bis zum darauffolgenden Tag blieb Hochdruckgebiet KATHRIN nahezu stationär über der nördlichen Biskaya. Das Haupteinzugsgebiet bezog sich auf Nordwestfrankreich, wo jedoch vielerorts an diesem Tag keine Sonne verzeichnet werden konnte. Die Gründe dafür sind vom Hoch KATHRIN herantransportierte feuchte Meeresluft, die über dem Festland aufsteigt und zur Wolkenbildung bzw. einer kompakten Hochnebelschicht führt. Außerdem fand durch die für ein Hoch typischen Schwachwinde keine Durchmischung statt, wodurch sich die feuchte Luftmasse an Ort und Stelle halten konnte. Zudem ist die Sonneneinstrahlung zu dieser Jahreszeit noch nicht stark genug, um die Hochnebelschicht zu durchdringen. Daher konnten in diesen Regionen auch nur maximal 12 bis 15°C gemessen werden, wohingegen der Süden Frankreichs bei 10 bis 11 Sonnenstunden mit beispielsweise 20,1°C in Gourdon deutlich wärmer war. Im am Mittelmeer gelegenen Ort Le Luc wurde mit 24,0°C fast ein Sommertag erreicht.

Bis zum 16. März verlagerte sich Hoch KATHRIN unter Abschwächung vom westlichen ins zentrale Europa. Das Hochdruckzentrum wurde um 00 Uhr UTC etwas südlich des Ruhrgebietes mit einem Luftdruck von ca. 1031 hPa lokalisiert. Von den Ostfriesischen Inseln bis zum Erzgebirge und zum Alpenrand wurden am Ende des Tages 8 bis 11 Sonnenstunden registriert. Die bis dato andauernde sonnige Periode sorgte im Südwesten Deutschlands für bereits 70 bis 80% des Monatssolls der mittleren Sonnenscheindauer. Im Vergleich dagegen wurden im Nordosten nur 30 bis 60% registriert. Dort zogen dichtere Wolkenfelder hinweg, welche zur Warmfront des nordatlantischen Tiefdruckwirbels CHRISTOPH gehörten. Dagegen konnte im saarländischen Saarbrücken-Burbach bei 11 Sonnenstunden die höchste Tagestemperatur von 21,5°C registriert werden. Ebenso wurde in der Nähe von Offenburg und in an der Schweiz angrenzenden Rheinfelden die 20°C-Marke geknackt. In der folgenden Nacht wurde in Bayern bei klarem Himmel erneut leichter Frost vermerkt. Am Münchener Flughafen sank die Temperatur beispielsweise auf -3,3°C. Mit der Verschiebung von Hoch KATHRIN in Richtung der Alpen und der herannahenden Kaltfront des Nordmeerwirbels CHRISTOPH führten dichtere Wolken im Nordsee-Raum dagegen für vergleichsweise milde Tiefstwerte, wie auf Norderney mit 6,0°C.

Bis zum Folgetag verschob sich das Hochdruckzentrum unter deutlicher Abschwächung bis zum Alpenraum zwischen München und Wien. Der Luftdruck betrug um 00 Uhr UTC nur noch knapp 1026 hPa. Grund dafür war ein großräumiger Luftdruckabfall um 10 bis 15 hPa innerhalb von 24 Stunden über Mitteleuropa. Dennoch blieb Hoch KATHRIN weiterhin, besonders für den Süden Deutschlands, wetterbestimmend und sorgte dort auch an diesem Tag noch einmal für viel Sonnenschein und milde Temperaturen. Während in Nord- und Mitteldeutschland durch das Frontensystem von Tief CHRISTOPH viele Wolken und wenig Sonne zu verzeichnen waren, wurde es beispielsweise in München und Freiburg vor dem Eintreffen der Kaltfront bei 9 Sonnenstunden erneut frühlingshaft warm. In München stieg die Temperatur bis auf 19,4°C, in Regensburg auf 20,9°C und in Freiburg sogar auf 21,3°C. Währenddessen gab es in Bremerhaven nach dem Kaltfrontdurchgang bei gerade mal einer Stunde Sonne einen Tageshöchstwert von nur 11,6°C. Das Gebiet hohen Luftdrucks sorgte direkt in Zentrumsnähe, also im Alpenraum und in ganz Österreich für eine örtlich maximale Sonnenstundenanzahl von 11 Stunden mit Höchstwerten bis ebenfalls 21,2°C, wie z.B. in Innsbruck. Je weiter sich Hoch KATHRIN im Laufe des Tages nach Südeuropa verlagerte, umso größer wurde auch dort der Einfluss. So wurden an diesem Tag Sonnenscheindauern von 10 bis 11 Stunden in vielen Teilen Italiens über Kroatien, Montenegro bis nach Griechenland dokumentiert.

Zum Mitternachtstermin des 18. März befand sich das Hochdruckzentrum schließlich mit einem wiederum gesunkenen Luftdruck von circa 1020 hPa nach Verlagerung vom Alpenraum und Ungarn über Griechenland sowie der westlichen Türkei. Dort schien vielerorts über 10 Stunden die Sonne, so auch in der Landeshauptstadt Ankara. Bis zum Tagesende zog Hoch KATHRIN ostwärts und verschwand somit aus dem Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte. Daher konnte die bis zu diesem Zeitpunkt bereits sehr abgeschwächte Antizyklone am 18. März das letzte Mal im Analysebereich der Berliner Wetterkarte verzeichnet werden.

 


Geschrieben am: 12.06.2017 von Lisa-Marie Schulze

Berliner Wetterkarte: 16.03.2017

Pate: Kathrin Gäch