Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet LUDWIGA

(getauft am 22.03.2017)

 

Im Laufe des 22.03.2017 spaltete sich westlich der Britischen Inseln über dem Nordatlantik ein Teil des umfassenden Azorenhochs ab und verlagerte sich in der Folge nach Osten. Unterstützt wurde das neu entstehende Hochdruckgebiet dabei durch einen vom zentralen Nordatlantik bis nach Island reichenden Keil in 5,5 km Höhe, welcher einen Vorstoß warmer Luftmassen nach Norden darstellt. Aufgrund des vorhergesagten Einflusses auf Mitteleuropa wurde das Hoch in der Prognose für den Folgetag auf den Namen LUDWIGA getauft.

Am 23.03. um 01 Uhr MEZ befand sich das Hoch LUDWIGA mit Zentrum etwa 400 km nordwestlich von Irland und wies einen Druck von ca. 1025 hPa auf. Im Tagesverlauf verlagerte sich die Antizyklone bis über die Nordsee, wodurch sich das Einflussgebiet auf Nordengland, Wales, Schottland und Irland sowie Südnorwegen und Dänemark ausbreitete. Die Verbindung zum Azorenhoch blieb dabei jedoch weiterhin bestehen. In einem Hochdruckgebiet kommt es zur großräumigen Absenkung von Luftmassen, wobei der Wolkenbildung entgegen gewirkt wird. Dadurch stellte sich im Bereich des Hochs LUDWIGA sonniges Wetter ein und es konnten Sonnenscheindauern von 8 bis 11 Stunden im Norden Schottlands und Englands sowie etwa 3 bis 5 Stunden in Irland verzeichnet werden. Durch die Ablösung der hier zuvor herrschenden arktischen Luftmassen durch wärmere Polarluft stieg im Zusammenspiel mit der erhöhten Sonneneinstrahlung auch die Temperatur an. Im Vergleich zum Vortag wurden auf den Britischen Inseln verbreitet 3 bis 4 Grad mehr gemessen. Mancherorts wurden auch Temperaturanstiege von bis zu 5 Grad registriert, wie zum Beispiel im Liverpooler Vorort Crosby, wo mit 13,2°C sogar die Landesweite Höchsttemperatur für diesen Tag vermeldet wurde. Auch die nächtlichen Tiefsttemperaturen stiegen vor allem im Süden Englands leicht an, wohingegen sich der im Norden Schottlands und in Teilen Irlands auftretende Frost mitunter durch die klaren Verhältnisse noch vertiefte.

Das Hoch LUDWIGA wurde um 01 Uhr MEZ am 24.03. nach weiterer Verstärkung auf einen zentrumsnahen Druck von rund 1032 hPa knapp östlich von Edinburgh analysiert. Der Einflussbereich breitete sich weiter aus und umfasste zu diesem Zeitpunkt neben den Britischen Inseln und Südskandinavien auch den Norden Deutschlands und die Niederlande. Im Süden Schottlands, in Nordengland, Wales und Irland wurden erneut 8 bis 11 Sonnenstunden registriert. Derweil erwärmte sich auch die eingeflossene polare Luftmasse, wodurch erneut 3 bis 4 Grad höhere Tagesmaxima der Temperatur als noch am Vortag gemessen wurden. Der Hochdruckeinfluss setzte sich im Laufe des Tages nun auch bis zur Mitte Deutschlands durch, wobei Sonnenscheindauern von verbreitet 11 bis 12 Stunden verzeichnet wurden. Ab einer Linie Dortmund-Kassel-Erfurt bis zum Norden Bayerns und Baden-Württembergs waren es noch 3 bis 9 Stunden. Damit einhergehend stiegen die Temperaturen im Norden und Nordosten um bis zu 7 Grad im Vergleich zum Vortag an. So wurden in Lüchow 13,5°C gemessen, während es tags zuvor noch 7,4°C waren. Auch in Berlin-Tegel und in Kyritz konnten deutliche Temperaturanstiege von 6,7 bzw. 6,9 Grad beobachtet werden. In der folgenden Nacht führte der aufklarende Himmel jedoch verstärkt zur Auskühlung der Luft, wodurch vielerorts die Minimumtemperatur unterhalb des Gefrierpunktes sank und dabei leichten Frost hervorrief.

Bis zum 25.03. bildete sich in der mittleren Troposphäre im Bereich des mit dem Bodenhoch LUDWIGA korrespondierenden Keils ein Höhenhoch aus, welches sich in der Folge verstärkend über Nordwest- und Mitteleuropa etablierte und blockierende Wirkung hatte. Auch das zugehörige Hoch LUDWIGA im Bodenniveau verstärkte sich nochmals auf über 1035 hPa. Das Zentrum des Hochs verlagerte sich nur wenig nach Süden und verblieb dadurch nahezu stationär über der Ostküste Großbritanniens. Der Einflussbereich erstreckte sich um 01 Uhr MEZ vom Nordatlantik westlich von Irland über die Britischen Inseln, die Nordsee und Deutschland bis zu den Karpaten, die Ukraine und Weißrussland. Ebenfalls umfasste das Hoch LUDWIGA mit seinem Einfluss die Benelux-Staaten sowie Dänemark und den Süden Schwedens und Norwegens. In vielen Teilen West- und Mitteleuropas kam es in Folge weiterer Erwärmung der einfließenden Luftmassen zu andauernden Temperaturanstiegen. Deutlich fiel dieser beispielsweise auf den Britischen Inseln aus, dort konnten verbreitet zwischen 3 bis 6 Grad mehr als am Vortag registriert werden, wodurch maximale Tageswerte von bis zu 18,8°C am Observatorium von Valentia in Irland und 19,1°C im schottischen Aboyne erreicht wurden. Auch in Frankreich wurden bis auf den äußersten Südosten und Südwesten des Landes 3 bis 6 Grad mehr als tags zuvor verzeichnet, mit Höchstwerten von 18,9°C in Paris-Montsouris und 19,1°C in Perigueux etwa 80 km nordöstlich von Bordeaux. In Deutschland wurden bis auf wenige Ausnahmen im Norden und Süden fast ausschließlich Sonnenscheindauern von 6 bis 12 Stunden registriert. Im Vergleich zum Vortag wurden dabei meist 2 bis 3 Grad höhere Temperaturen vermeldet, im äußersten Südwesten des Landes sowie Österreich und in der Schweiz waren die Temperaturanstiege deutlich ausgeprägter. In Freiburg wurden mit 20,3°C 5,6 Grad mehr gemessen. Im ostschweizerischen Chur konnten derweil 21,8°C und im tiroler Lienz 19,9°C verzeichnet werden. Der Tagesgang der Temperatur verblieb im Bereich des Hochs LUDWIGA jedoch ausgeprägt, wodurch trotz Höchsttemperaturen von über 20°C in der Nacht vielerorts leichter Frost auftrat.

Die Antizyklone LUDWIGA verblieb auch bis zum Folgetag stationär über der Ostküste Großbritanniens und dabei nahezu zentral unterhalb des korrespondierenden Höhenhochs in 5,5 km. Der zentrumsnahe Druck schwächte sich zwar leicht ab, betrug aber immer noch knapp über 1030 hPa. Auch der Einflussbereich veränderte sich nur wenig und dehnte sich lediglich etwas weiter über den Norden Polens in Richtung des Baltikums sowie weiter über die Karpatenregion aus. Das Hoch LUDWIGA führte nun an seiner Nordflanke warme subtropische Luftmassen nach Südskandinavien, was vor allem im Süden Schwedens Anstiege in der Höchsttemperatur um bis zu 8 Grad zur Folge hatte. So wurden an der Station Tullinge 17,7°C verzeichnet, während es tags zuvor noch 9,6°C waren. Der Einfluss der wärmeren Luftmassen setzte sich sogar bis zum Baltikum und dem Süden Finnlands durch, wodurch auch dort die Temperaturen leicht anstiegen. An der Ostflanke des Hochs strömten hingegen gemäßigte und subpolare Luftmassen nach Süden, die Höchstwerte des Vortages erneut erreicht bzw. nur geringe Anstiege beobachtet wurden. Vor allem aus der Alpenregion, dem Süden Deutschlands und Südwesteuropa wurden geringere Maxima der Temperatur im Vergleich zum Vortag gemessen, da hier zuvor wärmere Luft vorherrschte, die nun verdrängt wurde.

Bis zum 27.03. bildete sich über der deutsch-polnischen Grenze ein weiteres Hochdruckzentrum aus, welches in der Folge weiter nach Südosten zog. Um 01 Uhr MEZ befand es sich nordöstlich von Wien mit einem Druck von etwa 1029 hPa. Das ursprüngliche Zentrum des Hochs LUDWIGA lag über der zentralen Nordsee und wies einen Druck von rund 1027 hPa auf. Durch die südöstliche Verlagerung des neu entstandenen Hochdruckzentrums breitete sich der Einfluss des Hochdrucksystems LUDWIGA bis zur westlichen Schwarzmeerküste und dem Norden Griechenlands aus. Des Weiteren dehnte es sich nach dem Abzug der Ausläufer des Tiefs GREGOR auch weiter nach Süden über Italien sowie Korsika und Sardinien aus. Als Resultat stellten sich über weite Teile Europas Sonnenscheindauern von 10 bis 12 Stunden ein. Gleichzeitig erwärmten sich die eingeflossenen Luftmassen und die Temperaturen erhöhten sich vor allem über Ost- und Südosteuropa deutlich. In diesen Bereichen traten Temperaturanstiege von bis zu bzw. mitunter sogar über 8 Grad auf, wie im polnischen Ostroleka, wo sich das Tagesmaximum von 9,7°C am Vortag auf 17,9°C erhöhte. In Deutschland betrugen die Anstiege zwischen nur wenigen Grad im Südwesten bis zu 5 bis 7 Grad in der Nordhälfte des Landes. Die absoluten Höchstwerte für Deutschland wurden an diesem Tag mit jeweils 19,7°C aus Mannheim und Rheinstetten gemeldet. Ähnlich warm oder sogar wärmer wurde es nur noch in Porsgrunn in Norwegen mit 19,7°C, im schwedischen Horn mit 20,3°C und verbreitet in Frankreich. Dort konnten bis zu 20,9°C in Gueret St. Laurent, 21,1°C in Grenoble und je 21,7°C in Vichy sowie Brive verzeichnet werden.

Während sich das Hochdruckzentrum über der Nordsee auflöste, befand sich das östlichere Zentrum des Hochs LUDWIGA mit einem abgeschwächten Luftdruck von ca. 1025 hPa am 28.03. um 01 Uhr MEZ über dem Grenzgebiet von Nordkroatien und Slowenien. Einfließende subtropische Luftmassen sorgten für weiter anhaltende Temperaturanstiege von den Benelux-Staaten bis nach Süd- und Südwesteuropa, im Bereich des Balkans betrugen diese zwischen 5 und 7 Grad. Dabei wurden Höchstwerte der Temperatur von 23,8°C im ungarischen Miskolc und 25,8°C im tschechischen Tusimice gemessen. In Deutschland lagen die Maxima bei 21,9°C in Potsdam, 22,1°C am Flughafen Köln/Bonn und 22,2°C in Andernach.

Bis zum Folgetag schwächte sich das Hoch LUDWIGA weiter ab. Dabei wurde es zum Teil in die Zirkulation des Hochs MARRIT aufgenommen und zum anderen Teil löste es sich im Bereich schwacher Luftdruckgegensätze auf. Dadurch konnte es nicht weiter auf der Berliner Wetterkarte namentlich verzeichnet werden.

 


Geschrieben am 02.06.2017 von Sebastian Wölk

Berliner Wetterkarte: 27.03.2017

Pate: Ludwiga Kümpel