Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet MARIA

(getauft am 16.08.2017)

 

Mitte August befand sich zum einen ein ausgedehntes Azorenhoch über dem Atlantik und zum anderen zogen Tiefdruckgebiete nördlich davon mit der westlichen Höhenströmung auf Westeuropa zu. Im Tagesverlauf des 15. August bildete sich ein Hochdruckkeil aus. Dabei beulten sich die Isobaren, also die Linien gleichen Luftdruckes, keilförmig aus dem Hochdruckzentrum über den Azoren bis nach Mitteleuropa aus. Korrespondieren am Boden konnte sich aus diesem Hochkeil heraus ein Zwischenhoch entwickeln. Dieses Zwischenhoch wurde in der Analyse von der Berliner Wetterkarte am 16. August um 00 Uhr UTC, also 01 Uhr MEZ, auf den Namen MARIA getauft.

Ein Zwischenhoch ist in der Meteorologie definiert als ein nicht ortsfestes Hochdruckgebiet. Folglich verlagerte es sich eingebettet zwischen zwei Tiefdruckgebieten, gut auf der Bodenwetterkarte als Tief JÜRGEN und Tief KOLLE zu erkennen, genauso schnell wie die Tiefs selbst. Zudem sorgen Zwischenhochs in einer Phase mit wechselhaftem Wetter für eine kurze Wetterberuhigung mit deutlich abflauendem Wind und Wolkenauflösung. Diese Schönwetterphase dauert jedoch meist nur ein bis zwei Tage an, so dass Zwischenhochs zu einer kaum nennenswerten Erwärmung führen. Nach dem Durchzug eines Zwischenhochs folgt in der Regel schon das nächste Tiefdruckgebiet. Zum Zeitpunkt der Taufe befand sich das Zentrum von Zwischenhoch MARIA mit einem Luftdruck von etwa 1021 hPa über dem nördlichen Alpenraum. Da sich die Okklusionsfront von Tief JÜRGEN über der Osthälfte Deutschlands nur sehr zögerlich in Richtung Polen verlagerte, konnten sich dort noch viele Wolken halten. Daher wurden vom Greifswalder Bodden bis zum Erzgebirge auch nur 2 bis 4 Sonnenstunden registriert. Währenddessen schien durch das Zwischenhoch MARIA im Westen und Süden überwiegend 6 bis 8 Stunden die Sonne, an der Nordseeküste, beispielsweise auf Sylt sogar schon 10 Stunden. Auf der Rückseite von Tief JÜRGEN floss kühlere Meeresluft ein. So sanken die Temperaturen deutschlandweit um 2 bis 6 Grad. Am Flughafen in München lagen die Tageshöchstwerte bei rund 24°C, 6 Grad kälter als am Vortag.

Bis zum darauffolgenden Tag blieb das Zentrum von Zwischenhoch MARIA nahezu stationär mit gleichbleibendem Luftdruck über den Alpen. Aufgrund des stark ausgeprägten Hochdruckgebietes LISA über Russland wurde die für Zwischenhochs typische rasche Verlagerung verlangsamt. So konnte sich das Hoch MARIA längere Zeit über den Alpen halten. Eingebettet in einer Hochdruckbrücke von Nordspanien über Südfrankreich, Österreich bis nach Polen brachte die Antizyklone MARIA in diesen Ländern vielerorts die für diese Jahreszeit maximale Sonnenstundenanzahl von 13 Stunden, wie z.B. in Toulouse oder auch im oberösterreichischen Linz. Unter dem langanhaltenden Sonnenschein stiegen die Temperaturen auf 29 bis 31°C an. In Bayern wurden bei 8 bis 10 Sonnenstunden immerhin noch 28°C registriert. Da vom Westatlantik bereits die nächste Zyklone namens KOLLE herannahte, nahmen die Anteile der Sonnenstunden in Richtung Nordsee zunehmend ab. Auf Helgoland gab es gar keine Sonne und die Temperatur stieg auf nur noch 19°C an.

Auch zum Nachttermin des 18. August befand sich das Hochdruckzentrum von Hoch MARIA nach wie vor unverändert über der Alpenregion mit einem leicht abgesunkenen Luftdruck von knapp unter 1020 hPa. Weiterhin war Hoch MARIA ein Teil einer ausgedehnten Hochdruckbrücke von den Azoren über Süd-, Mittel- und Osteuropa bis nach Russland, wo sie in das bereits langanhaltende Hoch LISA überging. Sowohl die Nord-Süd- als auch die West-Ostausdehnung von Hoch MARIA begrenzte sich allerdings nach wie vor auf den Alpenraum. Von der Schweiz über Österreich, dem bayerischen Raum, dem Erzgebirge und Tschechien bis Polen konnte man mit 9 bis 13 Stunden noch eine hohe Sonnenscheindauer verzeichnen. In diesen Regionen stiegen die Temperaturen auch noch einmal auf 26 bis 31°C. In Wien führten 13 Stunden Sonne sogar zu einem Heißen Tag mit einer Tageshöchsttemperatur von 34°C. Die Tiefausläufer vom Nordatlantiktief KOLLE kamen durch die ausgeprägte Hochdruckbrücke nur begrenzt voran. Dabei sorgten sie in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen bis Mecklenburg-Vorpommern für einen wolkenreichen, verregneten und meist sonnenscheinlosen Tag. Mit nur noch maximal 20°C in Köln und Hamburg wurde nicht mal mehr ein Sommertag erreicht, für welchen mindestens 25°C nötig wären.

Bis zum Folgetag wurde Hoch MARIA vom Tiefdruckwirbel KOLLE zunehmend ostwärts verdrängt, so dass das Zentrum um 00 Uhr UTC über den Karpaten mit einem Luftdruck von circa 1019 hPa lokalisiert werden konnte. Der Einflussbereich des Hochs vergrößerte sich im Vergleich zu den Vortagen deutlich. Die Ausdehnung von Nord nach Süd betrug ungefähr 2000 km und reichte von Russland bis zur Ägäis. Von West nach Ost beeinflusste Hoch MARIA das Wettergeschehen mit einer Reichweite von ca. 1500 km. Während in den Einflussregionen 9 bis 13 Stunden die Sonne schien, wurde mit Zufuhr kontinentaler Subtropikluft eine Temperaturspanne von Nord nach Süd zwischen 28°C in Sankt Petersburg und 38°C im zentralmakedonischen Serres erreicht.

Im Verlauf des Tages wurde Hoch MARIA von Tief KOLLE und weiteren westlich gelegenen Tiefdruckgebieten ostwärts abgedrängt. Bis 00 Uhr UTC des 20. August verlagerte sich das Hoch bis an die Ostküste des Schwarzen Meeres. Der Luftdruck im Zentrum sank weiter auf etwa 1017 hPa. Die bereits abgeschwächte Antizyklone MARIA löste sich anschließend in den frühen Morgenstunden rasch auf. Bis zum darauffolgenden Tag verdichteten sich auch dort die Wolken durch die fortschreitenden Tiefdruckgebiete aus Westen. Daher konnte das Hoch MARIA am 20. August das letzte Mal auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet werden.


 

Geschrieben am 12.11.2017 von Lisa-Marie Schulze

Berliner Wetterkarte: 16.08.2017

Pate: Dr. Maria König