Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet NESSA

(getauft am 02.04.2017)

 

Schon am 31.03.2017 bildete sich über dem Seegebiet zwischen den Kanaren und dem spanischen Festland eine eigenständige Hochdruckzelle aus. In leicht nordöstlicher Bewegung, zog sie bis zum 02.04. bis vor die portugiesische Küste. An diesem Tag entschlossen sich die Meteorologen der Berliner Wetterkarte dazu, es auf den Namen NESSA zu taufen, da es Einfluss auf das Wetter in Europa nehmen sollte. Zu diesem Zeitpunkt wies die Antizyklone bereits einen Kerndruck von ca. 1027 hPa auf. In einem Hochdruckgebiet herrschen allgemein absinkende Luftbewegungen, die zu hohem Druck am Boden und vermehrt zu Wolkenauflösung führen. So wurde am 02.04. außer im Norden Spaniens, wo noch Reste einer Front lagen, in ganz Spanien und auch in Portugal bis zu 12 Stunden Sonne registriert. Auch stieg die maximale Temperatur beispielsweise in Herrera Del Duque von 18°C am Vortag um 4 Grad auf 22°C an. In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon kam es zu einer Erwärmung um 2 Grad im Vergleich zum Vortag auf 22°C. Deutlich kühler blieb es nur unter den Wolken im Norden Spaniens, wo die maximale Temperatur meist unter 15°C verharrte, in Pamplona wurden nicht mehr als 12°C gemessen.

Am 03.04. um 02 Uhr MESZ war das Zentrum des Hochdruckgebiets NESSA über dem Pariser Raum zu finden. Dabei blieb der maximale Luftdruck mit etwa 1027 hPa zwar gleich, jedoch vergrößerte sich der Einflussbereich der Antizyklone NESSA im Tagesverlauf und dehnte sich bis nach Deutschland aus. Die absinkenden Luftbewegungen trockneten die Luft allmählich aus, was größere Temperaturaunterschiede zwischen minimaler und maximaler Temperatur ermöglichte. Dies führte beispielsweise im Bergland von Kastilien in Spanien zu leichten Nachtfrösten, wie in Aranda De Duero auf rund 800 m gelegen, mit minimal -4°C. In Frankreich und Deutschland verlief die Nacht aufgrund höherer Feuchte und z.T. vorhandenen Wolken deutlich milder. Im Pariser Gebiet konnte außerdem sehr gut der Effekt der städtischen Wärmeinsel beobachtet werden, der besonders in der Nacht infolge stärkerer urbaner Bebauung auftritt. Die Innenstadtstation Paris Montsouris meldete minimal 8,4°C, während nördlich von Paris in Beauvais eine Minimumtemperatur von 1,3°C gemessen wurde. Tagsüber machte sich der Einfluss des Hochs NESSA in Frankreich und dem Südwesten Deutschlands durch steigende Tageshöchsttemperaturen bemerkbar. Im französischen Brive und in Marseille stieg das Maximum von 16°C am Vortag auf 22°C, in Lyon von 13 auf 21°C und in Ihringen am Rhein von 17°C auf 20°C. Der gegenteilige Effekt konnte im Nordosten Deutschlands beobachtet werden. Dort sorgte das südwestlich gelegene Zentrum des Hochs, das mit dem Uhrzeigersinn umströmt wird, für die Heranführung kühlerer Luftmassen von der Nordsee mit tiefen Wolken, die nur wenige Auflockerungen aufwiesen und somit Sonnenschein verhinderten. Im Berliner Raum waren am Vortag noch 18 bis 19°C gemessen worden, nun stieg die Temperatur auf lediglich 11°C an. Der Norden, Westen und Süden Deutschlands konnte an diesem Tag viele Sonnenstunden zählen. Der Kieler Leuchtturm meldete 13 Stunden Sonnenschein, der Köln/Bonner Flughafen 12 Stunden und in Lahr im Oberrheingraben kam es noch zu 10 Stunden. Auch andere große Städte Europas konnten vom Hochdruckeinfluss profitieren. In London schien die Sonne 10 Stunden, in Paris 11 Stunden und Mailand und Madrid meldeten sogar 12 Stunden Sonnenschein.

Die Antizyklone NESSA verlagerte sich bis zum 04.04. um 02 Uhr MESZ weiter nach Nordosten. Dabei blieb ihr Kerndruck mit ca. 1027 hPa unverändert zum Vortag. Das Hoch war nur durch eine Front von einem über Westrussland neu entstehenden Hoch getrennt. Noch dazu bildete sich im Westen auf dem Ostatlantik das Hochdruckgebiet ORTRUD aus. Diese Hochs bildeten zusammen eine Hochdruckbrücke, in der vielerorts ein gering bewölkter Himmel in der Nacht beobachtet wurde. Über dem Osten Deutschlands lagen jedoch noch viele dichte Wolken, unter denen die minimale Temperatur bei 6°C im Berliner Raum verblieb, während es in Faßberg in der Lüneburger Heide bei klarem Himmel mit
-2°C leichten Frost gab. In Südfrankreich sanken die Temperaturen jedoch nicht mehr so stark ab wie in den Nächten zuvor. Unmittelbar an der Grenze zu Spanien in Perpignan lag die nächtliche Temperatur bei 16°C, während nachts zuvor noch 12°C gemessen wurden. Die Hochdruckbrücke führte in weiten Teilen Europas zu einigen Sonnenstunden. In Deutschland schien die Sonne vor allem im Westen und Norden bis zu 13 Stunden lang, der Süden und Osten wurde von einem kleinen Höhentief beeinflusst, welches Sonnenschein verhinderte. Über der zentralen Ostsee war ein anderer Effekt für das Ausbleiben von Sonne verantwortlich. Dort bildeten sich tiefe hochnebelartige Wolken aus, die sich durch einen großen Unterschied des noch kalten Wassers der Ostsee zum sich von der Sonne kräftig erwärmten Festland bildeten. Koszalin in Pommern meldete dadurch nur eine Sonnenstunde. An der vorpommerschen und pommerschen Ostseeküste sowie auf Bornholm wurden nur maximale Temperaturen von z.B. 7°C am Kap Arkona, 6°C in Ustka und 5°C in Hammer Odde an der Nordspitze Bornholms gemessen. Das nur etwa 100 km von der Küste entfernte Szczecinek meldete dagegen ein Maximum von 15°C und die polnische Hauptstadt Warschau 19°C bei 11 Stunden Sonnenschein. Vom Norden Deutschlands über Weißrussland bis nach Südfinnland wurden in der erwärmten Polarluft Höchsttemperaturen von meist 10 bis 16°C gemessen. Nur an Küstenorten, wo der Wind von der See kam, blieb es deutlich kühler. Vilsandi, eine estnische Insel meldete nur 4°C, Tallinn, auch an der Küste gelegen, mit Wind vom erwärmten Land her dagegen 13°C.

Die nach Osten vorankommenden Ausläufer des Tiefs KIRK mit Zentrum über dem Norden Skandinaviens sorgten für eine Angliederung des Hochs NESSA an das größere Hoch über dem Westen Russlands. Dadurch konnte es am Folgetag nicht mehr als eigenständiges Hochdruckgebiet auf der Berliner Wetterkarte erscheinen.

 

 

Geschrieben am 02.05.2017 von Dustin Böttcher

Berliner Wetterkarte: 03.04.2017

Pate: Jutta Brunnabend-Fischer