Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet NILÜFER  

(getauft am 18.08.2017) 

 

Am 17. August dominierte eine breite Hochdruckzone vom Atlantik über Süd- und Mitteleuropa bis nach Russland. In dieser Zone konnten drei Hochdruckgebiete analysiert werden. Über Westrussland befand sich Hochdruckgebiet LISA, über dem Alpenraum Hoch MARIA und ein unbenanntes Druckgebiet westlich der Azoren. Nördlich dieser Zone beeinflussten Tief KOLLE über Großbritannien und der Hurrikan GERT vor Neufundland das Wettergeschehen. In der klimatologisch vorherrschenden westlichen Höhenströmung verlagerte sich der nun heruntergestufte Ex-Hurrikan GERT am 18. August in östliche Richtung über den Atlantik. Dadurch wurde das Azorenhoch langsam nach Osten abgedrängt. Im Laufe des Tages spaltete sich ein Teilhochdruckgebiet ab und verlagerte sich nach Nordosten. In der Meteorologie spricht man daher von einem Azorenableger. Dieses Druckgebilde wurde in der Prognose auf den Namen NILÜFER getauft und tauchte erstmals am 19. August um 01 Uhr MEZ auf der Berliner Wetterkarte auf. Das Hoch positionierte sich knapp 500 km nordwestlich der portugiesischen Küste mit einem Druck von ca. 1027 hPa. Die Verbindung zum Azorenhoch blieb weiterhin bestehen, sodass sich eine Hochdruckbrücke ausbilden konnte. Im Verlauf des 19. August verlagerte sich das Druckgebilde nach Osten und beeinflusste hauptsächlich Spanien, Portugal und Frankreich. Ein Hochdruckgebiet, auch Antizyklone genannt, dreht sich im Uhrzeigersinn und sorgt mit einer absinkenden Luftbewegung für eine Wolkenauflösung und meist freundliches Wetter. In Spanien und Portugal konnte die Sonne an diesem Tag insgesamt 8 bis 13 Stunden scheinen. Dort setzte sich bei nur schwachem Wind sehr heißes Sommerwetter durch. Die Höchsttemperaturen konnten auf Werte von 30 bis 39 Grad ansteigen. Am wärmsten wurde es im südspanischen Alajar mit 39,3°C, Madrid erreichte 35,6°C. Auch in Frankreich setzte sich nach letzten Regenfällen am Morgen freundliches Wetter durch. Bei 7 bis 12 Sonnenstunden stiegen die Temperaturen allerdings nur auf moderate 18 bis 24 Grad. Aufgrund der Position des Hochs NILÜFER wurde mit westlichen Winden recht kühle Atlantikluft herangeweht. So erreichte die Station Paris Charles de Gaulle maximal 22,1°C und in Brest in der Bretagne wurden 18,2°C gemessen. Der Südosten Frankreichs wurde mit südöstlichen Winden von warmer Mittelmeerluft beeinflusst. Dort konnten 25 bis knapp 32°C verzeichnet werden.

Am 20. August um 01 Uhr MEZ befand sich die Antizyklone NILÜFER über der französischen Westküste mit einem unveränderten Druck von ca. 1027 hPa. Auch die Verbindung zum Azorenhoch blieb bestehen. Das Haupteinflussgebiet konnte sich etwas nach Osten ausweiten und reichte bis Südwestdeutschland, die Schweiz und Südostengland. Erneut konnten in Spanien, Portugal und Frankreich 9 bis 13 Stunden Sonne registriert werden. Einzig die Bretagne sowie der Südwesten Englands blieben unter den Wolken der Warmfront des aufziehenden Tiefs LEIF dicht bewölkt mit nur 1 bis 3 Sonnenstunden. In Deutschland setzte sich der Hochdruckeinfluss im Tagesverlauf von Südwesten her weiter durch. In Baden-Württemberg und Bayern wurden verbreitet 9 bis 12 Sonnenstunden verzeichnet. In einem Streifen von Thüringen bis zur Ostsee setzte sich ebenfalls meist freundliches Wetter mit 7 bis 10 Sonnenstunden durch. Im restlichen Deutschland schien die Sonne zwischen 3 und 7 Stunden. Nördlich des Hochdruckzentrums floss maritime Polarluft in weiten Teilen Deutschlands ein. Im 500-hPa-Niveau, also in einer Höhe von ca. 5,5 km sank die Temperatur auf bis zu -23°C. Dies ist für August eine beachtlich tiefe Temperatur. In der Folge bildeten sich aufgrund der Einstrahlung der Sonne und der daraus resultierenden Temperaturunterschiede zwischen Boden und Höhe sowie aufgrund der warmen Nord- und Ostsee kräftige Schauer aus. Diese waren teilweise recht ergiebig, sodass auf der Insel Baltrum bis 19 Uhr MEZ 37 mm und in Oldenburg 26 mm fielen. In Südostfrankreich sowie auf der Iberischen Halbinsel wurde es dagegen auch am 20. August sehr heiß mit Werten von 27 bis 34°C, in Süd- und Mittelspanien zeigte das Thermometer sogar Werte von 35 bis 40°C an. Am heißesten wurde es in Herrera del Duque mit 40,9°C. Im restlichen Einflussgebiet blieb es mit 18 bis 24°C angenehm warm.

Am 21. August konnte das Hoch NILÜFER als eigenständiges Druckgebilde über dem Breisgau mit unverändertem Druck von ca. 1027 hPa analysiert werden. Weiterhin konnte maritime Polarluft am nördlichen Rand des Hochdruckgebietes einfließen, sodass es nachts für August relativ kalt werden konnte. So wurden am Morgen des 21. August von Nordrhein-Westfalen bis Bayern und Baden-Württemberg gebietsweise Tiefstwerte von unter 10°C gemeldet. Erfurt verzeichnete 8,8°C, Bochum 8,2°C und das bayrische Neustadt 5,7°C. Tagsüber setzte sich von der Nordsee bis Sachsen sowie südwestlich davon 7 bis 11 Stunden die Sonne durch. Maximal konnten 20 bis 24°C erreicht werden mit dem höchsten Wert von 24,5°C in Brauneberg-Juffer in Rheinland-Pfalz. Nordöstlich der Linie Nordsee-Sachsen beeinflusste die höhenkalte Luft das Wettergeschehen. Schauerartig und gewittrig durchsetzte Regenfälle sorgten für Sonnenscheindauern von 2 bis 6 Stunden, sowie Höchstwerte von 17 bis 21°C. Am stärksten waren die Niederschläge an der Ostsee, wobei Usedom 24-stündig 18,7 mm vermeldete. Die darauffolgende Nacht gestaltete sich erneut sehr kühl mit Tiefstwerten von gebietsweise 8 bis 3°C. Am kältesten in Deutschland wurde es im sächsischen Ort Marienberg-Kühnhaide mit -1,5°C. Dieser Ort im Erzgebirgskreis gilt aufgrund seiner Lage in einer von höher gelegenen Wäldern umgebenen Senke, in der sich die Kaltluft stauen kann, als einer der kältesten bewohnten Ortschaften Deutschlands. Das Einflussgebiet erweiterte sich währenddessen und reichte nun bis zur Slowakei und Ungarn. In der gesamten Mittelmeerregion konnten 10 bis 13 Sonnenstunden registriert werden, während sich die Hitzewelle mit Höchstwerten von 35 bis 40°C in Spanien und Portugal fortsetzte.

Am 22. August um 01 Uhr MEZ konnte das Hochdruckgebiet NILÜFER nur unwesentlich weiter östlich analysiert werden. Der Druck sank dabei auf Werte um 1023 hPa. Von Spanien über Frankreich, Deutschland, Tschechien, Rumänien, Griechenland sowie in Italien stellte sich spätsommerliches Wetter mit 10 bis 13 Sonnenstunden ein. Das direkte Einflussgebiet erreichte eine West-Ost-Ausdehnung von ca. 2500 km und eine Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 2000 km. Einzig der Nordosten Deutschlands wurde von Wolkenfeldern tangiert, sodass dort nur 2 bis 6 Sonnenstunden verzeichnet wurden. Die eingeflossene subpolare Luft erwärmte sich auf 17 bis 21°C im Nordosten, sonst auf 22 bis 28°C. München erreichte 21,7°C, Düsseldorf 25,3°C und Karlsruhe 25,6°C. Damit wurde in einigen Regionen West- und Süddeutschlands ein Sommertag vermeldet, der ab einer Höchsttemperatur von 25,0°C eintritt.

Auch am 23. August hielt der Hochdruckeinfluss in weiten Teilen Europas an. Die Antizyklone NILÜFER konnte um 01 Uhr MEZ über Thüringen mit einem Druck von ca. 1022 hPa analysiert werden. Abermals konnten in Süd-, West-, Mittel- und Südosteuropa 10 bis 13 Stunden Sonne vermeldet werden. In der gesamten Mittelmeerregion stiegen die Temperaturen auf 30 bis 35°C, in Spanien erneut auf bis zu 40°C. Auch in Deutschland setzte sich die Erwärmung fort. Im Osten erreichte man 21 bis 26°C, im Westen und Südwesten 26 bis 31°C mit dem höchsten Wert in Bad Bellingen mit 31,3°C. Besonders entlang des Rheins wurde die 30-Grad-Marke öfter überschritten, sodass nochmals ein Heißer Tag registriert wurde. Ein Heißer Tag tritt dann ein, wenn die Temperatur 30°C erreicht.

Zum 24. August verlagerte sich die Antizyklone deutlich nach Osten. Grund war das rasche Vordringen der Okklusionsfront von Tief LEIF. Um 01 Uhr MEZ befand sich das Zentrum von Hoch NILÜFER über Griechenland mit einem Druck von ca. 1021 hPa, am Abend befand es sich bereits über dem Schwarzen Meer. Dementsprechend verlagerte sich auch die Zone des sonnigen Wetters. Diese reichte von Spanien über Südfrankreich, Schweiz, Italien, Polen sowie über gesamt Südosteuropa. In Deutschland zogen nach sonnigem Start die Wolkenfelder der Front des Tiefs LEIF auf. Dennoch wurde in Bayern nochmals die 30°C überschritten, wie in Rosenheim mit 30,2°C. Von Berlin und Brandenburg bis zum Saarland sowie südöstlich davon wurde es mit 24 bis 28°C sehr warm. Auch die 6 bis 9 Sonnenstunden in der Südosthälfte spiegeln den abziehenden Hochdruckeinfluss wieder.

Vom 25. bis 27. August blieb das Hochdruckgebiet NILÜFER stationär mit einem Druck von etwas über 1020 hPa über dem Schwarzen Meer. Besonders von der Türkei über Griechenland, Rumänien und der Ukraine zeigte sich die Sonne den ganzen Tag über. Aufgrund der Drehrichtung des Hochs wurde tropische Luft aus Süden nach Norden transportiert. Den Höhepunkt der Hitzewelle stellte der 27. August dar. Verbreitet stieg in Südosteuropa die Temperatur auf 30 bis 35°C, örtlich auch darüber. Spitzenreiter waren das albanische Elbasan mit 38,5°C und die italienische Stadt Ferrara mit 38,0°C. Auch in Teilen Rumäniens, Bosnien und Herzegowinas, Griechenlands, Serbiens und Ungarns erreichten die Höchstwerte ebenfalls heiße 36 bis 37°C.

Am Folgetag zog das Hoch NILÜFER weiter nach Osten und befand sich somit nicht mehr im Kartenausschnitt der Berliner Wetterkarte.

 


Geschrieben am 25.10.2017 von Dennis Schneider

Berliner Wetterkarte: 21.08.2017

Pate: Nilüfer Dalman