Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet OLDENBURGIA

(getauft am 26.08.2017)

 

Am 26.08.2017 dominierte vom östlichen Atlantik über Zentraleuropa bis zum Norden des Kontinents vorwiegend tiefer Luftdruck, welcher in Form der Tiefs MATHIAS und LEIF sowie einigen unbenannten Wirbeln auch direkten Einfluss auf das Wettergeschehen hatte. Die Zyklonen im Bodenniveau wurden mitunter durch nach Süden gerichtete Katluftvorstöße in einer Höhe von etwa 5 km, sogenannte Tröge, unterstützt, welche wiederum ebenfalls teilweise Höhenwirbel einbetteten. Über dem Süden, Südosten und dem Nordmeer herrschte hingegen hoher Luftdruck vor, welcher im Bereich der Balkan-Halbinsel und des Schwarzen Meeres zum Beispiel durch das Hoch NILÜFER repräsentiert wurde. Über dem Nordmeer und der Norwegischen See reichte dabei in der Höhe ein als Keil bezeichneter Vorstoß warmer Luftmassen nach Norden, der nicht nur mit einer unbenannten Antizyklone im Bodenniveau korrespondierte, sondern ebenfalls die Bildung eines neuen Hochdruckgebietes anregte.

Dadurch entwickelte sich im Laufe des Tages ein Hochdruckzentrum über dem Südwesten Englands, welches aufgrund seines vorhergesagten Einflusses auf das europäische Wettergeschehen in der Prognose für den Folgetag auf den Namen OLDENBURGIA getauft wurde.

Um 01 Uhr MEZ am 27.08. konnte das Hoch OLDENBURGIA erstmalig namentlich über dem Süden Englands verzeichnet werden. Die Antizyklone wies zu diesem Zeitpunkt einen Druck von ca. 1018 hPa auf. Der Einflussbereich beschränkte sich dabei zunächst auf die Britischen Inseln und den Nordwesten Frankreichs. An den zuvor eingeflossenen polaren Luftmassen änderte sich durch das Hoch OLDENBURGIA in diesem Bereich zwar nichts, jedoch erhöhte sich die Anzahl der Sonnenstunden, da die in einem Hochdruckgebiet absinkende Luft zur Auflösung von Wolken führt sowie gegen deren Entstehung wirkt. Das Resultat waren 9 bis 12 Stunden Sonne im Süden Englands und in Nordwestfrankreich, was gleichzeitig auch Anstiege in den dort gemessenen Höchsttemperaturen von 1 bis 3 Grad nach sich zog. So konnten in Gravesend östlich von London 26,7°C als Tagesmaximum registriert werden. Im Tagesverlauf zog die Antizyklone OLDENBURGIA weiter nach Osten, wodurch auch Deutschland in ihren Einflussbereich geriet. Mit Abzug des Tiefs MATHIAS und der zugehörigen Kaltfront flossen nun mit dem Hoch OLDENBURGIA auch dort maritime subpolare Luftmassen ein. Vor allem im Süden des Landes kam es dabei zu teils deutlichen Temperatursenkungen, da hier noch am Vortag warme Subtropikluft vorherrschte. In Augsburg fiel die Temperatur beispielsweise von 29°C tags zuvor auf nun 22,1°C herab. Auch in der Nordhälfte wurden trotz angestiegener Sonnenscheindauern von bis zu 11 Stunden um 1 bis 3 Grad niedrigere Maxima beobachtet, als noch am Vortag.

Folgend befand sich das Hoch OLDENBURGIA um 01 Uhr MEZ am 28.08. mit seinem Zentrum über der Mitte Deutschlands, wobei ein leicht erhöhter Luftdruck von etwa 1021 hPa festgestellt wurde. Das Hoch folgte dabei der Bewegung des Höhenkeils, welcher sich zu diesem Zeitpunkt von Deutschland bis zur Nordspitze Skandinaviens ausdehnte. Der Einfluss des Keils war auch im Bodenniveau ersichtlich. In Norwegen, Schweden und Teilen Finnlands klarte es durch den Hochdruckeinfluss verbreitet auf, wodurch die Luft auskühlen konnte. Während an den Küsten aufgrund des warmen Meeres weiterhin Tiefsttemperaturen im zweistelligen Bereich gemeldet wurden, sank die Temperatur im Landesinneren und dabei besonders in Mittel- und Nordschweden sowie im Norden Norwegens und Finnlands oftmals bis in den leichten Frostbereich. Am Tage ließ sich vor allem die im Uhrzeigersinn gerichtete Zirkulation um das Hochdruckgebiet OLDENBURGIA anhand der gemessenen Temperaturwerte in Europa sehr gut nachvollziehen. An der Westflanke der Antizyklone wurden dabei weiterhin warme subtropische Luftmassen von Süden herangeführt, die in vielen Teilen Frankreichs für erneut sehr hohe Temperaturmaxima sorgten. In Avignon konnten dadurch 37,2°C und in Carpentras 37,9°C gemessen werden. Noch wärmer wurde es in Figari im Süden Korsikas, wo der Höchstwert 39,4°C betrug. Auf der Westseite des Hochs OLDENBURGIA wurde hingegen kühlere Subpolarluft nach Süden geleitet. Über Südosteuropa, wo am Vortag verbreitet Temperaturwerte um 35°C und darüber registriert wurden, setzte eine deutliche Abnahme der Höchstwerte ein. Vor allem in Ungarn, der Slowakei und Rumänien lagen die Tagesmaxima um bis zu 7 Grad niedriger, als noch am Vortag. Vereinzelt wurden auch Temperatursenkungen von bis zu 9 Grad beobachtet.

Deutschland verblieb wie tags zuvor im Bereich subpolarer Luftmassen, jedoch stieg die Temperatur durch langanhaltenden Sonnenschein von meist 10 bis 13 Stunden wieder an. Am wärmsten wurde es dabei im Südwesten, Freiburg meldete 29,3°C, Rheinstetten 29,2°C und Mannheim 29,1°C. Ähnlich hohe Sonnenscheindauern konnten im Zuge des Hochs OLDENBURGIA auch in Frankreich sowie in der Mitte und im Süden Englands verzeichnet werden.

Am Folgetag erstreckte sich der Keil in der Höhe von Deutschland über die Ostsee, Finnland bzw. Karelien bis zum Nordpolarmeer. Das Zentrum des Hochs OLDENBURGIA verlagerte sich bis 01 Uhr MEZ dieses Tages bei gleichbleibendem Druck von ca. 1021 hPa nur wenig nach Osten bis über den Südwesten Polens. Der Einfluss des Hochs ließ sich gut anhand der Sonnenscheindauern erkennen. In Frankreich, Deutschland, Polen, dem Mittelmeerraum und dem Südosten Europas konnten verbreitet 9 bis 13 Stunden Sonnenschein registriert werden. Die Zufuhr heißer Luft nach Frankreich und dem Mittelmeerraum hielt weiter an und dehnte sich nun auch verstärkt auf Deutschland aus. Im Bereich subtropischer und tropischer Luftmassen stieg die Temperatur auf Höchstwerte von 36,8°C in Romorantin, 39,4°C in Decimomannu bei Cagliari auf Sardinien sowie 31,6°C in Geilenkirchen, 31,3°C in Rheinstetten und jeweils 31,1°C in Freiburg, Lahr und Mannheim. In Südosteuropa sorgte die einströmende Subpolarluft weiterhin für eine Abnahme in den Tagesmaxima der Temperatur. Während diese Abnahme beispielsweise in Serbien, Ungarn und Teilen Kroatiens lediglich meist 2 bis 3 Grad betrug, sank sie weiter südlich und östlich im Vergleich zum Vortag auch um bis zu 10 Grad herab. Mitunter war die Differenz sogar noch größer. So wurden an diesem Tag an der Station im rumänischen Ramnicu Valcea nur 21,5°C gemessen, am Vortag wurden noch 34,1°C verzeichnet.

In den folgenden beiden Tagen verlagerte sich ein ausgeprägter Trog vom Ostatlantik nach Westeuropa. Gleichzeitig dehnte sich ein Trog vom Nordural über das Schwarze Meer bis zur Ägäis aus. Der mit dem Hoch OLDENBURGIA korrespondierende Keil wurde durch diese beiden Tröge eingegrenzt und reichte vom westlichen Mittelmeer über Polen und das Baltikum bis zum Nordwesten Russlands. Dabei schwächte sich der Keil langsam ab, bevor sich der Hochdruckeinfluss in der Höhe nur noch über dem Südosten Europas nachweisen lies.

Das Zentrum der Antizyklone OLDENBURGIA im Bodenniveau positionierte sich dabei am 30. und 31.08. mit einem Luftdruck von etwa 1023 hPa über dem Osten Weißrusslands bzw. dem Westen Russlands. Mit dem Trog zog auch im Bodenniveau das Tiefdruckgebiet NEPOMUK von der Biskaya aus in Richtung Mitteleuropa. Vor dessen Frontensystem wurde mit der Strömung um das Hochdruckgebiet OLDENBURGIA weiterhin warme Subtropikluft nach Norden transportiert, wobei im Osten und Süden Deutschlands am 30.08. nochmals über 30°C registriert werden konnten, wie z.B. in Magdeburg und München mit je maximal 32,1°C. Auch in Südosteuropa stiegen die Höchstwerte nun wieder an und erreichten vereinzelt wieder über 30°C.

Die Zone der einfließenden warmen Luftmassen verschob sich bis zum 31.08. mit dem nach Osten voranschreitenden Frontensystem des Tiefs NEPOMUK bis über das Baltikum sowie großen Teilen Ost- und Südosteuropas. In den Baltischen Staaten wurden dadurch Tagesmaxima von deutlich über 25°C vermeldet und in Polen, Tschechien, der Slowakei und dem Osten Österreichs konnten Höchstwerte von über 30°C gemessen werden, wie in Breslau mit 32,7°C oder in Andau, südöstlich von Wien nahe der ungarischen Grenze, mit 33,1°C. Weiter südlich hielt die am Vortag begonnene Zunahme der Temperatur an, wobei Werte von 34,3°C im ungarischen Kaposvár, 34,6°C im kroatischen Slavonski Brod und 34,2°C in Belgrad verzeichnet wurden.

Durch die fehlende Unterstützung des Höhenkeils und der voranschreitenden Ostverlagerung der Ausläufer des Wirbels NEPOMUK über Osteuropa, verringerte sich zwar der direkte Einflussbereich des Hochs OLDENBURGIA, jedoch reichte dieser am 01.09. immer noch vom südlichen Uralgebirge über Zentralrussland, Weißrussland und die Ukraine bis zur Karpatenregion. Das Zentrum der Antizyklone befand sich dabei mit einem Druck von rund 1022 hPa ca. 300 km östlich von Moskau. Der Zustrom heißer Luft an der Westflanke des Hochs OLDENBURGIA führte auch an diesem Tag zu Tageshöchstwerten von deutlich über 30°C im Südosten Europas. Die höchsten Werte konnten dabei in Serbien, Ungarn sowie im Süden und Westen Rumäniens beobachtet werden. So wurden in Szeged 34,4°C, in Arad in Rumänien 34,6°C und im serbischen Smederevska Palanka 35,8°C erreicht.

Das Hoch OLDENBURGIA wurde in der Folge bis zum 02.09. durch die umliegenden Tiefdruckgebiete weiter nach Osten bis über den Südural nahe der Stadt Perm gedrängt und schwächte sich dabei auf etwa 1018 hPa ab. Die Ostverlagerung hielt auch im Laufe des Tages an, wodurch das Hoch OLDENBURGIA den Analysebereich der Berliner Wetterkarte verließ und am Folgetag nicht weiter auf jener analysiert werden konnte.

 


Geschrieben am 06.11.2017 von Sebastian Wölk

Berliner Wetterkarte: 28.08.2017

Pate: Bürger der Stadt Oldenburg