Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet ORTRUD
(getauft am 03.04.2017)

Ausgelöst durch einen Warmluftvorstoß über dem mittleren Atlantik begann sich am 03. April in höheren Luftschichten ein Hochdruckkeil vom Seegebiet der Azoren nordwärts auszudehnen. Mit dem Potenzialanstieg in der mittleren Troposphäre kam es auch auf Meeresspiegelniveau zu einem Luftdruckanstieg und damit zur Entstehung eines neuen Hochs. Dieses sollte bald schon seinen Einfluss bis nach Mitteleuropa ausdehnen und wurde folglich noch am selben Tag auf den Namen ORTRUD getauft.

Erstmals analysiert werden konnte Hoch ORTRUD in den frühen Stunden des 04. April mit einem Luftdruck von etwas über 1030 hPa und mit Zentrum über dem Ostatlantik, weniger als 1000 km von der Iberischen Halbinsel sowie den Britischen Inseln entfernt. Der Hochdruckeinfluss griff in den folgenden 48 Stunden nur langsam auf die Britischen Inseln und Frankreich über. Nennenswerte Einflüsse auf das Wettergeschehen ergaben sich zunächst nicht, da ein in höheren Luftschichten ausgeprägtes Tief über Nordwesteuropa noch für viele Wolken und zeitweiligen Regen sorgte. Jedoch wurden durch den Luftdruckanstieg die Niederschlagsaktivitäten vor allem zum 05.04. zunehmend gedämpft, gleichzeitig konnte sich die Sonne über Frankreich und Großbritannien vermehrt durchsetzen. Dabei erreichte die Temperatur in der einfließenden mäßig warmen Meeresluft auf den Britischen Inseln 10 bis 15°C und in Frankreich meist 15 bis 20°C.

Bis zum 06. April zog Hoch ORTRUD mit Zentrum Richtung Irland, wo um 00 Uhr UTC, d.h. 02 Uhr MESZ, ein Druck von knapp über 1035 hPa beobachtet wurde. Gleichzeitig breitete sich der antizyklonale Wettercharakter am Tage bis zur Iberischen Halbinsel und ins westliche Mitteleuropa aus. Doch während es in einem Streifen zwischen England, Westfrankreich und Spanien nahezu ungetrübten Sonnenschein gab, dominierte weiter östlich davon eher dichte Schauerbewölkung. Ursächlich war kühle Meeresluft, die am Rande des Hochs von Norden heranströmte und die Temperaturen vor allem über Ostfrankreich, den Beneluxstaaten und Deutschland teils auf unter 10°C sinken ließ. Beispielsweise wurden in München trotz zeitweiligem Sonnenschein Höchstwerte von lediglich 8°C registriert, dagegen erwärmte sich die Luft am Londoner Flughafen Heathrow bei 12 Stunden Sonne bis auf 18°C.

In der sich anschließenden Nacht klarte es über Frankreich, den Benelux-Ländern bis über den Westen und Süden Deutschlands teils längere Zeit auf, sodass örtlich leichter Frost beobachtet wurde, wie z.B. in Freiburg oder im französischen Reims mit jeweils minimal -1°C.

Im Verlauf des darauf folgenden Tages verlagerte Antizyklone ORTRUD ihren Schwerpunkt von den Britischen Inseln in Richtung Benelux-Staaten. Zwar schwächte sich das Hoch vom Luftdruck her leicht auf unter 1030 hPa ab, am heiteren-sonnigen Wetter über West- und Südwesteuropa änderte sich jedoch nichts. Im Gegenteil, denn im Vergleich zum Vortag konnte sich die Luft weiter erwärmen, über Frankreich im Schnitt um 3 bis 5 Grad. Beispielsweise wurden in Paris nach 15°C am Vortag bis zu 19°C erreicht. Eine allgemein leichte Erwärmung fand auch am Rande des Hochs über Spanien statt, wobei die Höchstwerte in Madrid mit 22°C um knapp 3 Grad angestiegen waren. Dagegen hielten sich über den Benelux-Ländern und Deutschland weiterhin dichte Wolken, bei Höchstwerten von etwa 10°C in Hamburg oder 14°C in Stuttgart.

Nachts bildete sich vor allem in den windschwachen Bereichen in Nähe zum Hochdruckzentrum, welches mittlerweile über Belgien und Nordfrankreich lag, verbreitet Nebel. Folglich kühlte die Luft allgemein weniger stark ab als noch in der vorangegangenen Nacht, so in Paris etwa auf 6°C.

Auch am 08. April dehnte sich der Einfluss der Antizyklone ORTRUD langsam weiter bis nach Italien und über das östliche Mitteleuropa aus. Satellitenbilder dieses Tages zeigen nahezu die gesamte West- und Südhälfte Europas wolkenfrei. Dagegen hielten sich weiterhin dichtere Wolkenfelder über den Benelux-Staaten und Teilen Deutschlands. Aber auch ohne Sonne fand eine allgemeine Erwärmung statt, sodass die Temperaturen etwa im Berliner Raum auf bis zu 15°C oder im Münchener Raum auf 18°C anstiegen. Im Vergleich dazu meldeten Paris und London, bei 12 Sonnenstunden Temperaturen von bis zu 21°C.

In den folgenden Stunden verlagerte sich die Antizyklone zusehends ostwärts und lag mit Zentrum am Morgen des 09.04. bereits über dem östlichen Mitteleuropa. Damit einhergehend waren die dichten Wolkenfelder über den Beneluxstaaten und Deutschland schon in der Nacht ostwärts abgezogen. Gleichzeitig hatte die Strömung hier von Nordwest auf Südost gedreht, sodass warme Subtropikluft die Temperaturen zwischen Holland, Rheinland und Bayern auf Werte zwischen 20 und 25°C ansteigen ließ, z.B. auf jeweils 24°C in Brüssel und Köln. Noch wärmer wurde es weiter westlich über Frankreich mit Temperaturen von verbreitet über 25°C. In der Bretagne wurden für die Jahreszeit ungewöhnlich hohe Temperaturen von beispielsweise 27°C in Rennes gemessen. Aber nicht nur dort, sondern auch über weiten Teilen Englands wurde es mit Temperaturen nahe 25°C nochmals außergewöhnlich warm. Den Spitzenwert meldete der Flughafen Heathrow mit 25,4°C. Zum Vergleich, die durchschnittliche Maximaltemperatur liegt im April in London bei knapp unter 13°C.

Nachts wurde Hoch ORTRUD rasch in Richtung Balkanhalbinsel abgedrängt, während die Britischen Inseln und am darauf folgenden Tag auch der Norden Frankreichs, die Benelux-Staaten, sowie Deutschland in den Einfluss des nachfolgenden Skandinavientiefs MARCEL und seiner Ausläufer gerieten.

Während also der hohe Luftdruck über Westeuropa am 10. April weitgehend abgebaut wurde, herrschte im Osten und Südosten Europas sonnenscheinreiches, warmes Frühlingswetter mit Temperaturen von meist über 20°C. Vom Norden Italiens bis zum Westbalkan konnte sich die Luft auch auf über 25°C erwärmen, wie zum Beispiel in Mailand mit 25,2°C oder in Zagreb mit 25,6°C. Allgemein kühler blieb es trotz viel Sonnenscheins in der Nähe zum Hochdruckzentrum über dem Ostbalkan, mit Höchstwerten von knapp unter 20°C, wie in Bukarest oder Athen, wo jeweils maximal 19°C registriert wurden. Ein in höheren Luftschichten gut ausgeprägtes Tief über dem Schwarzen Meer hatte kühlere Luft herantransportiert, die sich auch durch viel Sonnenschein und steigenden Luftdruck kaum erwärmte.

Im weiteren Verlauf kam es zur ungewöhnlichen Situation, dass sich das Bodenhoch unter das Höhentief schob. Durch diese Konstellation wurde der hohe Luftdruck auf Bodenniveau langsam abgebaut und zugleich der Wettereinfluss der Antizyklone stark gedämpft. Am 11.04. konnte lediglich noch in einem schmalen Streifen zwischen der Ukraine, Rumänien und Bulgarien die Sonne länger scheinen, dabei wurden z.B. in Bukarest bis zu 23°C gemessen.

Währenddessen entfernte sich die Antizyklone über den Kaukasus in Richtung asiatischen Kontinent und verließ damit den Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte.

 


Geschrieben am 03.06.2017 von Gregor Pittke

Berliner Wetterkarte: 07.04.2017

Pate: Ortrud Delcour