Lebensgeschichte

 

 Hochdruckgebiet PETER

(getauft am 01.10.2016)

 

Nachdem im September in Mittel- und Nordeuropa für die Jahreszeit überwiegend zu warme Temperaturen vorherrschten, beendete zum Monatswechsel das erste kräftige Sturmtief WALPURGA die milde Witterungsphase. Hinter der langgestreckten Kaltfront von Tief WALPURGA, die am 01.10.2016 von Russland bis zu den Azoren reichte, strömte maritime Polarluft Richtung Ostatlantik und Europa. Da die maritime Polarluft deutlich schwerer war, begann der Druck von den Britischen Inseln bis zu den Skandinavischen Halbinseln zu steigen. Es war zu diesem Zeitpunkt bereits ersichtlich, dass sich bis zum folgenden Tag ein neues Hochdruckgebiet entwickeln sollte und somit wurde in der Prognosekarte für den 02.10.2016 diese Antizyklone auf den Namen PETER getauft. In der Analyse für 00 Uhr UTC des Folgetages, was 01 Uhr MEZ entspricht, konnte das Hoch PETER bereits mit einem eigenständigen Druckzentrum von etwa 1020 hPa analysiert werden. Im weiteren Tagesverlauf konnte sich in den höheren Luftschichten auch ein zu Hochdruckgebiet PETER korrespondierendes Höhenhoch bilden, wodurch sich das Hoch PETER in den folgenden Stunden weiter verstärkte und um 00 Uhr UTC am 03.10.2016 einen Maximaldruck von über 1025 hPa besaß. Da die Luft innerhalb eines Hochdruckgebietes absinkt, kommt es im Einflussbereich des Hochs zur Wolkenauflösung. Das Hoch PETER hatte sich nach Skandinavien verlagert, wo vielerorts eine klare Nacht verzeichnet wurde. Mit fehlender Wolkendecke konnte ungehindert die Wärmeabstrahlung vom Boden geschehen, infolgedessen die Temperaturen auf Werte um -2°C bis 5°C zurückgingen. So zum Beispiel im schwedischen Alvdalen, wo eine Tiefsttemperatur von -5°C gemessen wurden und im norwegischen Tynset mit -6°C. An der Küste blieb es dagegen deutlich wärmer, wie in Bergen mit minimalen 4,1°C. Tagsüber blieb es sonnig und das Maximum der Temperatur wurde mit 12,6°C in Alvdalen, 12,7°C in Stockholm und in Oslo mit 13,7°C erreicht.

Bis zum Folgetag konnte sich die Antizyklone PETER um 20 hPa innerhalb von 24 Stunden verstärken, was bei einem Hochdruckgebiet einer sehr starken Verstärkung entspricht. Am Vormittag des gleichen Tages wurde an der Wetterstation in Vilhemina, in Lappland gelegen, Schwedens Rekordluftdruck mit einem Wert von 1050,2 hPa für Oktober neu aufgestellt. Die Tiefsttemperaturen lagen am Morgen, abgesehen von den Küsten, überall unter 0°C. In Tynset wurden -8,3°C, in Alvdalen -5°C und in Vilhemina -8,4°C gemessen. Aufgrund der kräftigen Verstärkung von Hoch PETER nahmen auch die Druckgegensätze zum Tief ZOFIA zu, welches sich zu diesem Zeitpunkt mit einem Kerndruck von 1015 hPa über Osteuropa befand. Im Tiefdruckgebiet weht der Wind aufgrund der Corioliskraft gegen den Uhrzeigersinn und im Hochdruckgebiet im Uhrzeigersinn, wodurch sich zwischen den beiden Druckgebilden starker Ostwind einstellte, der das Wasser in die westliche Ostsee drückte. In Folge des länger anhaltenden starken Windes kam es in den nächsten Stunden vor allem an den Ostküsten Mecklenburg Vorpommerns zu einer Sturmflut.

In der Analyse für 00 Uhr UTC des 05.10.2016 erstreckte sich das Hoch PETER mit einem Maximaldruck von ca. 1050 hPa über der skandinavischen Halbinsel. Im norwegischen Roros wurde um 06 Uhr UTC ein maximaler Luftdruckwert von 1052,0 hPa gemessen. Der Einflussbereich erstreckte sich von den Britischen Inseln und Mitteleuropa über Skandinavien bis zur Halbinsel Kola. Hier schien den ganzen Tag verbreitet die Sonne. In London wurden 10 Stunden, in Paris 11 Stunden und in Hamburg 9 Stunden Sonnenschein gemessen. Nur im Norden Skandinaviens machten sich Wolkenfelder eines neuen Tiefausläufers aus Norden bemerkbar. Am Abend und Nachmittag wurde zudem der Höhepunkt der Sturmflut in Mecklenburg Vorpommern erreicht. In Koserow lag der höchste Pegelstand bei 607 cm und war somit 90 cm über Normal. In Stahlrode, am Übergang zwischen Strelasund und Greifswalder Bodden, wurden 614 cm als Maximum registriert, was 100 cm über dem normalen Pegelstand entspricht. Am Greifswald-Wieck waren es 110 cm und in Sassnitz auf Rügen 65 cm über Normal. Der Wind erreichte dabei Geschwindigkeit in Böen von 100,9 km/h um 22 Uhr UTC, am Kap Arkona auf Rügen sowie an der Greifswalder Oie 82,9 km/h um 16 Uhr UTC und am Nordkap von Bornholm sowie in Ustka 91 km/h innerhalb von 6 Stunden bis 00 Uhr UTC des Folgetages.

Am 06.10.2016 schwächte sich das Hochdruckgebiet PETER im Vergleich zum Vortag etwas ab. Im Zentrum wurde einen Luftdruck 1045 hPa analysiert. Im Norden Skandinaviens und über Mitteleuropa verlor das Hoch PETER an Einfluss durch Ausläufer von Tiefdruckgebieten und durch das sich westwärts verlagernde Tief ZOFIA. Von den Britischen Inseln bis Finnland war es, abgesehen von einzelnen Wolken, den ganzen Tag sonnig. Im Londoner St. James Park wurde eine Höchsttemperatur von 16,5°C, in Crosby nördlich von Liverpool 16,6°C, an der norwegischen Südküste in Egersund 18°C, in Stockholm 12,7°C und in Helsinki 10°C registriert.

Vom 07.10.2016 bis zum 10.10.2016 blieb das Hoch PETER mit einem Maximaldruck von ca. 1040 hPa stationär über dem Norden Skandinaviens. Der Einflussbereich beschränkte sich vorwiegend auf dieses Gebiet, wobei sich verbreitet intensiver Hochnebel ausbildete. Aufgrund des bereits geringen Sonnenstandes und der damit geringeren Erwärmung niedriger Luftschichten ist es für diese Jahreszeit üblich, dass es im Bereich von Hochdruckgebieten zu einer Temperaturumkehr mit der Höhe kommt. Das heißt, es befindet sich wärmere Luft über kälterer Luft, dieser Zustand wird auch Inversion genannt. Bei genügend bodennaher Feuchtigkeit bildet sich Hochnebel aus, da sich diese nicht mit absinkenden Luftmassen aus höheren Luftschichten vermischen kann. Unter einer Hochnebeldecke ist der Tagesgang der Temperatur deutlich geringer, da es nachts keine Auskühlung und tagsüber keine ausreichende Erwärmung des Bodens durch die Sonne stattfinden kann. Dies zeigte sich zum Beispiel in Nattavaara, im Norden von Schweden, wo eine Tiefsttemperatur von 2,9°C und eine Höchsttemperatur von 4,7°C gemessen wurde. Dort wo der Hochnebel sich auflöste, so wie in Finnland, stieg die Temperatur auf 8 bis 10°C, nachts dagegen sank sie gebietsweise unter dem Gefrierpunkt.

In der Nacht zum 11.10.2016 sank der Maximaldruck auf 1035 hPa. In den folgenden zwei Tagen blieb das Zentrum von Hoch PETER über Finnland, gleichzeitig dehnte sich der Einflussbereich nach Osteuropa aus. Am 13.10.2016 konnte so bei ganztägigem Sonnenschein in Minsk die Temperatur auf 9°C steigen. Im Norden Skandinaviens, ebenfalls mit ganztägigem Sonnenschein, konnte in Vidsel eine Höchsttemperatur von 10,9°C und in Lulea von 9,4°C gemessen werden. In Helsinki hingegen hielt sich im Gegensatz zu den Tagen davor den ganzen Tag über der Hochnebel, somit wurde es hier nicht wärmer als 3,1°C.

Am 14.10.2016 erstreckte sich das Hochdruckgebiet PETER weiterhin über Skandinavien mit dem höchsten Luftdruck von 1035 hPa über Zentralschweden. Gleichzeitig wurde vergleichsweise niedriger Luftdruck von 1015 hPa über dem Norden Russland analysiert. Dazwischen stellte sich eine nördliche Strömung ein, die maritime Arktikluft in den europäischen Teil Russlands transportierte. Folglich stieg der Druck im Gebiet westlich des Ural-Gebirges an und das Hoch PETER verlagerte bis zur 00 Uhr UTC-Analyse des 16.10.2016 nach St. Petersburg. Dabei verstärkte sich das Hoch PETER wieder und wies im Zentrum einen Luftdruck von ca. 1038 hPa auf. Wie an den Tagen zuvor blieb eine ausgedehnte Hochnebeldecke über Finnland und dem europäischen Teil Russlands bestehen. Gebietsweise stieg die Temperatur kaum über 5°C, wie zum Beispiel in Klin, nördlich von Moskau mit maximalen 4,9°C. Über Osteuropa hingegen machten sich erste Auflockerungen bemerkbar. Hier stieg die Temperatur in Minsk auf 8,1°C oder in Riga auf 7,1°C.

Bis zum Folgetag konnte sich das Hoch PETER auf über 1040 hPa erneut weiter verstärken und wurde über der Grenze von Russland und Weißrussland analysiert. Über den baltischen Staaten und Weißrussland lockerte es aufgrund von absinkender und sehr trockener Luft weiter auf, so dass bis zum Morgen in 2m Höhe die Temperatur unter 0°C zurück ging. Im Norden Weißrusslands, an der Grenze zu Litauen, sank die Temperatur dadurch z. B. in Lyntupy auf -4,7°C. Tagsüber konnte sich dagegen die Sonne durchsetzen, sodass in Minsk zum Beispiel 9,6 Sonnenstunden und maximale 8,1°C registriert werden konnten.

Vom 18.10. bis zum 20.10.2016 veränderte sich die Position von Hoch PETER nur kaum. Das Zentrum lag über Moskau mit einem maximalen Druck von ca. 1035 hPa und der Einflussbereich erstreckte sich von Finnland bis zum Schwarzen Meer. Über fast ganz Westrussland hielt sich im kompletten Zeitraum der Hochnebel, bei einer Höchsttemperatur von 2 bis 3°C und einem Temperaturminimum um 0°C. Über den osteuropäischen Ländern konnte sich hingegen die Sonne durchsetzen, welche meist zwischen 8 und 9 Stunden schien. Die Höchsttemperatur erreichte Werte zwischen 7 bis 9°C und die Tiefsttemperaturen zwischen -2 bis -5°C. In Lyntupy wurde mit -6°C wieder das tiefste Temperaturminimum registriert werden. Am 19.10.2016 kam es auch in der Region um St. Petersburg zur Wolkenauflösung und so wurden in St. Petersburg 5,8 Stunden Sonnenschein und maximale 5,7°C gemessen.

Im Laufe des 21.10.2016 drängte das Tief DANIELLE über Mitteleuropa langsam das Hoch PETER ab. Gleichzeitig bildete sich durch die von Tief DANIELLE herangeführten feuchten Luftmassen neuer Hochnebel im kompletten Einflussbereich aus. Die Temperatur stieg darunter in Moskau auf 2,4°C, in Minsk auf 2,9°C, in Riga auf 4,3°C, in Helsinki auf 4,5°C und in Nattavaara auf 3,2°C.

Ab dem 22.10.2016 konnte sich die Antizyklone PETER aufgrund von zwei Prozessen wieder markant verstärken. Zum einen entwickelte sich ein neues Höhenhoch über der Barentsee in ca. 5,5 km Höhe, welches ab dem Zeitpunkt mit Hoch PETER korrespondierte und für verstärktes Absinken in dessen Bereich sorgte. Zum anderen wurde im Zuge einer Tiefdruckentwicklung über Westsibirien erneut Kaltluft in den europäischen Teil Russlands geführt. Bereits am 23.10.2016 stieg dadurch der Druck im Zentrum, welches sich etwas östlich des Weißen Meeres befand, wieder auf über 1050 hPa.

Am 24. und 25.10 erstreckte sich das Hoch PETER etwas westlich des Uralgebirges, wobei der höchste Druck mit über 1050 hPa etwas östlich von Moskau zu finden war.

Im Laufe des 26.10. 2016 verlagerte sich die Antizyklone PETER unter leichter Abschwächung nach Osten und wurde am Folgetag um Mitternacht mit etwas über 1045 hPa im Zentrum südlich des Uralgebirges analysiert. Bis zum Folgetag verlagerte sich das Hoch PETER nach Tobolsk, östlich des Uralgebirges gelegen, und wies einen Zentrumsdruck von ca. 1042 hPa auf. Im weiteren Verlauf des Tages zog das Hoch PETER weiter nach Osten und aus dem Analysebereich der Berliner Wetterkarte hinaus. Dadurch kam auf der Bodenanalyse des Folgetages nicht mehr vor.

 

 

Geschrieben am 08.11.2016 von Morten Kretschmer

Berliner Wetterkarte: 05.10.2016

Pate: Peter Buschbeck