Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet PIA

(getauft am 10.04.2017)

 

Am 09.04.2017 begann sich über dem östlichen Nordatlantik, etwas westlich der Biskaya, in der mittleren Troposphäre, was einer Höhe von ca. 5,5 km entspricht, ein umfangreicher Höhenwirbel von der Hauptströmung, welche von Neufundland über die Dänemarkstraße bis zu den Britischen Inseln führte, abzuspalten und über den Azoren zu etablieren. Ein sich westlich dieses Wirbels befindlicher Keil, d.h. ein Vorstoß warmer Luftmassen nach Norden, wurden somit in seiner nach Osten gerichteten Verlagerung blockiert. Mit diesem Keil korrespondierte ein umfangreiches Hochdruckgebiet über dem zentralen Nordatlantik. Ein Teil dieses Hochdruckgebiets dehnte sich im Laufe des Tages in Richtung Europa aus und sollte auch Einfluss auf dessen Wettergeschehen nehmen. Aus diesem Grund wurde das Hoch am 10.04. auf den Namen PIA getauft.

Um 01 Uhr MEZ ihres Tauftages befand sich die Antizyklone PIA mit Zentrum rund 1500 km westlich von Irland etwa auf Länge der Inselgruppe der Azoren. Der Druck im Zentrum betrug zu diesem Zeitpunkt ca. 1032 hPa. Das Einflussgebiet des Hochs PIA erstreckte sich dabei nicht nur über den zentralen Nordatlantik, sondern dehnte sich bereits auch auf Irland und die Biskaya aus. Im Bereich eines Hochdruckgebiets kommt es zur großflächigen Absenkung von Luftmassen. Durch diese Bewegung folgt einerseits die Auflösung von Bewölkung, andererseits wird deren Bildung unterdrückt. Das Resultat sind Anstiege in den beobachteten Sonnenstunden, wie sie beispielsweise in Irland verzeichnet wurden. Während dort am Vortag lediglich 0 bis 3 Stunden Sonnenschein registriert wurde, konnten nun zwischen 3 und 7 Stunden gemessen werden. Weitreichender war der Temperatureinfluss des Hochs PIA, welcher durch die Strömung von subpolaren Luftmassen maritimen Ursprungs zwischen der Antizyklone und dem Skandinavientief MARCEL hinter dessen Kaltfront verbreitet für eine Absenkung der Höchstwerte sorgte. In Großbritannien, Nord- und Westfrankreich, den Benelux-Staaten sowie im Norden und Westen Deutschlands wurden dabei um bis zu 10 Grad niedrigere Höchsttemperaturen als noch am Vortag registriert. In Frankreich und im Südosten Englands traten sogar noch größere Temperaturdifferenzen von 12 bis 15 Grad auf. In Deutschland stellte sich zudem durch die Kaltfront des Tiefs MARCEL ein deutlicher Temperaturgradient von Nordwest nach Südost ein. So konnten an diesem Tag in Regensburg 25,9°C gemessen werden, während auf Helgoland lediglich maximal 9,2°C verzeichnet wurden.

Das Hochdruckgebiet PIA dehnte sich bis zum 11.04. weiter über das Festland Europas aus, wobei sich das Zentrum mit einem gleichbleibenden Druck von etwa 1032 hPa ebenfalls nach Osten bis über die Keltische See südlich von Irland verlagerte. Durch die Ausbreitung des Hochdruckeinflusses konnten vom Norden Englands bis zum Alpenraum und vom Süden Frankreichs bis nach Bayern und Baden-Württemberg sowie an den Küsten Deutschlands und Polens erneut 8 bis 12 Sonnenstunden registriert werden. Mit dem Hoch PIA flossen jedoch weiterhin subpolare Luftmassen ein, wodurch einerseits die Temperaturen in Nordwesteuropa auf dem Vortagesniveau verblieben und sich andererseits die Luft mit Abzug der Kaltfront des Tiefs MARCEL auch über Südfrankreich, dem Alpenraum, Ost- und Süddeutschland sowie Polen und Tschechien abkühlte. In Deutschland betrugen die Temperaturänderungen bis zu 10 Grad, verbreitet lag die Höchsttemperatur an diesem Tag zwischen 10 und 14°C. In Polen fiel die Absenkung der Temperatur sogar noch kräftiger aus. In Krzesiny wurden beispielsweise maximal 9,8°C gemessen, wohingegen der Höchstwert tags zuvor noch mit 22,9°C gemeldet wurde.

Bis zum Folgetag bildete sich unter dem Einfluss des Hochs PIA über dem Süden Deutschlands ein weiteres Hochdruckzentrum aus, welches in der Folge als Hoch PIA I bezeichnet wurde. Um 01 Uhr MEZ am 12.04. befand sich das Hoch PIA I knapp westlich von Wien und wies einen zentrumsnahen Druck von rund 1026 hPa auf. Das Hoch PIA II, welches das ursprüngliche Zentrum darstellte, verblieb im Vergleich zum Vortag nahezu stationär südwestlich von Irland mit einem Druck von ca. 1030 hPa. Somit beeinflusste das Hochdrucksystem PIA ein etwa 1500 bis 2000 km breites Gebiet vom zentralen Nordatlantik über Frankreich bis zu den Karpaten. Der Einfluss des Hochs wurde abermals anhand der gemessenen Sonnenstunden ersichtlich, wobei nun auch viele Teile Südosteuropas 10 bis 12 Stunden Sonne verzeichnen konnten. Ähnlich hohe Werte wurden auch über dem Alpenraum beobachtet. In Frankreich und Spanien wurden sogar bis zu 13 Stunden Sonnenschein registriert, was quasi der astronomisch maximal möglichen Dauer für diese Jahreszeit entspricht. In Deutschland konnten lediglich ganz im Süden 10 bis 11 Sonnenstunden gemeldet werden, da es im Rest des Landes durch die zu den Ausläufern des Tiefs NORBERT zugehörigen Wolkenfelder ganztägig bedeckt blieb. Über Frankreich, dem Alpenraum und auch in Teilen Deutschlands begann sich derweil die eingeflossene Luft zu erwärmen bzw. strömten mit der Warmfront von Tief NORBERT an der Nordflanke des Systems PIA wärmere gemäßigte Luftmassen ein. In Frankreich konnten dadurch meist 2 bis 3 Grad mehr als am Vortag verzeichnet werden, in Straßburg waren es mit einem Anstieg von 16,2°C auf 22°C sogar fast 6 Grad. Auch aus Deutschland wurden wieder Höchstwerte über 20°C vermeldet, wie beispielsweise aus Freiburg und Konstanz mit je 20,8°C und aus Lahr mit 21,1°C.

Das Hoch PIA I verlagerte sich bis zum Folgetag weiter nach Südosten bis über den Südwesten Rumäniens. Dabei schwächte es sich auf etwa 1016 hPa ab, sorgte aber dennoch von der Adriaküste der Türkei bis nach Kroatien für verbreitet 9 bis 12 Sonnenstunden. In der Höhe begann derweil die Auflösung des zum Hochdrucksystem PIA korrespondierenden Keils, wodurch sich nun auch das Hoch PIA II südwestlich von Irland abschwächte und nur noch einen Zentrumsdruck von rund 1027 hPa aufwies. Der Hochdruckeinfluss über der Iberischen Halbinsel, Frankreich, dem Alpenraum und Italien blieb jedoch zum großen Teil erhalten. Die Folge waren erneut Sonnenscheindauern von 9 bis 13 Stunden, im Südwesten Deutschlands wurden noch 6 bis 9 Stunden registriert. Die Temperaturen verblieben dabei auf dem Niveau des Vortages.

Bis zum folgenden Nachttermin um 01 Uhr MEZ verlagerte sich das Hoch PIA I bis über das Schwarze Meer und löste sich anschließend im Bereich geringer Luftdruckgegensätze auf. Dadurch besaß das Hoch PIA am 14.04. nur noch ein Zentrum über der westlichen Biskaya mit einem Druck von ca. 1022 hPa. Der Einflussbereich beschränkte sich dabei auf die Südhälfte Frankreichs und die Iberische Halbinsel. In Frankreich wurden unter Zustrom von subtropischer Luft Tageshöchstwerte der Temperatur von 17 bis 20°C verzeichnet, an der Südostküste auch bis zu 26°C. In Spanien konnten sogar Maxima von über 30°C registriert werden, wie in Murcia mit 32,5°C oder in Tortosa mit 31,6°C.

Während sich das Hoch PIA bis zum Folgetag in Lage und Ausdehnung kaum veränderte, flossen an dessen Nordflanke nun erneut gemäßigte Luftmassen ein, die die wärmere Subtropikluft über Südfrankreich verdrängte. Gleichzeitig sorgten dichte Wolkenfelder der heranziehenden Kaltfront eines Randtiefs des Nordmeerwirbels OTTO dafür, dass in weiten Teilen des Landes keine einzige Sonnenstunde gemessen werden konnte. Dadurch sanken auch die Höchsttemperaturen in Zentral-, Süd- und Südostfrankreich ab, wie beispielsweise von 19,7°C auf 13,3°C in Saint-Girons in den Pyrenäen. In Millau, nordwestlich von Montpellier, wurden mit maximal 10,0°C sogar 8,9 Grad weniger als am Vortag registriert.

Über Westeuropa baute sich bis zum 16.04. erneut ein Keil von Marokko bis zur Biskaya auf, welcher das Hoch PIA im Bodenniveau unterstützte. Dadurch verstärkte sich dieses nochmals auf 1029 hPa bei nahezu unveränderter Lage des Zentrums. An den Temperaturniveaus im Westen Europas änderte sich jedoch nur wenig. Im Süden Irlands und Englands führte der sich etwas ausdehnende Hochdruckeinfluss zu leichten Temperaturanstiegen von 2 bis 3 Grad und in Spanien wurden erneut vereinzelt über oder zumindest nahe 30°C erreicht. Als Beispiele dienen hierfür die Stationen Morón de la Frontera mit 29,2°C, Badajoz/Talavera la Real mit 29,5°C, Córdoba/Flughafen mit 30,0°C und Granada/Flughafen mit 30,3°C.

Am 17.04. befand sich das Hoch PIA um 01 Uhr MEZ mit Zentrum etwa 300 km südwestlich von Irland und wies einen Druck von etwa 1027 hPa auf. Im Süden Frankreichs wurden an diesem Tag wieder Sonnenscheindauern von 11 bis 13 Stunden verzeichnet, was einen deutlichen Anstieg darstellte, da tags zuvor dort verbreitet nur 5 bis 8 Sonnenstunden auftraten. Die Luft erwärmte sich unter diesem Einfluss verbreitet auf über 20°C, wie beispielsweise in Agen auf 20,3°C oder in Montauban auf 21,5°C. Weiter südöstlich blieb es jedoch wie auch an den Tagen zuvor noch wärmer mit 25,5°C in Perpignan und 25,7°C in Beziers-Vias. In Spanien hielt die Hitze weiter an, wobei in Sevilla 30,7°C, in Granada 30,8°C und in Córdoba 31,4°C gemessen wurden.

In der Folge verlagerte sich ein ausgeprägter Keil vom Nordatlantik her in Richtung Westeuropa. Das Hoch PIA verstärkte sich unter dessen Einfluss nochmals auf knapp über 1030 hPa, geriet jedoch in den Einflussbereich des ausgeprägten und von Norden heranziehenden Hochs QUERIDA. Dabei wurde die Antizyklone PIA im Laufe des 18.04. in die Zirkulation von Hoch QUERIDA aufgenommen und konnte dadurch am Folgetag nicht weiter auf der Berliner Wetterkarte namentlich verzeichnet werden.

 

 

Geschrieben am 20.06.2017 von Sebastian Wölk

Berliner Wetterkarte: 13.04.2017

Pate: Pia Bott