Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet ROSALIE
(getauft am 24.04.2017)

 

In einer Höhe von 500 hPa, was 5,5 km entspricht, befand sich am 24. April 2017 über dem Nordwesten Europas ein stark ausgeprägter Höhentrog, d.h. ein Vorstoß kalter Luftmassen nach Süden. Auf der Rückseite dieses Höhentrogs stieg der Luftdruck rasch an, so dass sich auf Bodenniveau über Südostgrönland ein neues Hochdruckgebiet entwickelte, das in der Analyse der Berliner Wetterkarte auf den Namen ROSALIE getauft wurde.

In den folgenden 24 Stunden verlagerte sich das Hoch ROSALIE nach Südosten und befand sich am 25. April um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum, in dem der Bodendruck ca. 1035 hPa betrug, etwa 400 km südlich von Island. In einem Hochdruckgebiet findet eine absinkende Luftbewegung statt. Das kräftige Absinken führte im Bodendruckfeld zur weiteren Verstärkung des Hochdruckgebiets ROSALIE, sodass es weiter nach Südosten ziehen und dadurch in den nächsten Tagen das Wetter Europas bestimmen konnte.

Am 26. April lag der Kern der Antizyklone ROSALIE über dem Nordostatlantik auf dem gleichen Breitenkreis wie Wilna, etwa 300 km westlich von den Britischen Inseln. Der Einfluss des Hochdruckgebiets ROSALIE wurde dabei durch die ausgedehnten Frontensysteme der Tiefdruckgebiete SAM und REINER nördlich von Island sowie über der mittleren Ostseeregion und zwei unbenannten Tiefdruckwirbel, einer etwa 700 km westlich von Gibraltar und ein anderer über Ostgrönland, begrenzt. Das Hoch ROSALIE wirkte sich dadurch nur auf das Wetter auf den Britischen Inseln, den Benelux-Staaten und Frankreich aus. Das Absinken von Luftmassen in einem Hochdruckgebiet führt zur Wolkenauflösung. Deshalb meldeten die Stationen Amsterdam Schiphol und Brüssel bei nur leicht bewölktem Himmel Tiefsttemperaturen von -0,2 bzw. 0,3°C. Am Vortag wurden an den oben genannten Stationen noch 3,4 bzw. 4,6°C als Tiefstwerte der Temperatur registriert.

Bis zum Folgetag schwächte sich die Antizyklone ROSALIE leicht ab, sodass im Zentrum nur noch Druckwerte von knapp über 1025 hPa erreicht wurden. Obwohl sich im Laufe des Tages die zonale Ausdehnung des Hochs ROSALIE, also die Ausdehnung von West nach Ost, weiter verstärkte, änderte sich das Einflussgebiet kaum im Vergleich zum Vortag. Über Großbritannien und Frankreich trocknete dadurch die Luftmasse ab, was verbreitet zu Nachtfrost führte. In Sennybridge lag das Minimum der Temperatur bei -5,6°C und an der deutschen Station Faßberg wurde eine Tiefsttemperatur von -4,8°C gemessen.

Das Hochdruckgebiet ROSALIE verlagerte sich zum 28. April weiter südostwärts. Das Zentrum lag nun über dem Ostatlantik und erreichte Druckwerte von bis zu 1030 hPa. Dementsprechend war das Wetter in Ponta Delgada recht freundlich bei nur leichter Bewölkung und Temperaturhöchstwerten von bis zu 23,3°C. Am nördlichen und östlichen Randbereich des Hochdruckgebiets ROSALIE lösten sich durch Tiefdruckeinfluss die Wolken nicht auf. An der Station Dublin blieb es unter den dichten Wolkenfeldern mit maximal 10,6°C recht kühl.

Mit der westlichen Strömung verlagerte sich Hoch ROSALIE zügig weiter nach Osten und lag am 29. April um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum über dem Grenzgebiet zwischen Süddeutschland und Österreich. Das Einflussgebiet reichte von Süddeutschland bis Nordafrika bzw. von der Biskaya bis zur Mitte Ungarns. Der zunehmende Hochdruckeinfluss sorgte vorallem im Süden Deutschlands für freundlicheres Wetter im Vergleich zu den letzten Tagen. Dort wurden verbreitet 8 bis 13 Stunden Sonnenschein gemessen bei Temperaturhöchstwerten von 9 bis 16°C. Die starke nächtliche Abkühlung aufgrund des wolkenfreien Himmels sorgte für einen starken Tagesgang der Temperatur. So sank diese beispielsweise in Milan-Malpensa in der Nacht auf minimale Werte von 1,1°C und erreichte tagsüber Werte von 17,6°C. Andernorts war der Temperaturunterschied jedoch nicht ganz so stark ausgeprägt, so in Budapest mit minimalen 6,1°C und maximalen 11,9°C. Dies entspricht einem Unterschied von 5,8°C zwischen Tagestiefst– und höchstwert.

Im weiteren Verlauf erfolgte durch den sich verstärkenden Einfluss der Tiefdruckgebiete UTZ im Westen und TAREK im Nordosten, eines unbenannten Tiefs über Südspanien sowie des mit seinem Zentrum über dem Ostseeraum liegenden Hochdruckgebiets SONJA II die Abschwächung der Antizyklone ROSALIE. Das Zentrum des Hochs ROSALIE befand sich am letzten Apriltag um 01 Uhr MEZ mit ca. 1015 hPa über Kroatien und sorgte erneut für freundliches Wetter auf dem Balkan und in Italien. In Venedig erwärmte sich die Luft unter wolkenlosem bis leicht bewölktem Himmel bis auf 18°C. Aufgrund der Verstärkung des Hochs SONJA II und der Einflüsse der oben erwähnten Tiefdruckgebiete schwächte sich das Hochdruckgebiet ROSALIE im weiteren Tagesverlauf weiter ab, so dass es nach 7 Tagen Lebensdauer in dem Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte nicht mehr analysiert werden konnte.

 

 

Geschrieben am 15. Juni 2017 von Adrienn Hegedüs

Berliner Wetterkarte: 29.04.2017
Pate: Frau Rosalie Hellmann