Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet SYLVIA

(getauft am 01.10.2017)

 

Anfang Oktober bildete sich an der Ostküste der USA ein schwacher Höhenkeil, also ein Vorstoß warmer Luftmassen nach Norden aus. Korrespondierend dazu stießen die Isobaren, die Linien gleichen Luftdruckes, in Form eines Bodenkeils hinter dem Ex-Tropensturm MARIA bis in den westlichen Nordatlantik vor. Mit den sich dynamisch verlagernden Starkwindbändern, welche unter den Meteorologen auch Polarfrontjetstream genannt werden, gelangen die Luftmassen höheren Luftdruckes über den Nordatlantik Richtung Europa. Daher taufte die Berliner Wetterkarte das über den Oststaaten liegende Hochdruckgebiet am 1. Oktober in der Prognose auf den Namen SYLVIA. Am Tag nach der Taufe befand sich Hoch SYLVIA auch namentlich auf der Berliner Wetterkarte. Um 00 Uhr UTC, also 01 MEZ, wurde das Zentrum der Antizyklone mit einem Bodendruck von ca. 1025 hPa ungefähr 800 km südöstlich der kanadischen Insel Neufundland lokalisiert. Im Laufe des Tages zog Hoch SYLVIA ostwärts über den Nordatlantik hinweg. Noch immer dem Frontensystem des ehemaligen Tropensturms MARIA folgend verlagerte sich das Hochdruckgebiet bis zum Nachttermin am Tag der Deutschen Einheit bis etwa 900 km vor Irlands Südwestküste. Dabei verstärkte sich der Zentrumsdruck auf etwas unter 1030 hPa. Die Auswirkungen auf das Wettergeschehen reichten von Irland und Großbritannien bis nach Nordfrankreich. Bei maritimer Subpolarluft und durch die Nähe von Tiefdruckgebieten nördlich von Schottland konnten sich indes kompakte Wolkenfelder mit wiederholten leichten Regenschauern ausbilden. Jedoch nahmen die Sonnenanteile, je weiter südlich man gelangte, zu. So konnte sich am Flughafen in Belfast die Sonne ganztägig nicht durchsetzen, während im südlicheren Dublin bereits 4 Sonnenstunden und in London dann schon 7 Stunden Sonne verzeichnet wurden. Am nahe am Ärmelkanal befindlichen Marinestützpunkt Yeovilton war der Einfluss von Hoch SYLVIA mit 9 Sonnenstunden am größten. Dort gab es auch die höchsten Temperaturwerte von 16°C. Nur an der Langdon Bay, einer Bucht ca. 2 Meilen östlich der Stadt Dover, konnten knapp 17°C gemessen werden. Weiter nördlich war es 2 bis 5 Grad kühler. Nach Abzug der Kaltfront von Ex-Tropensturm MARIE konnte sich Hoch SYLVIA auch in der Nordhälfte Frankreichs durchsetzen. Mit 7 Stunden Sonne in Paris bis 10 Stunden Sonne in der Bretagne konnten die für diese Jahreszeit höchsten Sonnenanteile vermerkt werden. Nach dem Kaltfrontdurchgang stiegen die Temperaturen in der gleichen Luftmasse, die auch schon in Großbritannien und Irland eintraf, auf maximal 15°C am Ärmelkanal und bis 20°C an der Biskaya. Dagegen wurden im Süden Frankreichs in subtropischer Luft vor dem Durchgang der Kaltfront noch hochsommerliche 29°C in der Stadt Nîmes gemessen. Unter nächtlicher Ausstrahlung, schwachem Wind und durch die von Hoch SYLVIA vom Atlantik herantransportierten feuchten Luftmassen konnte sich im Landesinneren Frankreichs Nebel ausbilden. In Zentralfrankreich sank die Temperatur beispielsweise in Nevers auf 3°C. Im Nebel gab es Tiefstwerte zwischen 7 und 3°C.

Bis zum 00 Uhr UTC Termin des 4. Oktobers zog das Zentrum von Hoch SYLVIA mit einem nahezu gleichbleibenden Luftdruck von ca. 1028 hPa in die Nähe der Vogesen. Die Ausdehnung reichte ostwärts bis Österreich und im Norden bis Südskandinavien. Allerdings sorgten die Luftdruckgegensätze von Hoch SYLVIA über Frankreich und dem Tief WOLFGANG über dem Nordmeer für Ausgleichswinde. Dort, wo die Isobaren enger aneinander liegen, wird der Druckgradient größer und damit auch der Wind stärker. Die Zone reichte von den Britischen Inseln bis nach Deutschland. Mit der Drehung des Hochdruckgebietes im Uhrzeigersinn und des Tiefdruckgebietes gegen den Uhrzeigersinn wurde maritime Subpolarluft nordatlantischen Ursprungs durch die Ausgleichswinde in diese Zone transportiert. Durch die in dieser Luftmasse enthaltene Feuchtigkeit konnten sich dort dichte Wolkenfelder bilden, die in ganz Großbritannien und Irland sowie in der gesamten Nordhälfte Deutschlands keine Sonne zuließen. In Frankreich schien hingegen in Zentrumsnähe von Hoch SYLVIA 8 bis 11 Stunden die Sonne. Dort konnte sich die herangeführte Subpolarluft erwärmen und führte zu Höchstwerten von 17°C in Paris bis 22°C im westlich gelegenen Nantes. Im Süden Deutschlands stiegen bei 3 Sonnenstunden in der Pfalz bis 8 Stunden Sonne in Weihenstephan die Tageshöchstwerte örtlich immerhin noch auf 17°C. Zum nächsten Tag verstärkte sich der Tiefdruckkomplex WOLFGANG in Kombination mit dem Sturmtief XAVIER über England Richtung Süden. So konnten dichte Regenwolken über Nord- und Mitteldeutschland die nächtliche Ausstrahlung verhindern, so dass die Temperaturen nicht unter 11 bis 9°C sanken. Im Süden Bayerns und Baden-Württembergs sowie in Teilen der Schweiz und Österreichs konnte sich die Luft bei teils klarem Himmel schneller auskühlen. So wurden 4°C in Garmisch-Partenkirchen, 5°C am Innsbrucker Flughafen und 7°C in Zürich registriert.

Hoch SYLVIA wurde durch die Ausdehnung der Tiefdruckgebiete nach Südeuropa verdrängt. Um 00 Uhr UTC des 5. Oktobers lag das Hochdruckzentrum mit einem leicht gesunkenen Bodendruck auf ungefähr 1024 hPa über Mazedonien. Der Einfluss reichte in der West-Ost-Ausdehnung von Kroatien bis in die Türkei und in der Nord-Süd-Ausdehnung vom südlichen Ungarn bis nach Kreta. In diesen Gebieten schien die Sonne zwischen 9 Stunden im serbischen Sombor nahe der Grenze zu Ungarn bis 11 Stunden in Athen. Die Luft konnte sich in der nun trockenen subtropischen Luftmasse von 22°C in Ungarn bis 29°C an der türkischen Ägäis erwärmen. In der nachfolgenden Nacht verfehlte die höchste Tiefsttemperatur im Einflussbereich von Hoch SYLVIA mit 17°C auf Kreta eine Tropennacht, welche eine Nacht definiert, die keine Temperaturwerte unter 20°C aufweist.

Bis zum Folgetag waren die Tiefdruckwirbel WOLFGANG und XAVIER weiter nach Südosteuropa gezogen, so dass Hoch SYLVIA unter Abschwächung noch weiter nach Süden verdrängt wurde. Um 00 Uhr UTC des 6. Oktobers lag das Zentrum mit einem gesunkenen Luftdruck auf knapp 1015 hPa über dem Mittelmeer nahe der Küste Spartas. In der weiterhin warmen Luftmasse sorgte die Antizyklone noch einmal für 9 Sonnenstunden und ca. 27°C auf Kefalonia, einer griechischen Insel am Ausgang des Golfs von Patras. Im Laufe des Tages nahm auch in dieser Region mehr und mehr der Tiefdruckeinfluss zu. Infolgedessen löste sich die bereits schon sehr abgeschwächte Hochdruckzelle SYLVIA auf. Somit konnte das Hoch am 6. Oktober das letzte Mal im Analysebereich der Berliner Wetterkarte verzeichnet werden.

 


Geschrieben am: 06.12.2017 von Lisa-Marie Schulze

Berliner Wetterkarte: 04.10.2017

Pate: Sylvia Summer