Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet VERA

(getauft am 26.10.2017)

 

Im Laufe des 26.10.2017 verlagerte sich ein umfangreiches Hochdruckgebiet von der Ostküste Kanadas über den Nordatlantik in Richtung Europa. Unterstützt wurde dieses Hochdruckgebiet dabei von einem Vorstoß warmer Luft nach Norden in einer Höhe von 5,5 km, welcher auch als Keil bezeichnet wird und über dem westlichen Atlantik bis zur Südspitze Grönlands reichte. Mit der Verlagerung begann das Hoch jedoch in der Folge mit einem weiteren Keil über dem Südwesten Europas zu korrespondieren. Da dieses Hoch Einfluss auf das Wettergeschehen Mitteleuropas nehmen sollte, wurde es in der Prognose für den Folgetag auf den Namen VERA getauft.

Um 01 Uhr MEZ am 27.10. befand sich das Zentrum des Hochs VERA mit rund 1034 hPa nordwestlich von Irland. Durch die antreibende Zirkulation in der Höhe befand sich die Antizyklone auf einer südlichen bis südöstlichen Zugbahn in Richtung Biskaya. Mit Lage hinter der sich abspaltenden Kaltfront des Wirbels FLORENZ sorgte das Hoch VERA über den Britischen Inseln durch die großräumig absinkende Luft und der damit verbundenen Wolkenauflösung für einen Anstieg in der beobachteten Sonnenscheindauer. Während am Vortag lediglich maximal 3 bis 7 Stunden in Schottland gemessen wurden, lag die Anzahl der Sonnenstunden am 27.10. vor allem im Osten Irlands, in England und im Süden Schottlands bei 7 bis 9 Stunden. Auch im Norden Frankreichs konnten noch 5 bis 7 Stunden registriert werden. Trotz der angestiegenen Sonnenscheindauer kam es in Großbritannien und Irland nicht zu einer signifikanten Temperaturerhöhung. In der, wie am Vortag, einfließenden subpolaren Luftmasse betrug der absolute Höchstwert 17,6°C in Plymouth.

In den folgenden zwei Tagen verblieb das Zentrum des Hochs VERA mit einer Verstärkung auf knapp über 1035 hPa über der Biskaya, südwestlich des Ärmelkanals. Der Einflussbereich des Hochs erstreckte sich dabei über den Südwesten Europas. Auf der Iberischen Halbinsel sowie im Süden Frankreichs summierte sich der Sonnenschein auf bis zu 10 Stunden. Am 29.10. zog jedoch das Sturmtief HERWART mit seinen Ausläufern von der Nordsee in Richtung Mitteleuropa, wodurch der Hochdruckeinfluss in Frankreich getrübt wurde. Lediglich an der Mittelmeerküste konnten weiterhin 9 bis 10 Sonnenstunden verzeichnet werden. Die Luft um ein Hochdruckgebiet strömt auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn. Durch diese Zirkulation wurde kühle Subpolarluft sowie Luftmassen der gemäßigten Breiten nach Süden transportiert, welche die zuvor vorherrschende warme Subtropikluft verdrängte. Damit ging vor allem über der Pyrenäenregion und der Iberischen Halbinsel eine Abnahme in den gemessenen Höchsttemperaturen einher. So fiel vom 27. bis zum 29.10. das Maximum im portugiesischen Vigo von 29,3°C auf 23,1°C. Im spanischen Albacete konnte sogar eine Abnahme von 7,7 Grad auf nun 20,2°C vermeldet werden.

Nach Abzug des Sturmtiefs HERWART in Richtung Osteuropa konnte das Zentrum des Hochs VERA am Folgetag mit einem leicht abgeschwächten maximalen Luftdruck von rund 1032 hPa über dem Osten Irlands analysiert werden. Der Einfluss der Antizyklone dehnte sich an diesem Tag nach Osten aus und umfasste nun ein Gebiet vom Ostatlantik bis zu den Ostalpen sowie von der Norwegischen See über die Britischen Inseln bis zur Iberischen Halbinsel. In Irland, Schottland und im Norden Englands wurde der Hochdruckeinfluss jedoch durch die Ausläufer eines Tiefdruckkomplexes bei Island getrübt. Weiter südlich konnten in England noch 7 bis 9 Stunden Sonnenschein registriert werden. Auch in Frankreich lagen die Werte in diesem Bereich, während in Spanien und Portugal mit Ausnahme der Pyrenäenregion erneut bis zu 10 Stunden gemessen wurden. In Deutschland verhinderte die herantransportierte, wolkenreiche Meeresluft von Nordrhein-Westfalen bis Bayern hohe Sonnenscheindauern. Im Südwesten sowie im Norden und Nordosten setzte sich der Hochdruckeinfluss jedoch durch und es wurden ebenfalls verbreitet 7 bis 9 Sonnenstunden gemessen. An der Ostflanke des Hochs VERA strömten nun feucht-kalte arktische Luftmassen nach Süden, die zu einer weiteren Abnahme der Temperaturen führten. Diese lag in Deutschland, der Alpenregion, Frankreich, Großbritannien und in Teilen Spaniens zwischen 1 bis 3 Grad. In Münster wurden dadurch nur noch 11,1°C und in Mannheim 11,2°C als Höchsttemperatur verzeichnet.

Das Hoch VERA zog bis zum 31.10. über den Nordwesten Frankreichs und besaß um 01 Uhr MEZ einen zentrumsnahen Druck von ca. 1031 hPa. Der Einflussbereich reichte nun von der Biskaya bis nach Griechenland und die westliche Türkei sowie von Südskandinavien bis nach Spanien und Portugal. Bis auf die Nordhälfte Deutschlands und die Britischen Inseln, wo die Ausläufer eines unbenannten Tiefs südöstlich von Island für dichte Wolkendecken sorgten, konnten im gesamten vom Hochdruckeinfluss abgedeckten Gebiet 7 bis 10 Sonnenstunden registriert werden. Im Laufe des Tages verlagerte sich das Hochdruckzentrum weiter nach Osten. Durch den Drehsinn des Hochs VERA wurden dabei an dessen Westflanke subtropische Luftmassen nach Norden transportiert. In Romorantin in Zentralfrankreich wurden dadurch bis zu 13,9°C, im belgischen Koksijde 13,6°C, im nordschottischen Kinloss 15,7°C und in Rekdal bei Alesund in Norwegen 12,9°C erreicht. In Deutschland erwärmte sich die Luft auf maximal 13,8°C in der Deutschen Bucht.

Im Verlauf des Tages hatte sich ein weiteres Hochdruckzentrum über Südosteuropa ausgebildet. Somit wies das Hochdrucksystem VERA am 01.11. zwei Zentren auf, welche sich um 01 Uhr MEZ dieses Tages mit jeweils ca. 1028 hPa über dem Osten Frankreichs sowie über Serbien befanden. Mit der Positionierung des Hochs VERA stellte sich weitreichender Hochdruckeinfluss über dem gesamten Mittelmeerraum sowie von Frankreich über Süddeutschland und den Alpenraum bis zum Schwarzen Meer ein. In Deutschland dominierten im Norden und Osten erneut dichte Wolken, wodurch nur in Baden-Württemberg, Südhessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz und im Südwesten Nordrhein-Westfalens Sonnenscheindauern von 6 bis 8 Stunden gemessen werden konnten. Sonst wurden im Einflussbereich des Hochs VERA abermals bis zu 10 Stunden Sonnenschein verzeichnet. Verbreitet strömte nun warme Subtropikluft von Südwesten her ein, wodurch nahezu flächendeckend eine Temperaturzunahme beobachtet wurde. Im nordspanischen Santander stieg das Tagesmaximum beispielsweise von 16,8°C tags zuvor auf 25,7°C. In Deutschland lagen die Höchsttemperaturen bei 15,9°C in Wernigerode, 15,8°C in Geisenheim in Hessen und 15,6°C an der Station Schauinsland/Freiburg. Im Bereich des östlichen Hochdruckzentrums wurden außerdem je 15,1°C im ungarischen Kaspovár und im serbischen Loznica registriert.

In dem umfangreichen Bereich hohen Luftdrucks konnten sich im Verlauf immer wieder Hochdruckzentren ausbilden und lösten sich wieder auf. Dabei verschob sich der Bereich des höchsten Druckes weiter nach Süden. Das Zentrum des Hochs VERA wurde daher am 02.11. mit einem deutlich abgeschwächten Druck von rund 1022 hPa über den Norden Tunesiens analysiert. Im Südwesten Frankeichs hielt die Temperaturzunahme weiter an, wobei am Cap Ferret mit einem Maximum von 23,1°C insgesamt 3,7 Grad mehr als am Vortag gemessen wurden.

Am Folgetag befand sich das Hoch VERA mit seinem Zentrum und etwa 1024 hPa südlich von Italien und nördlich von Libyen über dem Mittelmeer. Bis zu den Mittagsstunden verlagerte sich die Antizyklone VERA jedoch nach Süden und verließ den Analysebereich der Berliner Wetterkarte in Richtung Sahararegion, wodurch sie in der Folge nicht mehr namentlich verzeichnet werden konnte.

 


Geschrieben am 12.01.2018 von Sebastian Wölk

Berliner Wetterkarte: 01.11.2017

Pate: Vera Nenno