Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet VESNA

(getauft am 19.05.2017)

 

Ende der zweiten Maidekade dehnte sich ein Ableger des Azorenhochs hinter dem Tief DANKMAR nach Osten bis nach Frankreich und dem Süden Deutschlands aus. Das daraus resultierende Hochdruckgebiet wurde folglich anhand der Prognose für den 20.05.17 auf den Namen VESNA getauft.

Hinter der Kaltfront eines unbenannten Tiefs östlich von Rügen sorgte das Hochdruckgebiet VESNA zwar für trockene, jedoch bewölkte Verhältnisse. Das Zentrum befand sich am 20.05.17 um 02 Uhr MESZ über den Schweizer Alpen und wies dort einen Druck von knapp 1021 hPa auf. Von der deutschen Nordseeküste bis zum französischen Zentralmassiv im Westen erstreckte sich die Zone mit Bewölkung und Nebel, der zusätzlich an manchen Orten auftrat, bis nach Tschechien im Osten. Mit der westlichen Strömung floss maritime Polarluft ein, womit die Tageshöchsttemperaturen nur vereinzelt Werte über 20°C erreichten. Das geschah beispielsweise in Köthen mit 20,9°C oder in Regensburg mit 21,1°C. Sonst wurden meist Höchstwerte zwischen 15,9°C am Flughafen Stuttgart und 19°C in Paris sowie dessen Vororten gemessen. Mit Auflösung der Wolken- und Nebelfelder heiterte es im Tagesverlauf zusehends auf und die Sonnenscheindauer betrug knapp 5,5 Stunden an der Station Neuhaus am Rennweg im Thüringer Wald und ca. 9 Stunden in Düsseldorf. In der Nähe der beiden Hochdruckkomplexe über dem westlichen Mittelmeer und westlich der Iberischen Halbinsel schien die Sonne mit rund 14 Stunden in Marseille deutlich länger.

Das Hoch bei der Iberischen Halbinsel vereinigte sich zum einen wegen der westlichen Höhenströmung und zum anderen aufgrund der Verstärkung der Antizyklone VESNA mit diesem, womit das Einflussgebiet dieses Hochdruckgebiets, dessen Zentrum über dem Ruhrgebiet lag und einen maximalen Druck von 1028 hPa aufwies, am Folgetag auch Dänemark und die Südspitze Schwedens im Nordosten umfasste. In Richtung Südwesten schien vielerorts die Sonne über weiten Teilen Deutschlands, den Benelux-Staaten, Frankreichs und dem Alpenraum. Verbreitet wurden bis zu 14 Sonnenstunden in Clermont-Ferrand oder knapp 15 Stunden in Straßburg registriert. Nur östlich des Zentrums in der Nähe einer Front über dem Osten Polens gab es gebietsweise nur gut 4,5 Stunden in Weiden in der Oberpfalz sowie jeweils 2 Stunden in Karlovy Vary und Fürstenzell. Durch die südwestliche Zufuhr von warmer Luft am Boden stieg die Temperatur auf Werte zwischen 19,4°C in Eisenach, 22°C in Andernach und 23,1°C an der Station Berlin-Kaniswall. Im Süden Frankreichs wurden sogar Höchsttemperaturen von 26,7°C in Nimes oder 27,6°C in Bisacarosse gemessen.

Bis zum 22.05.17 verlagerte sich die Antizyklone VESNA leicht nach Nordosten und befand sich mit ihrem Zentrum über der deutschen Ostseeküste, wo ein Luftdruck von knapp 1025 hPa herrschte. Zwischen einer Okklusion über Skandinavien und dem Baltikum sowie der Mischfront des Tiefs EKKEHARD über dem Westen Irlands sorgte die Antizyklone VESNA gebietsweise für viel Sonnenschein von der Nordsee und dem Süden Skandinaviens im Norden bis nach Frankreich, dem Alpenraum und dem nördlichen Balkan im Süden. Vor allem von den Niederlanden südostwärts bis nach Süddeutschland reduzierten Wolkenfelder den Sonnenscheinanteil. So wurden in Bad Kissingen nur etwas über 4 Sonnenstunden gemessen oder am Frankfurter Flughafen knapp 5,5 Stunden. Ansonsten reichte die Spanne der Sonnenscheindauer von 12 Stunden in Bière zwischen Lausanne und Genf, gut 14 Stunden in Cottbus und bis zu 15,5 Stunden in Ustka an der polnischen Ostseeküste. Dazu stiegen die Temperaturen auf Werte von 20,4°C in Stettin und 25,8°C in Eindhoven. In Richtung Adriaküste wurden sogar bis zu 27,6°C an der Station Treviso-Istrana oder 28,6°C in Split erreicht.

Am 23.05.17 befand sich das Zentrum mit einem Druck von etwa 1020 hPa über den Bayerischen Alpen. Der Einflussbereich des Hochs war gekennzeichnet durch großflächige Absinkbewegung der Luft und der damit verbundenen Wolkenauflösung. Von der polnischen Ostseeküste und der Ukraine im Nordosten erstreckte sich diese Zone in Richtung Südwesten bis zur Côte d'Azur, Italien und Griechenland. Die Sonnenscheindauer variierte dort zwischen 7 Stunden in Kattowitz und jeweils 4 Stunden in Zenica in Bosnien-Herzegowina sowie in Szombathely ganz im Westen von Ungarn. Bei nahezu wolkenlosem Himmel wurden ca. 13 Sonnenstunden in Ljubljana sowie in Odessa oder etwa 14,5 Sonnenstunden in Mikolajki im Norden Polens verzeichnet. Vielerorts wurde die 20°C-Marke überschritten. So beispielsweise an der zuletzt genannten Station mit 20,3°C oder 23,4°C in Aue. Weiter südlich erreichten die Maxima in einer subtropischen Luftmasse Werte von 29°C in Tirana, 30,1°C in Marseille oder 31,6°C in Ferrara.

Im Verlauf zog das Tief EKKEHARD weiter nach Osten und zusätzlich verstärkte sich das nachfolgende Hochdruckgebiet WALRITA. Im Bereich schwacher Luftdruckgegensätze löste sich das Hoch VESNA in der Folge vollständig auf und konnte am 24.05.17 nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 


Geschrieben am 11.08.2017 von Matthias Janke

Berliner Wetterkarte: 23.05.2017

Pate: Vesna Ziegler