Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet WALRITA
(getauft am 22.05.2017)

 

Infolge der Verstärkung eines ausgeprägten Warmluftvorstoßes nach Norden in einer Höhe von 5,5 km, welcher auch als Höhenkeil bezeichnet wird, entwickelte sich im Laufe des 22. Mai 2017 im Bodenniveau über der Biskaya ein neues Hochdruckgebiet, das in der Prognose für den Folgetag auf den Namen WALRITA getauft wurde.

Am 23. Mai um 01 Uhr MEZ befand sich das Hoch WALRITA mit seinem Zentrum, in dem der Bodendruck ca. 1020 hPa betrug, etwa 100 km südwestlich von Nantes. In einem Hochdruckgebiet findet eine absinkende Luftbewegung statt. Das kräftige Absinken führte im Bodendruckfeld zur weiteren Verstärkung des Hochdruckgebiets WALRITA, sodass es nach Nordosten ziehen und dadurch in den nächsten Tagen das Wetter von Europa bestimmen sollte.

In den folgenden 24 Stunden verstärkte sich der Höhenkeil über Südwesteuropa. Dadurch zog die Antizyklone WALRITA mit ihrem Zentrum weiter nordwärts bis zum Übergang vom Ärmelkanal in die Keltische See. Der Einfluss des Hochdruckgebietes WALRITA wurde dabei durch das Frontensystem des Tiefdrucksystems EKKEHARD mit Zentren über dem Skagerrak und östlich von Island sowie durch die Ausläufer eines unbenannten Tiefdruckwirbels über dem mittleren Nordatlantik begrenzt. Das Hoch WALRITA wirkte sich dadurch nicht nur auf das Wetter von Südwesteuropa, sondern auch auf das von Großbritannien und Irland aus. Das Absinken von Luftmassen in einem Hochdruckgebiet führt zur Wolkenauflösung, weshalb durch die ungehinderte Ein- bzw. Ausstrahlung wesentliche Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht entstehen können. In Manchester stieg die Temperatur bis auf 23°C und ging zum Morgen bis auf 10°C zurück. Außerdem gab es in England gebietsweise einen Sommertag, wie in Shawbury mit 25,6°C als Höchsttemperatur. Im meteorologischen Sinne wird ein Tag als Sommertag bezeichnet, wenn die Tageshöchsttemperatur mindestens 25°C erreicht.

Bis zum Folgetag verlagerte sich die Antizyklone WALRITA weiter nach Osten. Obwohl sich im Laufe des Tages die zonale Ausdehnung des Hochs WALRITA verstärkte, änderte sich das Einflussgebiet kaum im Vergleich zu dem gestrigen. Dadurch strömte sehr warme Luft subtropischen Ursprungs von der Iberischen Halbinsel über Westeuropa bis nach Schottland. Dies ermöglichte eine andauernde Hitzewelle, also eine ungewöhnlich lange Phase aufeinander folgender Heißer Tage in Spanien, für welche ein Temperaturmaximum von mindestens 30°C nötig ist. In Granada und Saragossa stiegen die Temperaturen auf 37 sowie 35°C an.

Mit der westlichen Strömung verlagerte sich das Hoch WALRITA weiter nach Osten und lag am 26. Mai um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum über der Nordsee. Das Einflussgebiet reichte von Südnorwegen bis zum Mittelmeer bzw. von Irland bis zur Mitte Ungarns. Unter dem Hochdruckeinfluss war das Wetter in Deutschland recht freundlich und sommerlich. Es wurden verbreitet 13 bis 15 Stunden Sonnenschein gemessen bei Höchstwerten von über 20°C. Am wärmsten wurde es in Ohlsbach am Rhein mit 29,8°C. In der Nähe des östlichen Randes des Hochdruckgebietes WALRITA sank die Temperatur beispielsweise in Wien auf 18°C.

Am 27. Mai befand sich das Zentrum der Antizyklone WALRITA über der Ostsee und erreichte Druckwerte von rund 1020 hPa. Die Lage des Hochs WALRITA änderte sich im Vergleich zum Vortag kaum, sodass Deutschland immer noch im Zentrum der absinkenden Luftmassen lag. In der subtropischen Festlandsluft wurden verbreitet Höchsttemperaturen von bis zu 33°C gemessen. In Stuttgart-Echterdingen wurde bei meist wolkenlosem Himmel 27,7°C erreicht. Nach der Auflösung des Seenebels auf Helgoland stieg die Temperatur vom Vortag um 7 Grad auf 20,3°C.

Im weiteren Verlauf verlagerte sich Hochdruckgebiet WALRITA ostwärts. Es wurde am 28. Mai um 01 Uhr MEZ mit seinem Zentrum über der Slowakei analysiert. Das Einflussgebiet erstreckte sich von Litauen über das Karpatenbecken bis Nordafrika bzw. von Deutschland bis zum Schwarzen Meer. In der Nacht sank dabei die Temperatur in Budapest auf 12,6°C. Im Tagesverlauf erwärmte sie sich jedoch wieder bis auf sommerliche 24,6°C, was einem Unterschied von 12 Grad zwischen Tagestiefst- und Höchstwert entspricht. Diese Werte wurden im wolkenlosen bis leicht bewölkten Florenz mit einer Tiefsttemperatur von 13,2°C und einer Höchsttemperatur von 31,6°C sogar noch übertroffen. In Berlin-Dahlem wurden maximal 31,3°C erreicht, womit dieser der zweite Heiße Tag des Monats war.

Das Hoch WALRITA verlagerte sich bis zum 29. Mai kaum. Dabei schwächte es sich aber deutlich ab und besaß im Zentrum einen Druck von ca. 1020 hPa. Der Hochdruckeinfluss wurde durch die Ausläufer von Wirbel FALK über Nordwestrussland und vom Tiefdruckgebiet GERHARD über der Biskaya auf die südöstlichen Teile Mitteleuropas sowie auf Ost- und Südeuropa begrenzt. Auf der Rückseite der Antizyklone WALRITA kam es in Deutschland verbreitet zu Rekordwerten der Temperatur für Mai. Die Stationen Köln-Bonn und Frankfurt am Main meldeten 34,4°C bzw. 33,2°C als Tageshöchsttemperatur. Das absolute Maximum für das letzte Maidrittel in Frankfurt wurde am 28.5.1892 gemessen und lag bei 34,8°C. Dazu schien die Sonne in Südwestdeutschland verbreitet mehr als 14 Stunden, womit die für diese Jahreszeit astronomisch maximal möglichen Werte erreicht wurden.

Das Hochdruckgebiet WALRITA schwächte sich bis zum Folgetag weiter ab und zog südostwärts. Es beeinflusste nun das Wetter in Italien, im Karpatenbecken und im Balkangebiet. Die Stationen Bukarest und Mailand meldeten am 30. Mai um 07 Uhr MEZ bei leicht bewölktem sowie wolkenlosem Himmel 14 und 17°C als Tiefsttemperatur. In Bukarest gab es an diesem Tag einen Sommertag mit einer Höchsttemperatur von 28°C. In Mailand stieg dagegen die Temperatur bis auf 32°C an, was erneut die Definition eines Heißen Tages erfüllte.

Durch den sich verstärkenden Einfluss des Tiefdruckgebietes GERHARD über Finnland erfolgte die weitere Abschwächung der Antizyklone WALRITA. Das Zentrum des Hochs WALRITA befand sich am letzten Maitag um 01 Uhr MEZ mit ca. 1015 hPa über dem Schwarzen Meer und sorgte für Frühlingswetter in der Türkei. Jedoch brachte die durch Antizyklone WALRITA herantransportierte Warmluft in der Nacht und in den Morgenstunden Gewitter mit sich. So wurden an der Ostküste des Schwarzen Meeres beispielsweise in Stavropol Gewitter gemeldet. Gleichzeitig kühlte sich bei unbedecktem Himmel, wie in Istanbul, die Luft in der Nacht auf 15°C ab.

Das Hoch WALRITA verließ bis zum Folgetag den Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte und konnte deshalb nicht mehr analysiert werden.

 


Geschrieben am 11.07.2017 von Adrienn Hegedüs

Berliner Wetterkarte: 26.05.2017

Pate: Walrita Wurster