Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet WIETE

(getauft am 03.11.2017)

 

Die Geschichte vom Hochdruckgebiet WIETE begann nach Abzug des zuvor in Deutschland wetterwirksamen Tiefs INGOLF, dessen Kern sich am 02.11. von Südskandinavien über die Ostsee zum Baltikum verlagerte. Auf der Rückseite konnte sich das Wetter wieder beruhigen und der Luftdruck erhöhen. Die Druckerhöhung setzte ein, als die Kaltfront des Tiefs INGOLF ganz Deutschland überquert hatte, wobei kältere Luftmassen polaren Ursprungs einflossen. Diese Luftmassen sorgten für eine stabile Schichtung, in dessen Folge sich auch in der Höhe, im 500 hPa-Niveau etwa 5 km über dem Erdboden, ein Hochkeil vom westlichen Mittelmeer über die Alpen bis nach Deutschland ausweiten konnte. Ein Keil beschreibt einen Warmluftvorstoß nach Norden.

Dem Bodenhoch VERA, welches bisher südlich der Alpen verblieb, gliederte sich auf diese Weise ein neues eigenständiges Hochdruckgebiet nördlich der Alpen an, welches am Morgen des 03.11. vom diensthabenden Meteorologen der Berliner Wetterkarte auf den Namen WIETE getauft wurde. Zunächst etablierte sich der noch leichte Hochdruckeinfluss mit einem Maximum von 1018 hPa um 01 Uhr MEZ über dem Südwesten Deutschlands und Osten Frankreichs. Der Druckunterschied zu den umliegenden Gebieten betrug erst wenige Hektopaskal. Im Laufe des Tages entwickelte sich das Hoch WIETE jedoch schnell weiter, wobei es sich mit seinem Zentrum allmählich nach Osten verlagerte. Gegen Mittag befand es sich mit einem maximalen Kerndruck von 1019 hPa bereits über dem Böhmischen Becken. Derweil setzte sich vor allem in Mitteldeutschland die Sonne durch und auch die Temperatur stieg auf für diese Jahreszeit recht milde Werte. So wurden am 03.11. teilweise mehr als 5 Stunden Sonnenschein registriert, in Thüringen auch bis zu 8 Stunden. In Jena kam es dabei zu einem Temperaturanstieg auf 14°C, im südwestlichsten Zipfel Deutschlands, wo es ebenfalls mehr als 7 Stunden Sonnenschein gab, wurde die 18°C-Marke erreicht. Im Norden und Nordwesten Deutschlands blieb es hingegen längere Zeit oder oft auch ganztags trüb, so dass sich die Sonne hier nur ganz vereinzelt zeigen konnte und die Tagestemperaturen um 10°C verharrten.

In der Nacht dann der umgekehrte Fall: dort wo sich Wolkenfelder hielten, blieb es recht mild und dort, wo es aufklarte, sank die Temperatur teilweise bis zum Gefrierpunkt. So gab es am Morgen des 04.11. im Norden Deutschlands Tiefstwerte, die nur wenige Grad unter den Höchstwerten des Vortages lagen. Nach Süden hin kam es dagegen vereinzelt zu leichtem Frost, vor allem in Bayern. Aufgrund der fortwährenden Ostverlagerung befand sich das Hoch WIETE jetzt mit Schwerpunkt über dem Karpatenraum und Ungarn, wobei sich der Kerndruck auf 1022 hPa erhöhte. Da auf der Nordhalbkugel die Luft immer im Uhrzeigersinn um das Zentrum eines Hochs herumgeführt wird, kam es an der Westflanke des Hochs WIETE nun zu einer verstärkten Südanströmung, die milde Luftmassen subtropischen Ursprungs in den Süden Deutschlands lenkten. Dadurch waren am 04.11. vor allem südlich der Donau und ganz im Südwesten nun Tagestemperaturen von oftmals 15°C und mehr möglich, im Raum Freiburg wurden an einer Station sogar frühlingshafte 20°C gemessen. Hier wie auch im Osten Deutschlands gab es noch einmal längeren Sonnenschein von 4 bis 6 Stunden.

Zum 05.11. verlagerte sich das Hoch WIETE weiter ostwärts bis über die Ukraine, korrespondierend mit dem ausgeprägten Höhenkeil im 500 hPa-Niveau. Der Kerndruck am Boden betrug hier am frühen Morgen bereits 1025 hPa, das Hoch verstärkte sich also weiter und hatte jetzt eine Ausdehnung, die etwa vom Balkan bis nach Kasachstan reichte. Auf der Rückseite folgten von Westen her die neuen Tiefdruckgebiete JÜRGEN und KARL, deren Ausläufer nun Deutschland erreichten und zumindest hier dem vorübergehend freundlichen Hochdruckwetter schon wieder ein Ende bereiteten. Die weitgehend wolkenfreie Zone mit sonnigem Wetter, die sich nur an der Westflanke des Hochs WIETE durchsetzen konnte, hatte sich derweil zum Balkan und der Westukraine verlagert.

In den Folgetagen kam es nur noch zu einer geringen Ostverlagerung, aber weiteren Verstärkung. So hatte das Hoch WIETE am frühen Morgen des 06.11. über der mittleren Wolga Südrusslands einen Kerndruck von 1030 hPa erreicht, am 07.11. 1033 hPa. Hier sorgte aber eine Inversion für großflächig trübes Wetter bei überwiegend einstelligen Temperaturwerten, teilweise kam es auch zu geringem Schneefall aus der Hochnebeldecke. Bei einer Inversionswetterlage steigt die Lufttemperatur mit der Höhe an, wodurch es zu einer sehr stabilen Schichtung der Atmosphäre kommt. Dadurch kann sich beispielsweise Hochnebel lang über den Tag halten.

Am 07.11. durchbrach dann das neue Hoch XANDY von Westen her die Frontlinie zwischen den Tiefs JÜRGEN und KARL und nahm Kontakt zum Hoch WIETE auf. Mit der aufgebauten Hochdruckbrücke verschmolzen schließlich beide Hochs, wobei Hoch XANDY bei anhaltender Ostverlagerung die Antizyklone WIETE allmählich aus dem Analysebereich der Berliner Wetterkarte verdrängte. So kam es, dass am Morgen des 08.11. Hoch XANDY das östliche Europa beherrschte und die Antizyklone WIETE nicht mehr im Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte auftauchte.


Geschrieben von Richard Löwenherz

Wetterkarte: 03.11.2017

Pate: Wiete Lenk