Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet WOLFGANG

(getauft am 05.06.2014)

 

Am 04.06. bestimmte ein großräumiger Höhentrog mit zwei Höhentiefs in etwa 5,5 km Höhe die Strömungen über dem Nordatlantik und Westeuropa. Dadurch verlief die Hauptströmung von Neufundland bis zur Iberischen Halbinsel und von dort über die Nordsee und dem Europäischen Nordmeer bis zum Ural. In diese Strömung waren die Bodentiefs DENA mit Zentrum über dem Ärmelkanal und ELA mit dem Zentrum über dem Nordatlantik eingegliedert. Zwischen den beiden Tiefdruckgebieten bildete sich im Laufe des Tages ein Hochdruckgebiet, welches sich ebenso wie die Tiefs nach Osten verlagerte.

Am folgenden Tag wurde das Zentrum des Hochdruckgebietes über dem Golf von Biskaya und den Pyrenäen analysiert und auf den Namen WOLFGANG getauft. Es wies einen Kerndruck von etwa 1018 hPa auf und erstreckte sich über eine vergleichsweise kleine Region, die von den Pyrenäen bis nach Nordfrankreich und die Westalpen reichte. Hiervon profitierte auch die Südhälfte Deutschlands mit verbreitet 8 bis 11 Sonnenstunden und es blieb bis auf ein paar Tropfen aus einzelnen Quellwolken in den Mittelgebirgen trocken. Die Höchsttemperaturen reichten von 18°C im zentralen Bayern bis 22°C am Oberrhein, nur auf den Bergen war es etwas kühler. Aus Frankreich meldeten beispielsweise Lyon 23°C, Bordeaux 25°C und Toulouse 27°C. In der Schweiz wurden an der Messstation in Genf 22°C registriert. In den genannten Orten blieb es durchweg niederschlagsfrei.

Mit der Südverlagerung des kräftigen Höhentiefs über den Nordostatlantik gelangte am 06.06. der Luftbereich von WOLFGANG vom Boden bis zur mittleren Troposphäre in eine Südwestströmung, wodurch subtropische Luftmassen bis nach Südfrankreich und den Alpen geführt wurden. Da sich kein eigenständiges Höhenhoch zwischen den beiden Höhentiefs ausbilden konnte, blieb das Bodenhoch WOLFGANG weiterhin nur ein Zwischenhoch, welches von Tief DENA im Norden und Osten und Tief ELA im Westen umgeben war. Das Zentrum hatte sich bis zum bayerischen Alpenvorland verlagert und der Kerndruck war leicht auf 1020 hPa angestiegen. Mit 12 bis 15 Sonnenstunden konnte sich das Hoch WOLFGANG, mit Ausnahme von Teilen Schleswig-Holsteins, weitgehend in Deutschland durchsetzen. Auch die Tageshöchsttemperaturen stiegen merklich an und erreichten im Norddeutschen Tiefland bis 24°C und am Oberrhein bis knapp 30°C. In Paris gab es ebenfalls einen deutlichen Temperaturanstieg. Hier wurden nach 19°C am Vortag 28°C als Tagesmaximum gemessen. Auch in Genf und Zürich wurde mit je 26°C ein Sommertag registriert, bei dem Tageshöchsttemperaturen von mindestens 25,0°C erreicht werden müssen.

Das Hoch WOLFGANG spaltete sich bis zum 07.06. in zwei Teilhochs auf. Dabei wurde das Teilhoch WOLFGANG I mit einem Kerndruck von etwa 1021 hPa über dem Osten Polens analysiert, das Teilhoch WOLFGANG II mit einem Kerndruck von 1018 hPa über Norditalien. Zusammen genommen beeinflussten die Hochdruckgebiete einen Bereich vom Baltikum bis nach Sizilien sowie von Deutschland bis zu den Karpaten. In den baltischen Hauptstädten Tallinn, Riga und Vilnius wurden 20 bis 22°C als Höchsttemperatur gemessen, in Italien waren es häufig über 28°C, in Bozen und Florenz sogar 34°C. Auch in Deutschland wurden in der von Südwesten eingeflossenen subtropischen Luftmasse mit 27°C im Oderbruch bis 32°C am Oberrhein sommerliche Werte erreicht. Nur an Nord- und Ostseeküste war es mit 17 bis 23°C teils deutlich kühler.

Am folgenden Tag näherten sich beide Teilhochs wieder an. Dabei verlagerte sich das Hoch WOLFGANG I über Litauen hinweg in den Osten Polens. Die Antizyklone WOLFGANG II blieb dagegen fast stationär über den zentralen Alpen. Hierbei gab es insbesondere über Norditalien wieder einen heißen Tag, wo beispielsweise in Turin 32°C, in Mailand 34°C und in Florenz 36°C als Tagesmaxima verzeichnet wurde. Auch in Frankreich brachte die auf der Vorderseite von Tief ELA aus Nordwestafrika eingeflossene subtropische Luft häufig Höchsttemperaturen von 30°C und mehr, z.B. in Lyon mit 33°C und in Marseille mit 34°C. In Deutschland befanden sich die Gebiete mit den höchsten Tagestemperaturen entlang des Oberrheins sowie in Berlin und in Brandenburg. Die Stationen Karlsruhe-Rheinstetten und Öhringen meldeten knapp über und die Stationen Seehausen sowie Doberlug-Kirchhain knapp unter 35°C. Im Übergangsbereich zu feuchterer und kühlerer Luft zogen Schauer und Gewitter am Abend von Niedersachsen bis nach Mecklenburg-Vorpommern und verdrängten in diesem Bereich die heißen Luftmassen der Hochdruckgebiete WOLFGANG I und II nach Osten.

Am 09.06. vereinigten sich die beiden Teilhochs von WOLFGANG wieder, sodass das Hoch WOLFGANG mit dem Zentrum über dem Osten Polens auf der Bodenkarte analysiert wurde. Der Kerndruck betrug etwa 1022 hPa. In Verbindung mit dem weiter von Westen heranziehenden Tief ELA gab es auf der Westseite von Hoch WOLFGANG bei einer tropischen Luftmasse nochmals hohe Temperaturwerte, insbesondere im Raum Freiburg mit bis zu 37°C. Die Tiefstwerte in der Nacht lagen verbreitet bei 21°C bis 17°C. Ähnliche Höchstwerte gab es erneut in Florenz und Bozen mit 35°C bzw. 36°C. Von der Adria bis zum Schwarzen Meer wurden verbreitet Tagesmaxima von 30°C bis 33°C registriert.

Das Hoch WOLFGANG schwächte sich im Laufe des 09.06. durch die von Westen heranziehenden Ausläufer von Tief ELA soweit ab, sodass es am 10.06. nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte erschien.

 


Geschrieben am 06.08.2014 von Matthias Treinzen

Berliner Wetterkarte: 06.06.2014

Pate: Wolfgang Langer