Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet XANDY

(getauft am 07.11.2017)

 

Auf der Nordhemisphäre kommt es durch Mäandrierung des Starkwindbandes in ca. 5,5 km Höhe zur Bildung von mit Kaltluft gefüllten Trögen von Norden und mit warmer Luft gefüllten Keilen von Süden. Infolge des Abspaltens eines Kaltlufttropfens an der Südspitze eines Troges über Mitteleuropa zu Anfang der zweiten Novemberwoche konnte sich relativ warme Luft über Spanien und Frankreich bis nach Deutschland und Polen ziehen. In dieser Luftmasse zog das sogenannte Azorenhoch in das Gebiet und wurde am 07.11.2017 auf der Analysekarte von 00 Uhr UTC, also 01 Uhr MEZ, auf den Namen XANDY getauft.

Hochdruckgebiet XANDY lag zu dem Zeitpunkt mit dem Zentrum, in dem über 1025 hPa gemessen wurden, etwa bei Köln. Begrenzt durch das im Kaltlufttropfen liegende Tief KARL über Italien und den Fronten eines unbenannten Tiefs über Island, konnte Antizyklone XANDY nur eine geringe Nord-Süd-Ausdehnung in etwa von Südschweden bis in die Alpen aufweisen, zog sich aber von der Iberischen Halbinsel bis nach Ostpolen in Ost-West-Richtung. Aufgrund der absinkenden Luftmassen in einem Hochdruckgebiet gab es vor allem zu Beginn des Tages in Deutschland verbreitet wolkenlosen Himmel oder Nebelbildung. So erreichte Düsseldorf 6 Stunden lang die Sonne. Im Nordosten des Landes gab es sogar bis zu 8 Stunden Sonne wie in Rostock-Warnemünde. Stationen, die weiter im Landesinneren lagen, meldeten dagegen verbreitet Nebel, wie Braunschweig oder auch das polnische Kalisz. Verbunden mit dem Fehlen der Wolken ist auch eine große Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht. In Leck gab es eine maximale Temperatur von 9,1°C, die minimale Temperatur betrug am selben Tag noch -0,3°C. Fast 10 Grad Differenz wurden in Bozen in Südtirol erreicht bei Temperaturen von maximal 12,3 bzw. minimalen 2,5°C.

Bis zum nächsten Tag verlagerte sich Hochdruckgebiet XANDY weiter nach Osten und lag am 08.11.2017 um 00 Uhr UTC nahe des Baltikums. Es hatte sich auf über 1030 hPa verstärkt und beeinflusste das Wetter in Südfinnland, dem Baltikum, Weißrussland, der Ukraine und Mittelrussland, bis aus dem Analysegebiet der Berliner Wetterkarte. Durch die Kaltfront des Tiefs JÜRGEN an der Küste zur Barentssee, die einmal quer durch das Hoch XANDY verlief, wurde die Wirkung abgeschwächt. Dennoch traten die tags zuvor erwähnten Temperaturdifferenzen auf, wie im estnischen Sorve, welches eine Differenz von etwa 5 Grad erreicht hatte oder die Station Riga Lu, die bei teils bewölktem, teils klarem Himmel auf Maximal- bzw. Minimalwerte von 6,9 bzw. 1,4°C kam. In Minsk blieb es beispielsweise den ganzen Tag mild bei bis zu 7°C. Insgesamt blieb das Gebiet weitgehend bedeckt bis neblig mit nur gelegentlichen Auflockerungen. Aber Niederschlag fiel nur mit weiterer Nähe zu den Tiefdruckgebieten.

Am 09.11. befand sich das Zentrum von Hoch XANDY etwas weiter östlich, in dem weiterhin ein Druck von über 1030 hPa herrschte, südlich von Moskau. Das Einflussgebiet, welches diesmal nicht von einer Front unterbrochen wurde, zog sich vom Schwarzen Meer bis knapp vor Archangelsk und in etwa von Warschau bis weit nach Russland hinein. In diesem Gebiet gab es flächendeckend Tiefsttemperaturen unter dem Gefrierpunkt von -4°C in Saransk bis zu -1°C in Wologda. Dabei blieb es unter Hochdruckgebiet XANDY trocken, aber vor allem in den westlichen Teilen Russlands am Rand der Antizyklone neblig. Es war zudem ein schöner Temperaturgradient vom Zentrum aus in Richtung umgebenden Tiefs erkennbar. Während Novodevic‘E südlich von Moskau eine Tagestiefsttemperatur von -6,7°C meldete, betrug diese im weiter westlich liegenden Elan -1,8°C, weiter westlich in Kazanskaja positive 0,2°C und das ukrainische Izium meldete 2,6°C.

Infolge des weiteren Vorankommens des Hochs nach Osten konnte die Karte nicht mehr das gesamte Einflussgebiet von Antizyklone XANDY erfassen.  Im Westen reichte es aber am 10.11. noch bis in die Westukraine und in Nord-Süd-Ausdehnung von Perm bis über das Kaspische Meer. Mit einem unveränderten Druck im Zentrum, welches sich westlich von Saratow befand, brachte Hochdruckgebiet XANDY ähnliches Wetter wie tags zuvor. So konnte man erneut den Temperaturgradienten erkennen, der sich mit der Antizyklone gen Osten verlagert hatte. Etwas nördlich von Saratow in Nolinsk gab es minimale -3,5°C, im westlicher gelegenen Arzamas -1,6°C, in Uzlovaja 1,1°C und das an der ukrainischen Grenze liegende Gotnja meldete Tagestiefsttemperaturen von +3,3°C. Zu Beginn und Ende des Tages wurde zudem verbreitet Nebel gemeldet, aus dem an manchen einzelnen Stationen Sprühregen fiel. So geschehen in Bogucar, am Rande des Einflussgebietes, wo es sogar ganztägig zu Sprühregen in einer nicht messbaren Menge kam.

Fast unverändert lag Antizyklone XANDY am 11.11. am westlichen Rand der Analysekarte von 00 Uhr UTC. Begrenzt durch eine Front im Nordosten und zweier Tiefdruckgebiete im Westen, verkleinerte sich das Einflussgebiet zunehmend. So reichte es im Osten lediglich bis Moskau, im Norden bis nach Tobolsk und im Süden bis an den Nordostrand des Schwarzen Meeres. Die im Nordosten des Gebietes befindliche Front, entlang derer es regnete oder schneite, schränkte die Wirksamkeit von Hoch XANDY ein. Dennoch lagen die Temperaturen vor allem im Zentrum ganztägig unter dem Gefrierpunkt. In Ekaterinburg lagen die Temperaturen zwischen 0 und -5,6°C. Etwas weiter östlich in Tjumen waren es sogar -1,4°C und -11,2°C. Die Tage zuvor waren an dieser Station ähnliche Differenzen zwischen Tagestiefst- und Höchsttemperatur aufgetreten. Durch die Drehung im Uhrzeigersinn werden aus dem Norden kalte Luftmassen in Richtung Westen und relativ warme Luftmassen aus dem Süden in Richtung Osten geführt. So kam es zu einer großen Differenz zwischen den Temperaturen. Während maximale -0,7°C in Jalturovosk südlich des Urals erfasst wurden, waren es milde 7,1°C in Kotelnikovo nahe des Schwarzen Meeres.

Mit der weiteren Zugbahn in Richtung Osten konnte Hoch XANDY bereits am nächsten Tag nicht mehr im Bereich der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 

Geschrieben am 26.02.18 von Stephanie Meier

empfohlene BWK: 07.11.17

Pate: René Studer