Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet XENIA

(getauft am 29.05.2017)

 

Am 29.05.2017 wurde in der Prognose für den Folgetag die Entstehung eines Hochdruckgebiets über der Biskaya ersichtlich und aufgrund ihres vorhergesagten Einflusses auf Mitteleuropa auf den Namen XENIA getauft.

Diese Antizyklone XENIA entwickelte sich dabei am 30.05. im Bereich absinkender Luftmassen und dadurch ansteigendem Luftdruck am Boden hinter der Kaltfront des Tiefs GERHARD, welche vom Tiefdruckkern über der Nordsee über Belgien und Frankreich bis nach Zentralspanien führte. So konnte sich im Laufe des Tages ein Hochdruckzentrum mit einem Druck von etwa 1020 hPa ausbilden. Der Einflussbereich des Hochs XENIA blieb jedoch nicht nur durch die Kaltfront über Frankreich, sondern auch durch Ausläufer eines Systems bei Island nach Westen eingeschränkt. Dennoch sorgte der Einfluss absinkender Luft über West- und Südwestfrankreich bereits zur Wolkenauflösung und es konnten 14 Stunden Sonnenschein in La Rochelle, 11 Stunden am Cap Ferret und 10 Stunden in Biscarosse registriert werden. Auch die Tageshöchsttemperaturen stiegen in der vorherrschenden erwärmten Subpolarluft maritimen Ursprungs im Vergleich zum Vortag um wenige Grad an. In Brest wurden maximal 19,7°C gemessen, am Cap Ferret waren es 22,8°C und in Bordeaux 24,4°C.

Bis zum 31.05. um 01 Uhr MEZ verlagerte sich das Hoch XENIA mit einem Druck von weiterhin ca. 1020 hPa bis über den Raum Dublin. Der Hochdruckeinfluss blieb auch an diesem Tag durch die umliegenden Fronten getrübt. Dennoch führte das Hoch XENIA vermehrt zu einem Anstieg in den Sonnenstunden und der Temperatur. In Frankreich konnten nun auch im Norden und im Zentrum Sonnenscheindauern von bis zu 14 Stunden in Trappes oder 12 Stunden in Paris verzeichnet werden. Im Westen und Südwesten des Landes wurden dadurch erneut Temperaturen über 25°C registriert, während diese im Norden, Nordwesten und im Zentrum meist im Bereich zwischen 19 und 24°C lagen. Auch in Großbritannien und in Irland schien die Sonne länger. Im nordenglischen Leconfield wurden dabei über 15 Sonnenstunden vermeldet. Auch in den schottischen Orten Charterhall und Boulmer wurden über 15 Stunden Sonnenschein gemessen. Die Tagesmaxima der Temperatur erhöhten sich derweil im Vergleich zum Vortag vor allem in Schottland und Irland mitunter deutlich um bis zu 5 Grad. Verbreitet wurden dabei 18 bis 23°C erreicht, mit den höchsten Werten im Raum London.

Die Antizyklone XENIA zog bis zum 01.06. mit ihrem Zentrum über die Nordseeküsten Deutschlands und der Niederlande und wies um 01 Uhr MEZ einen Druck von rund 1023 hPa auf. Der Einfluss des Hochs XENIA dehnte sich durch die Verlagerung nun auch über Deutschland aus. Am Vortag konnten zwar hier bereits Sonnenscheindauern von verbreitet 8 bis 12 Stunden registriert werden, jedoch erhöhten sich diese nochmals auf 12 bis über 15 Stunden. An den Küsten sorgte dies für Tageshöchsttemperaturen von meist 16 bis 19°C, während in den übrigen Landesteilen 22 bis 28°C gemessen wurden. Am wärmsten wurde es an diesem Tag in Trier-Petrisberg mit maximal 28,7°C und in Regensburg mit 28,8°C. In Frankreich und den Beneluxstaaten konnte ebenfalls ein weiterer Temperaturanstieg beobachtet werden, welcher durch die Zirkulationen des Hochs XENIA und des Tiefs HEINRICH südlich von Island und dem damit verbundenen Transport warmer Subtropikluft entstand. Dadurch wurden in Arcen bei Venlo 26,4°C, in Luxemburg 26,7°C, im belgischen Chievres 27,0°C, in Nantes 29,2°C und in Carpentras im Südosten Frankreichs 29,9°C verzeichnet.

Auch am Folgetag, dem 02.06., setzte sich das sonnenscheinreiche Wetter über Zentraleuropa und Frankreich aufgrund des Hochs XENIA fort. Dieses befand sich um 01 Uhr MEZ mit einem zentrumsnahen Druck von etwa 1021 hPa über dem Osten Deutschlands. Sonnenscheindauern von erneut 12 bis 15 Stunden wurden lediglich im Bereich eines kleinen Tiefs über dem Norden Frankreichs und entlang dessen Ausläufer über dem Südwesten und äußersten Süden Deutschlands nicht erreicht. Auch die Zufuhr warmer Luftmassen hielt an und dehnte sich nun auch über Südpolen und Tschechien aus. Dadurch stiegen dort die Temperaturen über die für einen Sommertag benötigte 25°C-Grenze, wie beispielsweise im polnischen Opole mit 25,7°C oder im tschechischen Kucharovice mit 28,5°C. In Deutschland konnte vor allem im Norden ein deutlicher Anstieg der Temperaturhöchstwerte beobachtet werden. Dort registrierte man nun Maxima im Bereich von 20 bis 24°C. Im Landesinneren vermeldeten die Stationen derweil Werte von 25 bis 30°C, mit dem höchsten Wert von 30,2°C erneut aus Regensburg, was einem heißen Tag entspricht, für welchen laut der meteorologischen Definition die Temperatur mindestens 30°C betragen muss. Die über Deutschland liegende Front führte am Nachmittag jedoch vereinzelt zu Schauern, die innerhalb von 6 Stunden im Wetterpark in Offenbach 22 l/m² und auf dem Kahlen Asten 27 l/m² mit sich brachten. Auch in Frankreich konnten im Tagesverlauf Heiße Tage verzeichnet werden. So wurden aus Grenoble 30,0°C und aus Carpentras sowie aus Troyes jeweils 30,2°C gemeldet. Weiterhin erhöhten sich die Temperaturen auch in den Beneluxstaaten und in der Alpenregion. Folglich konnten Tageshöchstwerte von beispielsweise 29,2°C am belgischen Militärflughafen Kleine Brogel, 29,3°C in Tulln an der Donau in Niederösterreich, 29,5°C in Arcen und 29,7°C im schweizerischen Sion gemessen werden.

Das Hoch XENIA schwächte sich in der Folge zusehends ab und löste sich schließlich im Bereich schwacher Luftdruckgegensätze über Zentraleuropa auf, wodurch es am 03.06. nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden konnte. Daran anschließend griffen die Ausläufer des Tiefdrucksystems HEINRICH auf West- und Mitteleuropa über, was mit einer kühleren sowie von Schauern und Gewittern geprägten Witterung einherging.

 


Geschrieben am 26.07.2017 von Sebastian Wölk

Berliner Wetterkarte: 02.06.2017

Pate: Sonja Vandyke