Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet YANNIKA
(getauft am 03.06.2017)

Anfang Juni zeigte sich über dem Nordatlantik die klassische Luftdruckverteilung mit einem Tief über Island und einem Hoch über den Azoren, was gleichbedeutend mit recht wechselhaftem Wetter über West- und Mitteleuropa war. Das Islandtief war bis in höheren Luftschichten kräftig ausgeprägt, ebenso die dazugehörige, sich über den Ostatlantik spannende Kaltfront. Hinter der Kaltfront, die am 03. Juni Westeuropa langsam ostwärts überquerte, kam es zu einem Druckanstieg über dem Golf von Biskaya. Dies bildete den Ausgangspunkt für die Entstehung einer neuen Antizyklone, welche in den folgenden Tagen das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen sollte. Diese wurde noch am selben Tag auf den Namen YANNIKA getauft.

Genau genommen konnte das Hoch bereits am Morgen des 03. Juni als schwaches Randhoch bzw. Ableger des Azorenhochs analysiert werden. Das zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossene Hoch wurde mit einem Luftdruck von knapp über 1020 hPa nordwestlich der Iberischen Halbinsel analysiert. Dabei hatte die Antizyklone YANNIKA an diesem Tage noch keinen nennenswerten Einfluss auf das Wetter über dem europäischen Festland und verblieb ohne nennenswerte Druckänderung quasistationär über der Biskaya.

Erst im Laufe des 04. Juni dehnte sich der Hochdruckeinfluss über Frankreich bis nach Mitteleuropa aus. Der Luftdruckanstieg sorgte vor allem über der Nordhälfte Frankreichs für viel Sonnenschein, positive Auswirkungen waren auch bis nach Großbritannien, den Benelux-Staaten und später auch Deutschland zu spüren. Dabei stiegen die Temperaturen in der zuvor eingeflossenen kühleren Meeresluft auf Werte von lediglich um 20°C, wie z.B. in Paris mit 21°C. Noch etwas kühler blieb es über Großbritannien mit durchschnittlich 17 bis 19°C, Liverpool meldete beispielsweise 18°C.

In der sich anschließenden Nacht klarte es zwischen Loire, Rhein, Elbe und Weichsel zeit- und gebietsweise auf und die Luft kühlte sich auf Werte um oder knapp unter 10°C ab. In geschützten Lagen wurden teils noch niedrigere Minima gemessen, wobei die kälteste Region das Gebiet Münsterland-Emsland-Gelderland mit unter 6°C war. Dort wurde sogar vereinzelt leichter Bodenfrost festgestellt, wie in Enschede mit -1°C.

Unterdessen hatte sich Hoch YANNIKA zum Morgen des 05. Juni keilförmig bis nach Mitteleuropa ausgedehnt, wobei dem Hoch mit einem Luftdruck von knapp über 1015 hPa nach wie vor ein klares Zentrum fehlte. Feinere Analysen zeigen einen lokalen Schwerpunkt über Österreich, dort wurden z.B. in Kufstein um 00 Uhr UTC, d.h. 02 Uhr MESZ, exakt 1018,0 hPa gemessen. In den folgenden Stunden löste sich die Verbindung zum Azorenhoch, sodass eine eigenständige Antizyklone entstand, die mit der Höhenströmung weiter ostwärts Richtung Baltikum und Weißrussland transportiert wurde. Hieraus ergab sich allgemein heiter-sonniges Wetter zwischen Frankreich, Deutschland und Polen, was jedoch gebietsweise durch hohe und mittelhohe Bewölkung getrübt wurde. Die Wolkenfelder entstanden aufgrund von Warmluftzufuhr aus dem Mittelmeerraum, welche durch Annäherung des kräftigen Atlantiktiefs INGRABAN an die Britischen Inseln zustande kam. Nichtsdestotrotz konnte sich die Luft je nach Sonnenschein allmählich weiter erwärmen, meist auf Werte zwischen 20 und 25°C. Beispielsweise wurden in Köln 24°C, in Paris und Berlin maximal je 23°C und in Warschau bzw. Prag 22°C registriert.

Nachts zogen von Nordwesteuropa weitere Wolkenfelder über Frankreich, die Benelux-Staaten bis in den Westen Deutschlands auf. Folglich kühlte es weniger stark aus, als in der Nacht zuvor, meist auf Tiefstwerte von 12 bis 14°C. Überall dort, wo sich noch längere Zeit die Sterne zeigten, lagen die Minima bei unter 10°C, so wie beispielsweise in Freiburg im Breisgau mit 9°C oder im französischen Dijon mit 10°C.

In den Frühstunden des 06. Juni reichte der Einfluss der Antizyklone YANNIKA vom Zentrum über Weißrussland aus noch bis nach Deutschland, ins Baltikum und Südskandinavien, wogegen die Benelux-Länder und Frankreich bereits im Einflussgebiet des Tiefdruckwirbels INGRABAN lagen. Während sich Hoch YANNIKA in den folgenden Stunden ohne nennenswerte Verstärkung oder Abschwächung Richtung Westrussland verlagerte, griffen die Ausläufer des Tiefs INGRABAN rasch auf das östliche Mitteleuropa über. Trotz alledem ergab sich zumindest noch phasenweise freundliches Wetter zwischen Dänemark, Ostdeutschland bis nach Tschechien und Teilen Polens. Dabei wurden z.B. in Hamburg bei 10 Stunden Sonnenschein maximal 24°C gemessen, ebensoviel wie in Prag bei 6 Sonnenstunden. In Danzig stieg die Temperatur bei 9 Stunden Sonne auf 21°C. Ähnliche Höchsttemperaturen wurden auch im Bereich des wolkenarmen Hochzentrums über dem Gebiet Weißrussland-Baltikum-Westrussland registriert.

Am 07. Juni um 00 Uhr UTC befand sich das Zentrum des Hochs YANNIKA mit etwas über 1015 hPa bereits über dem Moskauer Raum, wobei in Wjasma östlich von Moskau sogar noch 1020,0 hPa gemessen wurden. Folglich hatte sich der Einflussbereich des Hochs YANNIKA weiter nach Osteuropa zurückgezogen und reichte am Tage etwa von der Ostukraine über Westrussland und Finnland bis zur Kola-Halbinsel. In diesen Gebieten stiegen die Temperaturen bei einem freundlichen Sonne-Wolken-Mix auf Werte zwischen 20 und 25°C. Zum Beispiel wurden in Moskau 22°C und in St. Petersburg 23°C gemessen. Gut 5 Grad wärmer als noch am Vortag wurde es über Finnland, wobei selbst in Rovaniemi am Polarkreis noch Maxima bis 23°C auftraten.

Bis zum Tagesende schwächte sich das Hoch allmählich ab, vor allem in Bezug auf seine räumliche Ausdehnung. So konnte Hoch YANNIKA am frühen Morgen des 08. Juni letztmalig im Ausschnitt der Berliner Wetterkarte analysiert werden. Das Zentrum befand sich zu diesem Zeitpunkt mit einem Luftdruck von etwas über 1015 hPa nach wie vor über Zentralrussland. In den folgenden Stunden verlagerte sich die Antizyklone unter merklicher Abschwächung in Richtung Kasachstan, wo es sich schließlich auflöste.

 


Geschrieben am 08.08.2017 von Gregor Pittke

Berliner Wetterkarte: 05.06.2017

Pate: Annika Klautke