Lebensgeschichte

 

Hochdruckgebiet YAPRAK  

(getauft am 11.11.2017) 

 

Am 10. November dominierten zwei Druckgebilde das Wettergeschehen. Nahe den Azoren befand sich ein Hochdruckgebiet mit einem Druck von über 1040 hPa. Als „Gegenspieler“ fungierte Tiefdruckgebiet LEMMY zwischen Island und Norwegen mit einem Kerndruck von ca. 963 hPa. Als Druckausgleich stellte sich über West- und Mitteleuropa eine kräftige westliche bis nordwestliche Höhenströmung ein. In dieser zogen immer wieder kleinräumige, aber insgesamt schwächer ausgeprägte Tiefdruckgebiete vorüber. So zog das Tief MICHEAL über den Britischen Inseln in Richtung Südschweden. Auf einer nahezu identischen Zugbahn verlagerten sich in der Folge Ex-Tropensturm RINA und Tief NUMA. Am 11. November um 01 Uhr MEZ befand sich der Wirbel Ex-RINA über Irland und Tief NUMA ca. 1000 km südlich von Grönland. Zwischen Tief NUMA und einem weiteren Tief vor Neufundland baute sich ein sogenannter Höhenrücken auf. Im Unterschied zu einem Hochdruckgebiet sind Höhenrücken nicht vollständig abgeschlossen, das heißt nicht komplett von tieferem Luftdruck umgeben. Sie haben die Form eines Wellenberges, besitzen also keine eigene Zirkulation. Gestützt von einem weiteren Hochdruckgebiet über Grönland konnte sich so eine Hochdruckbrücke ausbilden, welche in der Prognose auf den Namen YAPRAK getauft werden konnte. In einem Gebiet hohen Druckes herrschen absinkende Luftmassen und am Boden somit ausströmende Luftbewegungen vor, welche für freundliches Wetter oder zumindest für eine Wetterbesserung sorgten, weil dadurch Wolken- und Niederschlagsbildung unterdrückt werden.

Am 12. November um 01 Uhr MEZ positionierte sich das Hoch YAPRAK ca. 800 km südlich von Island mit einem Druck im Zentrum von ca. 1027 hPa. Die Antizyklone verband sich mit dem Azorenhoch, sodass mit dem Hoch über Grönland eine umfangreiche Hochdruckbrücke mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von über 3000 km entstehen konnte. Im Tagesverlauf verlagerte sich Hoch YAPRAK nach Südosten und verstärkte sich dabei. Der Einflussbereich reichte somit von Großbritannien bis Nordwestfrankreich. Mit der Blockierung des Atlantiks und gestützt durch die Tiefs MICHAEL und LEMMY über Skandinavien drehte die Strömung auf Nord. Aufgrund der großen Luftdruckunterschiede stellte sich als Ausgleich ein kräftiger Wind ein.

Mit steigendem Hochdruck nahmen in den oben genannten Gebieten die Sonnenanteile von Westen her zu. Verbreitet konnten 5 bis 8 Sonnenstunden gemessen werden, nach Südosten sowie in Schottland fielen mit 2 bis 4 Stunden die Sonnenanteile geringer aus. Auch in der Nordwesthälfte von Frankreich setzte sich die Sonne 1 bis 4, in der Bretagne bis zu 5 Stunden durch. In der eingeflossenen maritimen Polarluft, in Schottland sogar maritime Arktikluft, konnten sich immer wieder Schauer ausbilden, welche teils als Graupel oder nassem Schnee niedergingen. Die Höchstwerte stiegen in Schottland auf 3 bis 6°C, sonst auf 6 bis 11°C, in der Bretagne bis 14°C. So vermeldete das schottische Loch Glascarnoch 3,3°C, London-Heathrow 8,7°C und Quessant in der Bretagne 13,0°C. Die 24-stündigen Regenmengen beliefen sich gebietsweise auf 1 bis 8 mm mit den höchsten Mengen in Schottland. Im Landesinneren blieb es dagegen größtenteils trocken. Grund dafür ist das umgebene Meer. Wenn kalte Luftmassen über den warmen Atlantik ziehen, kann sich die Luft stark labilisieren und somit trotz steigendem Luftdrucks kräftige Schauer auslösen. Im Landesinneren lösten sich die Schauer mangels fehlender Feuchtigkeit und somit fehlender Labilität wieder auf. Verbreitet traten in Verbindung mit den Schauern Windböen von 50 bis 90 km/h, in den schottischen Highlands bis 100 km/h auf. Auch in der Bretagne konnten wie in Quessant mit Böen bis 87 km/h Windstärke 9, vereinzelt 10 erreicht werden.

Am 13. November um 01 Uhr MEZ wurde Hoch YAPRAK mit einer eigenständigen Zirkulation und einem Druck von ca. 1032 hPa über Südwestirland analysiert. Im Laufe des Tages verlagerte sich das Zentrum über die Bretagne. Das Einflussgebiet reichte von Frankreich und die Westschweiz bis nach Südostengland und zur Ostsee. Erwartungsgemäß gab es die höchsten Sonnenanteile in der Bretagne mit 7 bis 9 Stunden. Aber auch von Mittelfrankreich über Belgien, Nordrhein-Westfalen bis zur Ostsee konnten gebietsweise 3 bis 6, sowie örtlich 7 oder 8 Stunden Sonne gemessen werden. Spitzenreiter in Deutschland war Itzehoe in Schleswig-Holstein mit knapp 8 Sonnenstunden. Von Ostfrankreich bis Südbrandenburg reichte der Hochdruckeinfluss nicht aus, dort blieb es mit 0 bis 2 Sonnenstunden deutlich bewölkter. Weiterhin wurde polare Luft weit nach Süden transportiert. In Wales, Westengland sowie in Teilen Schleswig-Holsteins konnte am Morgen eine Temperatur von -1 bis -3°C gemessen werden. Stellenweise konnte sich die erste Glätte der Wintersaison ausbilden. Erneut bildeten sich an den Küsten tagsüber Schauer aus, welche bis 19 Uhr MEZ meist nur 0,1 bis 2 mm mit sich brachten. Wenige Kilometer weiter im Landesinneren blieb es dagegen nur gering bewölkt und meist niederschlagsfrei. Die Höchsttemperaturen erreichten im Einflussgebiet des Hochs 7 bis 12°C, am wärmsten wurde es in Lübbertsfehn an der Nordsee mit 11,8°C. Der Wind schwächte sich im Vergleich zum Vortag ab und erreichte an den Küsten 50 bis 70 km/h, mit den stärksten Böen im nordfranzösischem Ort Boulogne mit 70 km/h.

Am 14. November um 01 Uhr MEZ befand sich Hoch YAPRAK mit dem Zentrum über dem Golf von Biskaya. Der Druck schwächte sich auf ca. 1027 hPa ab. Das Einflussgebiet verringerte sich aufgrund der Fronten von Islandtief OLAF. Dessen Warm- und Kaltfront zogen mit dichten Wolkenfeldern über Großbritannien, Nordfrankreich sowie über Nord- und Mitteldeutschland. Das Haupteinflussgebiet mit 7 bis 10 Sonnenstunden wurde nach Süden abgedrängt und reichte dabei von Baden-Württemberg über die Schweiz, Südfrankreich bis Spanien und Portugal. Spitzenreiter in Deutschland war die Zugspitze und der Feldberg im Schwarzwald mit jeweils 9 Sonnenstunden. In der verbreitet klaren Nacht wurden am Morgen des 14. Novembers gebietsweise Temperaturen im Frostbereich vermeldet. Berlin-Dahlem konnte mit -1,8°C den ersten Frost des Herbstes registrieren. Hamburg meldete -1,7°C, München -0,5°C und Nürnberg -4,2°C. Aber auch in Südwesteuropa wurde es ungewöhnlich kalt. Madrid-Barajas registrierte +0,6°C, am Boden sogar -2,0°C. Selbst das am Mittelmeer gelegene Valencia verzeichnete einen Tiefstwert von nur 2,5°C. im spanischen Bergland sanken die Werte auf bis zu -5°C. Tagsüber stiegen die Temperaturen aber auf Werte um 10°C, in Spanien auf 11 bis 21°C an. Am Rande von Hoch YAPRAK bildete sich von Mittelfrankreich bis Bayern eine Zone mit Nebel- und Hochnebel aus. Dort blieb es sehr kühl mit Höchstwerten von nur 1 bis 5°C. Örtlich bildeten sich auf engstem Raum aufgrund des Nebels große Temperaturgegensätze aus. Nennenswerte Niederschläge oder Windböen blieben wegen der nun schwachen Strömung aus.

Bis zum Folgetag um 01 Uhr MEZ verlagerte sich das Zentrum von Hoch YAPRAK über Südostdeutschland mit einem Druck von ca. 1027 hPa. Es bildete sich eine schmale Hochdruckbrücke von der Bretagne bis zum Schwarzen Meer aus. Die höchsten Sonnenstunden wurden aber knapp südlich dieser Zone vermeldet. Dies konnte erneut mit den Ausläufern von Tief OLAF begründet werden. So lag der Bereich mit 6 bis 10 Sonnenstunden in Spanien, Südfrankreich und Süddeutschland bis zur westlichen Ukraine. In Deutschland gab es in Baden-Württemberg sowie am Alpenrand teils 6 bis 9 Stunden Sonne. Weiter nördlich blieb es meist bedeckt. Die tiefsten Temperaturen wurden dementsprechend am Morgen des 15. Novembers in diesem Bereich registriert. So vermeldete Garmisch-Patenkirchen -6,3°C, Kempten -7,2°C und Oberstdorf -11,2°C. Am bayerischen Funtensee, einer 1600 m hoch gelegenen Senke, welche vollständig von Bergen umgeben ist, konnte sich die Kaltluft sammeln, sodass dort eine Temperatur von -23,3°C verzeichnet wurde. Erneut blieb es örtlich ganztägig neblig, Freiburg meldete beispielsweise am Mittag nur -1°C. Ulm verzeichnete mit einem Maximum von -0,5°C den ersten Tag mit Dauerfrost. Teils lagen Sonnenschein und dichter Nebel dabei nah beieinander. Freiburg vermeldete im Maximum knapp 0,5°C, während im nur 25 km nordöstlich gelegenen Ort Elzach 8,3°C erreicht wurden.

Zum 16. November um 01 Uhr konnte die Antizyklone YAPRAK bereits nördlich des Schwarzen Meeres mit einem Druck von ca. 1032 hPa analysiert werden. Somit verschob sich die Zone mit freundlichem Wetter und bis zu 8 Sonnenstunden nach Tschechien, Österreich, zur Slowakei und Ungarn bis zum Schwarzen Meer. Deutschland lag nur noch am äußersten Rand des Hochs. So wurden im südlichen Sachsen-Anhalt, Ostthüringen, Sachsen und Südbrandenburg 2 bis 6 Sonnenstunden vermeldet. In Dresden konnten bei 5 Sonnenstunden 9,0°C registriert werden. Sonst blieb es trotz hohen Luftdruckes verbreitet neblig-trüb, sodass es sehr kühl blieb. Örtlich konnte sich erneut auch tagsüber die Temperatur unter 0°C halten, wie beispielsweise im bayerischen Lechfeld mit -0,3°C und im baden-württembergischen Freudenstadt mit -1,7°C.

Vom 17. Bis 20. November zog Hoch YAPRAK vom Schwarzen Meer in Richtung des Ural. Somit verlor das Druckgebiet Einfluss auf Mitteleuropa und wurde am 19. November um 01 Uhr MEZ letztmalig auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet.

 

Geschrieben am 27.01.2018 von Dennis Schneider

Berliner Wetterkarte: 15.11.2017

Pate: Erik Schmidt