Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  AEGIDIUS

(getauft am 03.07.2005)



Am 2.7. zeigte sich über dem zentralen Nordatlantik südlich von Grönland auf dem Satellitenbild bereits ein schmales Wolkenband, welches auf eine wellenförmige Störung im Bereich der westlichen Höhenströmung hindeutete. Dies ist meist der Ausgangspunkt zur Entstehung eines Tiefdruckwirbels, was sich dann am Folgetag auch abzuzeichnen begann. Zwar konnte noch kein eigenständiger Tiefdruckkern ausgemacht werden, jedoch wurde diese mittlerweile sehr gut zu erkennende Welle in der Berliner Wetterkarte ca. 1000 km vor der Irischen Küste liegend auf den Namen AEGIDIUS getauft.

Mit der westlichen Höhenströmung gelangte AEGIDIUS rasch nach Osten. Sein Frontensystem hatte am 4.7. nun bereits das englische Festland erreicht. An der Kaltfront selbst wurden verbreitet leichte Schauer ausgelöst. Interessanter war zu diesem Zeitpunkt aber die Entwicklung des Tiefs an sich, denn erstmals war über Nordirland ein kleines Zentrum auszumachen mit einem Kerndruck von knapp unter 1010 hPa. Die Bildung eines eigenständigen Wirbels stand also unmittelbar bevor und ist am nächsten Tag dann auch sehr schön zu sehen. Mit einem auf knapp unter 1000 hPa gefallen Kerndruck lag das ausgebildete Wirbelzentrum von AEGIDIUS nun über der Nordsee. Gleichzeitig hat die zugehörige Kaltfront Deutschland von Westen her überquert und verbreitet für Regen gesorgt. Die nachfolgende maritime Polarluft ließ die zuvor sommerlichen Temperaturen dann auch mächtig in den Keller fallen. Nach teilweise über 30°C am Vortag schaffte nun gerade mal noch der äußerste Südwesten Deutschlands die 20°C-Marke zu knacken. In Ostdeutschland und auch in Teilen Bayerns stiegen die Werte unter der dichten Wolkendecke nicht einmal über 15°C an. 

Am 6.7. kam AEGIDIUS immer mehr in den Einfluss einer auf Süd gedrehten Höhenströmung. Sein Zentrum verlagerte sich folgerichtig sukzessive nach Norden bis ins Nordmeer. Bei einer Nordverlagerung schwächen sich Tiefdruckgebiete allgemein recht schnell ab. So auch AEGIDIUS, dessen Wirbelstruktur am 6.7. zwar noch gut zu erkennen war, jedoch der Kerndruck bereits auf 1005 hPa angestiegen ist. Auch die einst so wetteraktive Kaltfront war nun über Polen angekommen und brachte nur noch schwachen Regen. Mit der südlichen Höhenströmung wurde AEGIDIUS unter weiterer Abschwächung hinaus ins Nordmeer verlagert. Letztmalig wurde das Tief dann am 8.7. vor der ostgrönländischen Küste liegend in der Berliner Wetterkarte analysiert. 


Geschrieben am 22.07.2005 von Marcus Boljahn   

Wetterkarte: 05.07.2005

Pate: Aegidius Planzer