Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet AREND

(getauft am 20.12.2015)

 

Unterhalb eines Kaltluftvorstoßes in 5,5 km Höhe, welcher auch als Trog bezeichnet wird, mit eingelagertem Höhenwirbel wurde am 20.12.2015 im Bodenniveau östlich von Neufundland über dem Nordwestatlantik ein Tiefdruckgebiet auf den Namen AREND getauft.

Um 01 Uhr MEZ dieses Tages besaß der Wirbel AREND einen Kerndruck von etwa 960 hPa. Zu diesem Zeitpunkt führte eine kurze Okklusion vom Zentrum des Tiefs nach Osten. Eine Okklusion stellt dabei eine Mischfront dar, welche aus dem Zusammenschluss von Warm- und Kaltfront am sogenannten Okklusionspunkt entsteht und dadurch Eigenschaften beider Frontenarten in sich vereint. Vom Okklusionspunkt knapp östlich des Tiefdruckkerns verlief die Warmfront nach Südosten bis westlich der Azoren, während sich die Kaltfront nach Südwesten bis über die Karibik erstreckte. Aufgrund starker Luftdruckgegensätze entwickelte sich in der Nähe des Zentrums des Tiefs AREND ein kräftiges Windfeld aus, welches für schwere Sturmböen von jeweils bis zu 94,8 km/h an den neufundländischen Stationen in Cartwright und St. Anthony sorgte.

Mit der ostwärts gerichteten Verlagerung des Troges zog auch das Sturmtief AREND am Boden unter fortschreitender Okkludierung weiter über den Nordatlantik und befand sich um 01 Uhr MEZ am 21.12. mit einem weiter verstärkten Kerndruck von 955 hPa auf der Länge der Südspitze Grönlands. Die nun weitreichende Okklusion verlief bogenförmig nach Südosten bis ca. 600 km westlich von Irland. Dort spaltete sie sich in eine nach Süden weisende Warm- und in eine nach Südwesten führende Kaltfront auf. An der Südflanke des Wirbels AREND bildete sich außerdem ein kleines Wellentief, welches auf den Namen BJARNI getauft wurde. Mit dem Tief AREND verlagerte sich auch das Windfeld in Richtung Grönland und konnte sich dabei nochmals verstärken, wodurch Orkanböen von 120,5 km/h in Henrik Kroeyer Holme, 126,0 km/h in Narsarsuaq und 127,9 km/h am Prins Christian Sund registriert wurden. Bis zum Morgen bildete sich südlich von Island entlang der Okklusion ein weiteres Tiefdruckzentrum aus, welches im Folgenden einen Großteil des Frontensystems übernahm. Die Ausläufer erreichten mit ihren zugehörigen Niederschlägen in den Mittagsstunden die Britischen Inseln. Dabei konnten innerhalb von 6 Stunden bis 13 Uhr MEZ 4 l/m² im irischen Shannon, 8 l/m² im südenglischen Camborne, 9 l/m² am walisischen Lake Vyrnwy sowie je 11 l/m² Regen in Strathallan und in Shap gemessen werden. In der walisischen Gemeinde Capel Curig kamen in diesem Zeitraum sogar 25 l/m² zusammen. In den folgenden 6 Stunden griffen die Niederschläge auch auf Deutschland über, sorgten jedoch zumeist nur für Mengen im niedrigen einstelligen Bereich. Die größten 12-stündigen Regensummen bis 19 Uhr MEZ wurden noch in Schmücke und Neuhütten im Spessart mit jeweils 7 l/m² sowie mit je 8 l/m² auf dem Feldberg im Schwarzwald und in Neuhaus am Rennweg verzeichnet. Außerhalb Deutschlands lagen die 12-stündigen Niederschläge bei 4 l/m² im Rotterdamer Stadtteil Hoek van Holland, 8 l/m² in Thorshavn auf den Färöer-Inseln, 14 l/m² in Brest und bis zu 17 l/m² im norwegischen Klevavatnet südlich von Bergen. Mit der Warmfront wurden außerdem warme tropische Luftmassen zu den Azoren geführt, wodurch es hier durch die Ablösung kälterer Subpolarluft zu einem leichten Temperaturanstieg kam. Dieser führte in Funchal immerhin zu einem Tagesmaximum von 20,3°C.

Das Tief AREND zog bis 01 Uhr MEZ des Folgetages über die Danmarkstraße zwischen Island und Grönland und schwächte sich dabei auf 970 hPa ab. Der Wirbel AREND war Teil eines umfangreichen Tiefdruckkomplexes, welcher neben diesem aus der Zyklone BJARNI weiter südöstlich und einem namenlosen Tief im Süden bestand. Dies stellte das steuernde System für den Nordatlantik und damit den Gegenpart zum ausgeprägten Hochdruckgebiet BRIGITTE über dem Mittelmeer dar. Zwischen diesen beiden Systemen entwickelte sich aufgrund starker Luftdruckgegensätze eine Sturmzone über West- und Mitteleuropa. Dabei wurden auch in tiefen Lagen Sturmböen erreicht. In höheren Lagen stellten sich hingegen orkanartige bis Orkanböen ein, welche in Deutschland 104 km/h in Arkona und Glücksburg, 111,7 km/h auf dem Fichtelberg und 136,9 km/h auf dem Brocken erreichten. Im schottischen Hochland wurden gar Windböen von bis zu 164,9 km/h auf dem Aonach Mòr und 174,2 km/h auf dem Cairngorm beobachtet.

Vom Zentrum des Tiefs AREND ging zum Nachttermin eine Warmfront nach Osten aus, welche in der Höhe Eigenschaften einer Okklusion aufwies. Diese reichte bis über die Norwegische See und verband sich dort mit der Kaltfront des Tiefs ZWI. Südlich dieses Übergangs verliefen Ausläufer des ehemals an der Okklusion des Tiefs AREND entstandenen Wirbels, welche somit dessen abgekoppeltes Frontensystem darstellten. Zu dem Tief, welches sich über Südschweden befand, gehörte eine Kaltfront, die in Deutschland bis 07 Uhr MEZ nochmals 12-stündig zu 4 l/m² in Neuhütten, 5 l/m² in Pelzerhaken und je 6 l/m² in Bad Marienberg, Glücksburg sowie auf dem Brocken führte. Im Bereich des Kerns des Tiefs AREND wurden außerdem 9-stündige Schnee- und Regenmengen von jeweils 9 l/m² in Eyrarbakki und Dalatangi gemessen.

In der Folge verstärkte sich das Tief BJARNI und wurde auf seiner Zugbahn in Richtung Nordosten das steuernde Tiefdrucksystem im Nordostatlantik. Das Tief AREND befand sich unverändert über der Danmarkstraße mit einem Kerndruck von 970 hPa, wobei dem Wirbel an diesem Tag kein Frontensystem zugeordnet werden konnte. Der Wirbel AREND sorgte allerdings weiterhin für kräftige Windböen, die in Grönland bis zu 76,0 km/h in Danmarkshavn, 79,7 km/h am Scoresbysund und sogar mit 142 km/h Orkanstärke in Nunarssuit erreichten. Die mitunter zweistelligen Niederschlagsmengen, die im Tagesverlauf in Island fielen, müssen aber dem Einfluss des östlich der Insel liegenden Wirbels BJARNI zugeschrieben werden.

Das Tief AREND blieb bis zum 24.12. weiter quasi-stationär über dem Seegebiet nahe Grönland und Island und verlagerte sich nur wenig nach Südosten. Der Kerndruck schwächte sich weiter ab und betrug um 01 Uhr MEZ 980 hPa. Vom Zentrum verlief wieder eine Okklusion nach Osten, die südlich von Island bereits in die Kaltfront der Zyklone BJARNI überging, welche sich über die Norwegische See verlagert hatte. Unter dem Einfluss des Tiefs AREND lagen bis 19 Uhr MEZ die 9-stündigen Niederschlagsmengen in Island bei 2 l/m² in Bolungavik und 3 l/m² in Skjaldthingsstadir. Zuvor konnten innerhalb von 15 Stunden bis 10 Uhr MEZ außerdem je 4 l/m² am Flughafen von Keflavik und in Dalatangi verzeichnet werden.

Unter rascher Abschwächung auf knapp unter 1000 hPa zog das Tief AREND bis zum 25.12. nach Südosten über den Nordatlantik. Es stellte nun ein Randtief des sich über dem Nordmeer neu etablierenden und verstärkenden Wirbels CHUCK dar. Ein Frontensystem konnte dem Tief abermals nicht zugeordnet werden.

Zwar bildete sich bis zum Folgetag nochmals ein schwaches Frontensystem zum Wirbel AREND aus, jedoch nahm es kaum noch Einfluss auf das Wettergeschehen in seiner Umgebung. Am Abend des 26.12. löste sich die Zyklone AREND aufgrund sich weiter abschwächender Luftdruckgegensätze südlich von Island auf und konnte nicht weiter auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 

 

Geschrieben am 17.03.2016 von Sebastian Wölk

Berliner Wetterkarte: 21.12.2015

Pate: Arend Brückner