Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  BÄRBEL

(getauft am 07.08.2006)

 

 

Das Tiefdruckgebiet BÄRBEL entstand am 07.08. über dem Atlantik und wanderte in den darauf folgenden zwei Tagen weiter nach Osten, wo es sich am 09.08 schon bei den Shetlandinseln befand mit einem Kerndruck von 1005 hPa. Die dazugehörige Okklusion hatte zu diesem Zeitpunkt schon den größten Teil der Britischen Inseln überquert, jedoch ohne ergiebige Regenfälle auszulösen.

In den nächsten 24 Stunden zog die Okklusion nur langsam südostwärts und brachte ein aufgelockertes und nicht sonderlich starkes Regenband mit sich, welches am Abend des 09.08. im Nordwesten von Niedersachsen bis zum Niederrhein 1 bis 5, vereinzelt auch 8 mm (Emden) brachte. Vor dem Regenband gab es nur vereinzelte Schauer, vor allem an der vorpommerschen Ostseeküste. So fielen in Greifswald 22 mm. In der Nacht zum 10.08 schwächte sich das Regenband aber mehr und mehr ab und es gab nur im Südwesten vom Saarland bis zum Rhein-Main-Gebiet etwas höhere 12-stündige Regenmengen, welche jedoch allgemein unter 10 mm lagen. Auf der Rückseite der Okklusion floss wieder ein Schwall kühler Meeresluft zu uns.

Das markante Tief BÄRBEL verlagerte sich nun weiter nach Süden bis Südosten und erreichte so in der Nacht zu 11.08. mit seinem Kern die zentrale Nordsee. Sein gut ausgeprägter Trog breitete sich dabei in der 500 hPa-Fläche über die Alpen hinweg bis zur Balkanhalbinsel aus und im nördlichen Teil der Iberischen Halbinsel sanken die Temperaturen. So z.B. an der Biskayaküste in San Sebastian, wo nur noch 22,1 °C erreicht wurden. An den Tagen zuvor wurden dort noch deutlich über 30 °C erreicht. Im Binnenland, südlich der Pyrenäen, wurde in Logrono nur ein Maximum von 27,0 °C gemessen, während in Madrid noch Temperaturen von 35 °C erreicht wurden. Diese kühlere Luft mit auffrischendem Wind aus Nord bis Nordost entfachte die Waldbrände im nördlichen Portugal nochmals neu.

In Deutschland blieb es verbreitet wechselhaft, wobei insbesondere im Norden und in Zentraldeutschland auch längere sonnige Abschnitte zu verzeichnen waren. Allerdings blieb es bei typischen Maximumwerten der Luftmasse mP (subpolare Meeresluft) mit 22 °C bis 23 °C in Magdeburg, Lübeck und Greifswald und 17 °C bis 19 °C z.B. in Lingen, Aachen und Stuttgart. In Essen wurden allerdings nur 16,1 °C erreicht. Größere Regenmengen gab es durch das 20 °C warme Seewasser nur in Küstennähe. So wurde auf Helgoland 17, in Norderney sogar 39 l/m² gemessen, in Emden 10 l/m². Sonst wurde nur vereinzelt 10 l/m² erreicht, wie z.B. in Freiburg mit 16 l/m².

Am 12.08. lag das Zentrum von BÄRBEL über den Beneluxstaaten und die zugehörige Okklusion verlief von Dänemark über die Ostsee weiter über Polen bis zur Ukraine, was auch anhand des Wolkenbandes auf dem Satellitenbildern gut zu erkennen ist. So gab es in der zweiten Nachthälfte zum 12.08. zum Teil beträchtliche Regenmengen. Einige polnische Stationen meldeten für den Zeitraum von 18 UTC bis zum Morgen des 12.08. 06 UTC mehr als 40 l/m². So z.B. Mikolajki (Masurische Seenplatte) 41 l/m², Ostroleka (am Fluss Narew) 57 l/m² und Siedlce 79 l/m². Auch über der Ostsee fielen größere Mengen, unterstützt durch die Labilisierung aufgrund der hohen Meeresoberflächentemperaturen von 18 °C bis 20 °C. Hammerodde an der Nordspitze Bornholms verzeichnete 32 l/m², Arkona 12 l/m² und Helgoland 41 l/m² in 12 Stunden. Im übrigen Deutschland kam es dank der eingeflossenen subpolaren Meeresluft vor allem südlich der Mittelgebirge zu Schauern und Gewittern, wobei auch hier verbreitet zweistellige Regenmengen registriert wurden. In Baden (Mannheim) wurde die höchste 24-stündige Niederschlagsmenge mit 28,1 l/m² gemessen, aber auch an der Donau (Neuburg) wurden 16,4 l/m² registriert. Auch die Lufttemperatur stieg in den Regengebieten kaum bis über 20 °C. Nur im Nordosten wurde bei längerem Sonnenschein die 20°C-Marke überschritten: Waren (Müritz) 21,7°C bei 6 Stunden Sonne, Neuruppin 20,3°C bei 7 Stunden Sonne.

In den nächsten 24 Stunden blieb BÄRBEL relativ stationär und durch die hoch reichende, labil geschichtete Luft blieb der wechselhafte Wettercharakter mit Schauern und Gewittern erhalten. So gab es wiederum beachtliche Regenmengen. Amsterdam meldete 31 l/m², Skillinge in Südschweden 30 l/m². Kräftige Gewitter entwickelten sich auch über Nord- und Mittelitalien. In Mailand am Flughafen fielen in der Nacht 56 l/m², wobei es in der Nacht davor schon eine Menge von 149 l/m² gab. Wie dabei bekannt wurde, war dieses Gewitter von einem extremen Hagelunwetter begleitet. In manchen Straßen türmten sich noch am Morgen 2 m hohe Hagelberge. Auch im Süden Deutschland gab es verbreitet Schauer und Gewitter, wobei die Temperaturen zwischen 15°C und 20°C lagen. Im Schwarzwald (Todtmoos) wurde eine 12-stündige Regenmenge von 55 l/m² verzeichnet. Nur in der Nordosthälfte Deutschlands kam die Sonne etwas länger raus und die Temperaturen lagen etwas über 20°C.

Am 14.08. lag das Zentrum von BÄRBEL schon über Frankreich und so zeigte sich in einem breitem Streifen in der Mitte Deutschlands von Sachsen und Franken bis nach Niedersachsen und zum Rheinland zumindest zeitweise die Sonne. In Düsseldorf schien die Sonne sogar über 12 Stunden. Allerdings wurde hier aufgrund der starken Einstrahlung rasch die Auslösetemperatur überschritten, so dass sich in der Folge wieder einzelne Schauer und Gewitter bildeten, die örtlich sehr heftig waren. Zeutsch in Thüringen meldete eine Regenmenge von 38 l/m². Mit Sonnenunterstützung erwärmte sich die mP immerhin auf 20°C bis 23°C. Dagegen lagen die Temperaturen in den Dauerregengebieten ohne Sonnenschein bei 15°C. In Berlin-Dahlem wurde mit einem Tagesmaximum von 15,3°C das niedrigste Tagesmaximum seit dem 5. Juni registriert.

Am 15.08. war das Tief BÄRBEL nicht mehr in der Berliner Wetterkarte verzeichnet.

 


Geschrieben am 25.08.2006 von Andrea Schöne

Wetterkarte: 12.08.2006

Pate: Bärbel Steinbrecher