Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  DÖRTHE

(getauft am 14.08.2006)

 

 

Am 10. August 2006 entstanden an der langen Kaltfront eines Tiefdruckgebietes bei Island viele kleine Tiefdruckgebiete, von denen sich allerdings nur eines verstärken konnte. Dieses Tiefdruckgebiet zog gemäß der westlichen Höhenströmung von Neufundland nach Island und wurde am 14. August 2006 auf den Namen DÖRTHE getauft.

DÖRTHE wies bei ihrer Entstehung einen Kerndruck von weniger als 1020 hPa auf und vertiefte sich bis zum 16. August auf weniger als 1000 hPa. Ihr Weg führte sie dabei von Island über Irland hinweg in den Golf von Biskaya. Ihre Fronten brachten Irland leichten bis mäßigen Regen und verbreitet mehr als 10 Liter pro Quadratmeter Niederschlag innerhalb von 24 Stunden (z.B. Dublin 11 Liter pro Quadratmeter). Auf DÖRTHEs Vorderseite wurden warme und feuchte Luftmassen aus dem Golf von Genua gegen die Alpen geführt. So regnete es im Luv der Gebirge am 17. August nahezu ununterbrochen. Innerhalb von 36 Stunden fielen dabei im Locarno-Monti (Tessin) 143 Liter pro Quadratmeter. Auch in Portugal brachte DÖRTHE den ersehnten Regen mit sich, allerdings fielen nur lokal größere Regenmengen.

Am 18. August wanderte DÖRTHE mit unverändertem Kerndruck von Spanien weiter nach Deutschland. In ihrem Bereich gab es vor allem in Spanien, Frankreich und Westdeutschland größere Regenmengen. In Sevilla (Spanien) fielen 29 Liter, in Metz (Frankreich) 33 Liter, in Trier 36 Liter und in Franfurt 21 Liter pro Quadratmeter. Gleichzeitig trennte DÖRTHEs Front warme Luft im Osten von kühlerer Meeresluft im Westen. Während in Cottbus um 13 Uhr noch 28,5 °C erreicht wurden, war es mit 18°C in Halle und Chemnitz mehr als 10°C kühler.

In der Nacht zum 19. August zog DÖRTHE weiter nach England. Auch ihre Niederschlagsgebiete wanderten nordwärts. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen regnete es stundenlang ohne Unterbrechung. Die Regenmengen summierten sich verbreitet auf mehr als 30 Liter pro Quadratmeter (z.B. Wunstorf am Steinhuder Meer 44,3 Liter innerhalb von 24 Stunden).

Auf der Vorderseite von DÖRTHE strömte sehr heiße und trockene Luft in den Mittelmeerraum. In Sizilien gab es 40°C und in Athen 37°C, auch in der Nacht kühlte es sich nicht merklich ab; 25°C wurden kaum unterschritten. Die Hitzewelle im Mittelmeerraum ging auch am 20. August weiter: In Griechenland und der Türkei wurden verbreitet 40°C und mehr erreicht.

In der Nacht wurden selbst im Bergland kaum 30°C unterschritten (z.B. Tripolis 640m hoch Tiefstwert 30°C). Ursache war wiederum DÖRTHE, die sich kaum verlagert hatte und immer noch heiße Luftmassen in den Mittelmeerraum strömen lies.

Am 21. August wanderte DÖRTHE langsam nach Osten. Auch die große Hitze im Mittelmeerraum wurde langsam nach Osten und Süden abgedrängt. An der Grenze zur kühleren Luft gab es vor allem über Ungarn und Österreich sehr heftige Gewitter mit Hagel und Sturmböen. In Deutschland hingegen war es mäßig warm mit Temperaturen um 20°C und vereinzelten Schauern und Gewittern, die vor allem im Westen recht kräftig ausfielen. In Brohl bei Remagen gab es sogar einen Tornado, der zwar nur kurz andauerte, aber eine beachtliche Zerstörung hinterließ und sogar Menschenleben kostete.

Am 22. und 23. August schwächte sich DÖRTHE deutlich ab. Ihr Kern lag mit 1010 hPa über Südschweden und sie gelangte in den Einfluss des Tiefdruckgebietes ELISA, in der sie auch am 23. August 2006 aufging.

                                                                                                    

Insgesamt legte DÖRTHE auf ihrem Weg von Island in die Biskaya über Deutschland nach Südschweden mehr als 1000 km zurück. Ihre Lebensdauer lag mit 10 Tagen deutlich über den Durchschnitt für Tiefdruckgebiete (4-5 Tage). Meteorologisch bemerkenswert waren ihre teilweise hohen Regenmengen, die große Hitzewelle im Mittelmeerraum und der Tornado in Nordrhein-Westfalen.

 


Geschrieben am 12.09.2006 von Thomas Schartner

Wetterkarte: 19.08.2006

Pate: Dörthe Kühl-Habich