Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet DORCAS
(getauft am 17.09.2018)


In der Atmosphäre entstehen Tiefdruckgebiete durch das Aufsteigen herangeführter Luft und das somit entstandene Luftdefizit am Boden. Mitte September waren über dem europäischen Festland und dem Atlantik mehrere verschieden ausgeprägte Tiefdrucksysteme in der nördlichen Hemisphäre vorhanden. Ein solches Gebiet tiefen Drucks, welches sich über den Atlantik Richtung Osten bewegte, wurde im Folgenden am 17.09.2018 um 01 Uhr MEZ, was 00 Uhr UTC entspricht, in der Analyse auf den Namen DORCAS getauft.

Zum selben Zeitpunkt befand sich das Zentrum der Zyklone DORCAS mit einem Druck von 1005 hPa über dem Atlantik westlich von Irland. Vom Zentrum aus erstreckte sich eine kurze Warmfront nach Nordosten und eine Kaltfront nach Südwesten über den Ozean bis über die kanadische Küste. Im Sektor zwischen diesen Luftmassengrenzen wurde die wärmere, trockene Luft der mittleren Breiten durch die Fronten von der aus Norden kommenden maritimen Arktikluft begrenzt. Die Lufttemperatur nahm deshalb in diesem Bereich nach Norden hin stark ab und es trat Bewölkung auf, die sich im Laufe des Tages in Richtung der Britischen Inseln verlagerte.

Zum 18.09. um 01 Uhr MEZ hatte sich das Zentrum des Tiefs DORCAS mit 1000 hPa Luftdruck nur geringfügig nach Osten auf die Britischen Inseln zu bewegt. Dabei wurde die Warmfront von der schnelleren Kaltfront eingeholt, wodurch eine sogenannte Okklusion entstand. Eine Okklusion ist eine Mischform aus Kalt- und Warmfront. Diese formte einen Bogen um das Zentrum und ging nach Südwesten verlaufend in eine Kaltfront über. Während des Tages überquerte die Okklusionsfront Irland, weshalb es in Dublin im Tagesverlauf bewölkt war und geringer Niederschlag von 0,4 mm fiel.

Der Tiefdruckkomplex DORCAS verstärkte sich weiterhin und lag somit am 19.09. um 01 Uhr MEZ mit einem Kerndruck von nur noch 980 hPa nördlich von Irland. Die Okklusion ging dabei vom Kern aus in ein weiteres Tiefdruckgebiet im Norden der Britischen Inseln über. Im Tagesverlauf traten auf der Rückseite des Tiefs DORCAS in ganz Irland und Großbritannien geringe Niederschläge auf, während die Temperaturen in Dublin maximale 21°C erreichten und auch in der Nacht nur auf minimal 13°C sanken. Aufgrund südwestlicher Anströmung wurden auch in Edinburgh Temperaturen von 12°C in der Nacht bis 18°C am Tag aufgezeichnet.

Am 20.09. lag Tief DORCAS in zwei Kerne gespalten vor, wobei DORCAS I um 01 Uhr MEZ mit einem Druck von 980 hPa frontenlos über dem Atlantik zwischen Island und Großbritannien lag. Vom Zentrum DORCAS II mit 970 hPa Kerndruck über Trondheim ging indes eine Warmfront ab, die über die Ostsee bis nach Lettland reichte. Eine Kaltfront erstreckte sich, ebenfalls von dort, über Schweden, Dänemark und den Süden Englands. Subtropikluft aus dem Süden Europas wurde im Warmsektor zwischen Warm- und Kaltfront durch letztere von feuchter Luft polaren Ursprungs abgegrenzt. Man konnte deshalb entlang der norwegischen Küste Wolkenbänder beobachten, die erst im Tagesverlauf ins Landesinnere vorankamen. Im norwegischen Bergen fielen innerhalb von 24 Stunden 13 mm Regen. Weite Teile Norwegens profitierten dabei von der Warmluft, welche durch die südwestliche Strömung herangeführt wurde und Trondheim Höchsttemperaturen von 22°C bescherte.

Zum 21.09. verlagerte sich das Zentrum DORCAS I mit einem Luftdruck von 975 hPa bis vor die Nordküste Norwegens, während das Tiefdruckzentrum DORCAS II um 01 Uhr MEZ mit 980 hPa über dem Nordkap lag. Die Okklusionsfront verlief nun durch beide Zentren bis über das russische Festland. Von dort erstreckte sich die Warmfront nach Südosten und die Kaltfront nach Südwesten bis über Estland. An der Okklusionsfront traten erneut starke Temperaturgefälle auf. In Moskau wurden bei leichter Bewölkung Höchsttemperaturen von 23°C gemessen, in Archangelsk und Murmansk überstiegen die Temperaturen auf der Rückseite des Tiefs DORCAS nicht einmal 13°C. Dazu fielen geringe Regenmengen von 1 mm bzw. 6 mm innerhalb eines Tages.

Am 22.09. um 01 Uhr MEZ lag nur noch ein Tiefdruckzentrum mit 985 hPa über der Barentssee vor. Die Okklusion der Zyklone DORCAS erstreckte sich entlang der norwegischen Küste durch den Tiefkern bis über das russische Festland, von wo die Warmfront weiterhin nach Südosten und die Kaltfront nach Südwesten verlief. Entlang der Fronten traten breite Wolkenbänder auf. In Archangelsk stiegen die Temperaturen bei Südströmung wieder auf 17°C und es fiel nur noch wenig Regen. So wurde das Tief DORCAS ab dem Folgetag nicht mehr auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet.