Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet DOREEN

(getauft am 19.12.2006)

 

 

Das Tiefdruckgebiet DOREEN erhielt am 19.12.2006 mit Lage knapp östlich der Labrador-See die Namenstaufe. Der Kerndruck lag bei knapp unter 1000 hPa und da DOREEN in einer starken nordostwärts gerichteten Höhenströmung in mehrere Tiefs eingebettet lag, wies sie zu diesem Zeitpunkt kein deutliches Tiefzentrum auf, sondern war allenfalls ein schwaches Wellentief.

In dieser kräftigen Höhenströmung verlagerte sich DOREENs Zentrum unter Kerndruckvertiefung auf unter 980 hPa über die Grönland-See hinweg nach Spitzbergen, und brachte mit ihren Frontensystemen Jan Mayen knapp 9 Liter Regen pro Quadratmeter. Die von Südwesten her zugeführte Warmluft war sehr deutlich zu spüren. Lag das Maximum am 17.12. noch bei unter -6°C, stieg die Temperatur im Zuge von DOREENs Fronten auf knapp +4°C. Dies ist äußerst warm, wenn man bedenkt, dass Jan Mayen auf 71° nördlicher Breite liegt und zu dieser Zeit der Midwinter präsent ist, also die wirklich dunkelsten Tage des Jahres. Auch in Islands Hauptstadt Reykjavik war es am 19.12. mit +9°C viel zu warm für die Jahreszeit.

DOREEN bewegte sich zum 21.12. hin in einer nun straffen Ostströmung unter weiterer Abnahme des Kerndrucks auf unter 970 hPa über Spitzbergen hinweg Richtung Novaja Semlja. Auf Spitzbergen selbst konnte man ebenfalls sehr gut den Luftmassentransfer, den DOREEN verursachte, beobachten. Sank das Quecksilber in der Nacht vom 19.12. auf den 20.12. von DOREEN noch unberührt in Svalbard/Longyearbyen auf -16°C, so stieg die Temperatur am Tage auf -1°C, einen Tag später sogar auf +4°C an. Hier befinden wir uns auf 78° nördlicher geografischer Breite, wo diese Temperaturen im Winter noch weniger zu suchen haben als auf Jan Mayen. Im Zuge von über Island nordostwärts wandernden Zyklonen kann dies auf deren Vorderseite aber gelegentlich vorkommen. Durch die straffe Luftmassenzufuhr ist die durch völlige Dunkelheit deutlich negative Strahlungsbilanz zur Machtlosigkeit verdammt.

Was aber passiert, wenn solche Tiefdruckgebiete abziehen, wird auch an DOREEN deutlich. In der Nordströmung auf der Rückseite des durchziehenden Tiefdruckgebietes erreichte das Maximum in Svalbard am 21.12. nur noch -7°C, ein der Jahreszeit schon etwas mehr angemessener Wert.

Knapp westlich von Novaja Semlja vereinigte sich DOREEN am 22.12. mit einem zweiten Tiefdruckgebiet zu einem kräftigen arktischen Wirbel, der am 23.12. einen Kerndruck von unter 960 hPa aufwies, jedoch in der Folge namenlos blieb. Somit verschwand DOREEN von der Wetterkarte.

Leider blieb DOREENs Einfluss auf Mitteleuropa sehr beschränkt, da hier das kräftige Hoch ZENO stärker regierte als von diversen Wetter-Modellen vorhergesagt.


Geschrieben am 20.02.2007 von Gregor Neubarth

Wetterkarte: 21.12.2006

Pate: Doreen Gorgas