Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  DORIS

(getauft am 09.01.2006)

 

Ein über dem westlichen Nordatlantik entstandenes Wellentief wurde am Montag, den 09.01.2006 auf den Namen DORIS getauft. Am Tag seiner Taufe lag der Tiefdruckwirbel mit seinem Zentrum um 01:00 Uhr MEZ etwa 1200 Kilometer südlich von Neufundland und somit noch zu weit vom europäischen Festland entfernt, um den Wetterablauf bei uns beeinflussen zu können.

Bis zum Dienstag [10.01.06] um 01:00 Uhr MEZ hatte sich der Kern des Tiefs mit Hilfe der starken Höhenströmung gut 4800 Kilometer weiter nach Nordosten verlagert. Das Tiefdruckgebiet zog weiter nach Nordosten und lag am Mittwoch mit seinem Zentrum bereits zwischen Island und Schottland. Innerhalb von nur 24 Stunden hatte sich der Wirbel in ein Sturmtief verwandelt, der Kerndruck war in diesen 24 Stunden um gut 40 Hektopascal gefallen. Die Frontensysteme von DORIS bestimmten den Wetterablauf über Island, Großbritannien, Westnorwegen und den Beneluxländern. Die größte 24-stündige Niederschlagssumme wurde dabei mit 7 Litern pro Quadratmeter in Trondheim (Norwegen) registriert. Die Temperaturmaxima im Einflussbereich von DORIS lagen zwischen 6 und 10°C.

Nahezu ungeschwächt zog das Tief dann weiter nach Nordosten und lag mit seinem Kern am Donnerstag [12.01.06] vor der nordnorwegischen Nordmeerküste im Raum der Lofoten. DORIS war an diesem Tag wetterwirksam über Großbritannien, Belgien, Holland, Deutschland und über Skandinavien. Während hier in Deutschland 24-stündige Niederschlagsmengen von unter einem Liter gemeldet wurden, konnte die Wetterstation in Bergen (Norwegen) 7 l/m² vermelden.

Das Sturmtief wanderte weiter über das Nordkap und die Barentssee hinweg bis zum Nordural, schwächte sich auf dem Weg allerdings um gut 20hPa ab. In dem Einflussbereich von DORIS traten teils kräftige Schneefälle auf. Ursache hierfür: Es traf relativ milde atlantische Luft (um 0°C) auf kalte kontinentale Luft aus dem Osten (bis zu -50°C). Die Wetterwirksamkeit über Westeuropa hatte das Tief zu diesem Zeitpunkt jedoch schon verloren.

Am Samstag, den 14.01.2006 befand sich das Zentrum des Tiefdruckwirbels über Zentralrussland, DORIS löste dort verbreitet leichten- bis mäßigen Schneefall aus. Das Tiefdruckgebiet zog schließlich weiter nach Südosten und leitete kontinentale Luft arktischen Ursprungs bis in die russische Hauptstadt Moskau. Dies war der Beginn einer andauernden Kälteperiode in ganz Russland. Am folgenden Tag verschwand DORIS dann aus dem Beobachtungsbereich der Berliner Wetterkarte.

 


Geschrieben am 26.01.2006  von Ronny Büttner

Wetterkarte: 12.01.2006

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