Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet DSCHUNA

(getauft am 18.11.2018)

 

Am 18.11.2018 wurde das europäische Wettergeschehen durch das weitreichende und mit 1045 hPa kräftig ausgeprägte Hochdruckgebiet BURCKHARD mit Zentrum über Skandinavien dominiert. Der Hochdruckeinfluss reichte dabei vom Nordpolarmeer bis zum Mittelmeer und von den Britischen Inseln bis zur Ukraine. Umrahmt wurde die Antizyklone an diesem Tag vom Tief BÄRBEL über Nordrussland, dem Tief CORNELIA nahe der Südspitze Grönlands sowie zwei unbenannten Wirbeln mit Zentren westlich von Portugal und südlich von Italien. Das Tief vor Portugals Küste sollte dabei an den folgenden Tagen selbst stärkeren Einfluss auf das Wetter vor allem in Südeuropa nehmen, weshalb es in der Prognose für den Folgetag auf den Namen DSCHUNA getauft wurde.

Die Benennung des Druckgebildes erfolgte speziell in Hinblick auf einen sich neu entwickelnden Tiefdruckkern, welcher sich beim Überströmen der Kaltfront über Südportugal bildete und rasch nach Osten bis über das westliche Mittelmeer zog. So konnten am 19.11. um 01 Uhr MEZ zwei Tiefdruckzentren dem System DSCHUNA zugeordnet werden. Die Zyklone DSCHUNA I verblieb westlich von Portugal über dem Ostatlantik und wies einen Kerndruck von ca. 1000 hPa auf. Von diesem Kern verliefen eine Warmfront nach Norden über den Atlantik sowie eine Kaltfront zunächst nach Osten über Portugal und anschließend nach Süden bzw. Südwesten über die Straße von Gibraltar und die Nordwestküste Marokkos. Der Wirbel DSCHUNA II befand sich währenddessen südlich von Murcia mit rund 1001 hPa. Auch dieses Tief wies ein Frontensystem auf, welches aus einer nach Osten über Tunesien führenden Warmfront und einer nach Süden über Algerien reichenden Kaltfront bestand.

Im Bereich der beiden Wirbel des Systems DSCHUNA bildeten sich auf der Iberischen Halbinsel und den Balearen im Laufe der Nacht zahlreiche Schauer und vereinzelt auch Gewitter, welche ergiebige und zum Teil extreme Niederschlagsmengen hervorriefen. Bis 01 Uhr MEZ konnten so beispielsweise 6-stündig 58 l/m² in Castellón bei Valencia registriert werden. Innerhalb von 12 Stunden wurden derweil 43 l/m² in Sa Pobla auf Mallorca, 44 l/m² in Oliva und 58 l/m² in Teruel nordwestlich von Valencia gemessen. In einem Beobachtungszeitraum von 24 Stunden meldete die Station am Flughafen in Valencia 90 l/m², während in Polinyà bei Barcelona insgesamt 61,5 l/m² zusammenkamen. In Lluc im Norden Mallorcas lag die 24-stündige Regenmenge bei extremen 110 l/m², wobei 62 l/m² davon in nur einer Stunde bis 21 Uhr MEZ des Vortages fielen.

Im Laufe des Tages verlagerten sich die Tiefs DSCHUNA I und II weiter nach Osten, wobei vor allem letztere Zyklone ihren Einflussbereich auf weite Teile des Mittelmeers ausbreitete und durch Schauer und Gewitter weiterhin für ergiebige Niederschläge sorgte. Bis 13 Uhr MEZ konnten dadurch nochmals 21 l/m² in Polinyà, 41 l/m² in der Hafenstadt Xàbia an der Costa Blanca und 49 l/m² auf Ibiza registriert werden. Innerhalb von 12 Stunden bis 19 Uhr MEZ wurden außerdem 41 l/m² in Oliva gemessen, während in Italien kräftige Schauer und Gewitter entlang der Ausläufer von Tief DSCHUNA II zu je 43 l/m² in Grazzanise und Ponza sowie 55 l/m² in Cagliari führten.

Um 01 Uhr MEZ am 20.11. befand sich das Tief DSCHUNA I mit einem auf ca. 1003 hPa abgeschwächten Kerndruck über dem Süden Portugals. Vom Zentrum verlief dabei eine Okklusion, eine Mischform aus Kalt- und Warmfront, die meist direkt vom Kern ausgeht und sich weiter entfernt aufspaltet, in Richtung Madeira, wo die Luftmassengrenze Kaltfrontcharakter annahm und bis über den zentralen Atlantik reichte. Das Tief DSCHUNA I schwächte sich in der Folge zusehends ab und wurde im Laufe des Tages von einem unbenannten Wirbel über dem Norden der Iberischen Halbinsel aufgenommen. Zuvor brachte es jedoch nochmals kräftige und oftmals schauerartig verstärkte Niederschläge nach Südspanien, wodurch 12-stündig bis 07 Uhr MEZ in Huelva 18 l/m², in Grazalema 27 l/m² und in Vejer de la Frontera 29 l/m² fielen.

Die Zyklone DSCHUNA II wurde hingegen mit verstärkten 997 hPa über dem Tyrrhenischen Meer analysiert. Vom Kern führte eine in der Höhe als Okklusion und am Boden als Kaltfront identifizierte Luftmassengrenze nach Westen über den Norden Spaniens hinweg. Weiterhin reichte eine Kaltfront nach Süden über Tunesien, während sich eine Warmfront nach Osten über Italien, die Adria, Montenegro, Serbien und Bulgarien bis zur nördlichen Türkei erstreckte.

Die kräftigen und oft gewittrigen Niederschläge im Bereich des Tiefs DSCHUNA II hielten auch an diesem Tag an. Etwa wurden beispielsweise 21 l/m² im korsischen Alistro, 28 l/m² in Nikšić in Montenegro und 39 l/m² im italienischen Termoli in 12 Stunden bis 07 Uhr MEZ verzeichnet. Besonders intensiv fielen die Niederschläge in Kroatien sowie in Bosnien und Herzegowina aus. Im selben Zeitraum wie zuvor wurden aus Šibenik 47 l/m², aus Mostar 49 l/m², aus Knin 54 l/m² und aus Makarska sogar extreme 118 l/m² gemeldet.

Bis zum Abend verlagerte sich der Schwerpunkt der Niederschläge mit der nach Osten gerichteten Zugbahn des Tiefs DSCHUNA über den Südosten Europas. Zwar konnten in Italien nochmals 12-stündige Mengen von 48 l/m² in Radicofani und 37 l/m² in Rom gemessen werden, in den Anrainerstaaten der Adria sorgten kräftige Schauer und Gewitter aber für wesentlich höhere Niederschlagsmengen. Dies resultierte in 91 l/m² Niederschlag im kroatischen Dubrovnik, 73 l/m² in Nikšić und extreme 170 l/m² im ebenfalls montenegrinischen Tivat.

Bis zum Nachttermin des Folgetages verlagerte sich die nur noch ein Teiltief aufweisende Zyklone DSCHUNA über die südliche Adria, wo sie sich deutlich abgeschwächt mit ca. 1006 hPa nahe der süditalienischen Stadt Brindisi befand. Westlich des Kerns verlief dabei eine Okklusion zunächst nach Norden über die Adria bis nach Dubrovnik, wo sie nach Südosten schwenkte und sich schließlich am Okklusionspunkt nahe Thessaloniki aufspaltete. Die Warmfront reichte über die Westtürkei bis zum östlichen Mittelmeer, wobei sich bereits kurz nach dem Okklusionspunkt eine weitere Warmfront abspaltete, die sich über Istanbul und das Schwarze Meer erstreckte. Weiterhin wurde eine Kaltfront identifiziert, welche über den Osten Griechenlands bis nach Libyen führte.

In Italien konnten in der Nacht nur noch nahe dem Tiefdruckkern höhere Niederschlagswerte beobachtet werden. In Lecce fielen bis 01 Uhr MEZ beispielsweise 25 l/m² in 6 Stunden. Auf der anderen Seite der Adria wurden noch etwas intensiviere Niederschläge registriert, wie 28 l/m² im kroatischen Split, 39 l/m² in Tivat sowie 60 bzw. 70 l/m² an den albanischen Stationen Vlora und Korça belegen.

Mit weiterer ostwärts gerichteter Verlagerung schwächte sich das Tief DSCHUNA im Tagesverlauf auf etwa 1010 hPa ab. Dies ging auch mit einer Abnahme in der Niederschlagsintensität einher. In den folgenden 12 Stunden bis 19 Uhr MEZ konnten so noch 14 l/m² in der albanischen Hauptstadt Tirana, 17 l/m² im serbischen Leskovac und 24 l/m² in Dubrovnik verzeichnet werden. In Bulgarien wurden außerdem noch 24 l/m² in Sliwen und 30 l/m² in Kardschali gemessen.

Am 22.11. wurde das Tief DSCHUNA um 01 Uhr MEZ mit einem Kerndruck von rund 1013 hPa über dem Westen der Türkei östlich der Stadt Izmir analysiert. Von der östlichen Ägäis aus führte zu diesem Zeitpunkt eine Okklusion über die Nordküste der Türkei bis nach Sinop im Norden Anatoliens, wo sie sich in Warm- und Kaltfront aufspaltete. Während die Warmfront in Richtung Osten nach Georgien reichte, verlief die Kaltfront bogenförmig nach Südwesten über Zypern und den Nordwesten Ägyptens.

Schauer und Gewitter sorgten dabei in İskenderun im Süden der Türkei für 30 l/m² in 6 Stunden. Bis zum Morgen wurden auch an einigen anderen Stationen zweistellige Niederschlagsmengen registriert, wie zum Beispiel 15 l/m² innerhalb von 12 Stunden bis 07 Uhr MEZ in Zonguldak oder 16 l/m² in Kilis. Auch im Laufe des Tages führten Schauer zu örtlich recht unterschiedlichen Regenmengen. Bis 19 Uhr MEZ wurden dabei nochmals 16 l/m² in Rize, 18 l/m² in Ordu und 19 l/m² in Balıkesir erreicht.

Das Frontensystem begann sich währenddessen auf bzw. vom Tiefdruckgebiet DSCHUNA abzulösen. So konnten am 23.11. dem Wirbel DSCHUNA keine Fronten mehr zugeordnet werden. Das Zentrum des Tiefs befand sich dabei westlich von Zypern und wies einen Druck von circa 1011 hPa auf. Dennoch konnten im Bereich des Tiefdruckzentrums nochmals 12-stündige Regenmengen von 14 l/m² in İskenderun, 19 l/m² in Antalya und 21 l/m² in Kyrenia auf Zypern registriert werden.

Im Verlauf der folgenden Tage verlagerte sich das Tief DSCHUNA langsam vom östlichen Mittelmeer in Richtung Ägypten. Dabei verließ es den Darstellungsbereich der Berliner Wetterkarte und konnte somit nicht mehr auf jener analysiert oder namentlich verzeichnet werden.