Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet ELIOR

(getauft am 26.07.2021)

 

Ende Juli befand sich Deutschland unter dem Einfluss mehrerer Tiefdruckgebiete, welche kurz nacheinander folgten, nachdem das Hochdruckgebiet DANA nach Osten abgezogen war. Wie auf den Bodenwetterkarten vom 23.07.2021 und 24.07.2021 zu sehen ist, näherte sich das Tiefdruckgebiet DIRK von Westen her Mitteleuropa an und sorgte letztendlich schon für viele Schauer und Gewitter. In den nächsten beiden Tagen verlagerte sich Tief DIRK nach Nordosten und teilte sich in DIRK I über dem Ärmelkanal, DIRK II über der Nordsee, DIRK III über der Mecklenburgischen Seenplatte und DIRK IV über den östlichen Alpen auf. Während sich dieser Tiefdruckkomplex auflöste, bildete sich über dem Ärmelkanal ein neues Tief aus, welches am 26.07.2021 von den Meteorologen der Berliner Wetterkarte auf den Namen ELIOR getauft wurde.

Am 27.07.2021 konnte dann Tief ELIOR wie prognostiziert erstmals namentlich auf der Berliner Wetterkarte in Form eines Wellentiefs erwähnt werden. Eine Welle hat die Eigenschaft, dass sich schon Warm – und Kaltfronten bilden, aber es existiert noch kein Warmluftsektor und noch keine Okklusion bzw. Mischfront. Diese Welle sorgte dennoch bereits für viele Schauer und Gewitter, insbesondere über Nordirland und der Südhälfte Großbritanniens. Bis 06 UTC (08 Uhr MESZ) des 28.07.2021 lag die maximale Niederschlagsmenge bei 24 mm (24-stündiger Niederschlag), welche an der Royal Air Force Station Brize Norton, der größten Luftwaffenbasis der britischen Royal Air Force nahe Oxford, registriert wurde.

Am 28.07.2021 entwickelte sich aus der Welle ELIOR das eigenständige Tiefdruckgebiet ELIOR, welches gut daran erkennbar war, dass nun der Tiefdruckkern von einer Isobare (einer Linie gleichen Luftdrucks) vollständig umschlossen war. Es positionierte sich über dem nördlichen England und südlichen Schottland und wies einen Kerndruck von rund 1005 hPa auf. Das Wetter war weiterhin von vielen Schauern und Gewittern über den Britischen Inseln geprägt.  Auch auf das Wetter in Deutschland nahm Tief ELIOR nun Einfluss, da die auf der Vorderseite des Tiefs existierende Kaltfront bereits in der Nacht zum 28.07.2021 Deutschland überquerte. Diese sorgte schon für erste Schauer und Gewitter.

Am 29.07.2021 ließ die Schauer – und Gewitteraktivität über der Ost - und Südhälfte Deutschlands nach. Nur über Niedersachsen und Schleswig - Holstein kamen wiederholt Schauer auf, da sich Tief ELIOR mit einem Kerndruck von ca. 1000 hPa über der Nordsee zwischen Großbritannien und Norwegen befand und damit auch dessen Okklusionsfront noch die nördlichen Gebiete Deutschland streifte. Die höhere Schaueraktivität über den genannten Bundesländern war logischerweise die Ursache für die höchste Niederschlagssumme des Tages über Deutschland mit 37 mm in Glücksburg-Meierwik nahe Flensburg im Norden Schleswig – Holsteins. Auch der Wind mit bis zu Stärke 10 in Böen spielte bei diesem Tiefdruckgebiet eine große Rolle: Am 29.07.2021 wurde um 13:50 Uhr MESZ eine Windgeschwindigkeit von bis zu 92 km/h (10 minütige Böe) auf dem Leuchtturm Kiel registriert. Auch über Hallig – Hooge war es um 13:50 Uhr MESZ mit einer Geschwindigkeit der Spitzenböen von 85 km/h teilweise stürmisch.

Da nun Tief ELIOR nach Nordosten in Richtung Skandinavien weiterzog, nahm der Einfluss der Zyklone auf das Wetter in Deutschland allmählich ab. Dies zeigte sich u.a. auch durch die abnehmende Windgeschwindigkeit der Böen und des Mittelwindes. Auch die Schaueraktivität nahm von Stunde zu Stunde immer weiter ab.

 

Im Laufe der nächsten beiden Tage sank der Druck des Kerns auf dem Weg nach Zentralschweden (Svealand) bis auf das Minimum mit 995 hPa ab. Über Skandinavien und dem Baltikum sorgte Tief ELIOR für viele Schauer und Gewitter. Auf der Vorderseite wurde durch die Drehbewegung eines Tiefs gegen den Uhrzeigersinn viel Warmluft aus Südwesten herangeführt, sodass die Temperatur ca. 100 km nordwestlich von Umeå auf bis zu bis 29°C anstieg.

Am 30.07.2021 wurden über den Regionen Strømtangen Fyr in Südschweden mit 51,2 mm und über Gubbhögen in Zentralschweden mit 39 mm die insgesamt höchsten Niederschlagsmengen des Tages registriert. Wie für eine Schauer – und Gewitterwetterlage typisch ist, gab es auch Regionen ohne Niederschlag wie beispielsweise über der Station Andøya im Norden Norwegens. Die Tiefdruckserie mit dem Tiefdruckkomplex aus DIRK I, DIRK II, DIRK III, DIRK IV und Tief ELIOR sorgten für eine enorme Abkühlung von 30°C auf der Tiefvorderseite in Älvsbyn am 27.07.2021 auf 13,5°C am 30.07.2021 im selbigen Ort auf der Tiefrückseite.

 

Einen Tag später war das Tief ELIOR nun vollständig okkludiert. Da die Kaltluft schwerer als die Warmluft ist, ist sie schneller als die Warmluft. Der Punkt, an dem die kalte Luft die warme Luft eingeholt hat, nennt sich Okklusionspunkt. Oftmals lösen sich die Tiefdruckgebiete nicht unmittelbar auf, sonders es bilden sich oft einzelne Teiltiefs an den Okklusionspunkten. Ebenso findet an dem Okklusionspunkt Hebung statt, was zu einem sinkenden Luftdruck am Boden führt. Auch hier bildeten sich an den Okklusionspunkten Teiltiefs: ELIOR I, dessen Kern sich mit einem Druck von etwa 995 hPa über dem südwestlichen Finnland befand und ELIOR II mit dem Kern über Südschweden bei einem Luftdruck von etwas unter 1000 hPa. Auch diese beiden Teiltiefdruckgebiete wiesen wie die meisten Tiefdruckgebiete eine Warm – und eine Kaltfront sowie einen Warmluftsektor auf. Genau dieser Warmsektor von ELIOR I sorgte beispielsweise an der Station Tampere Keskusta Satakunnankatu für eine Erwärmung von 17,3°C am 30.07.2021 auf 22,5°C am 31.07.2021. Diese Station befindet sich im Südwesten Finnlands. Typisch ist ebenso für das Wetter innerhalb eines Warmluftsektors im Sommer eine höhere Schauer – und Gewitteraktivität. So herrschte insbesondere über dem südwestlichen Finnland eine erhöhte Schaueraktivität.

Zum 01.08.2021 verlagerte sich ELIOR I mit einem Kerndruck von 995 hPa bis an die Küste der Barentssee und ELIOR II mit einem Kerndruck von ebenfalls 995 hPa nach Nordschweden. Somit ließ insbesondere über Finnland die Schaueraktivität vorrübergehend nach und damit hatte ELIOR I keinen Einfluss mehr auf das Wetter im europäischen Raum.

 

Am 02.08.2021 verlagerte sich Tief ELIOR II mit einem Kerndruck von 995 hPa weiter nach Norden und der Kern befand sich um 02 Uhr MESZ über Hammerfest. Nur noch die Kaltfront vom Tief ELIOR II hatte einen Einfluss auf das Wetter in Finnland. Diese Kaltfront, welche sich zum 03.08.2021 nach Osten bewegte, sorgte dort nach wie vor für viele Schauer und Gewitter. Am meisten Niederschlag fiel in Reboly im Südosten Finnlands mit 35 mm innerhalb 24 Stunden 08 Uhr MESZ am 03.08.2021. Zudem verlagerte sich Tief ELIOR II zum 03.08.2021, welches sich aufgrund des steigenden Kerndrucks auf 1000 hPa abgeschwächt hatte, in Richtung der Bäreninseln.

 

Am 04.08.2021 löste sich Tief ELIOR I endgültig auf, sodass Tief ELIOR II als ELIOR weitergeführt wurde, welches sich nun zwischen den Bäreninseln und Grönland befand. An diesem Tag begann der Auflösungsprozess, da sich Tief ELIOR am Ende des Okklusionsstadiums befand und auch der Kerndruck schon auf 1000 hPa angestiegen war.

 

Im Laufe der nächsten beiden Tage löste sich Tief ELIOR tatsächlich zwischen Spitzbergen und Grönland auf und war währenddessen von zwei namenlosen Hochdruckgebieten über Grönland und Sibirien umgeben. Dieses Tiefdruckgebiet war sehr langlebig, denn es war insgesamt 10 Tage auf der Wetterkarte verzeichnet - im Durchschnitt haben Tiefdruckgebiete eine Lebensdauer von rund 5 Tagen.