Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  ENRICO

(getauft am 21.09.2007)

 

Fronten des Islandtiefs DOM zogen am 20.09.2007 bis nach Kanada hinein. An einer Frontenwelle über der Davisstraße westlich von Grönland entwickelte sich ein kräftiges Sturmtief, dass am 21.09. auf den Namen ENRICO getauft wurde. Schon zu diesem Zeitpunkt konnte es einen Kerndruck von unter 985 hPa aufweisen.

In den nächsten Tagen zog ENRICO langsam nach Osten und verstärkte sich dabei. So lag der Kern mit einem Druck von unter 975 hPa am 23.09. südlich von Island. Auf der Nordmeer-Insel Jan Mayen wurde bei leichtem Niederschlag im Mittel eine Windgeschwindigkeit von 45 km/h (6 Beaufort) gemessen. In Großbritannien fiel bei um die 18°C kaum Niederschlag. ENRICO’s Frontensystem reichte von der Kola-Halbinsel über Großbritannien bis weit in den Altantik hinein. An der Vorderseite führte ENRICO warme subtropische Luft nach Europa, auf der Rückseite transportierte das Tief jedoch kalte arktische Luft heran.

Am 24.09. teilte sich das Sturmtief in zwei Zentren. ENRICO I lag weiterhin mit einem Kerndruck von unter 985 hPa zwischen Island und den Britischen Inseln, der noch recht schwache ENRICO II mit einem Kerndruck von unter 1005 hPa über Wales. Auf den Britischen Inseln wurde bei Temperaturen um die 18°C Regen bis zu 20 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden gemessen.

Am Folgetag zog ENRICO weiter nach Nordosten auf Norwegen zu. Während das eine Teiltief sich rasch auffüllte, vertiefte sich das andere wieder auf einen Kerndruck von unter 975 hPa. Mit diesem tiefen Druck war ein Gebiet großer Windgeschwindigkeit verbunden, das zeitweise Küstengebiete Norwegens erfasste und dort Windböen der Stärke 10 bis 11 brachte. In Südnorwegen fielen durch die Aufstauung an den Gebirgsmassen bis zu 50 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden. Mit einer südwestlichen Strömung konnten in Deutschland Temperaturen von 20 bis 25°C gemessen werden.

Die Kaltfront verlief nun von Südskandinavien über Deutschland, Frankreich und Spanien wieder auf den Atlantik. An einer vorlaufenden Konvergenzlinie bildeten sich einzelne Gewitter, die nur relativ geringen Niederschlag brachten und sich in der Nacht abschwächten. Nachts kam es an dieser Konvergenzlinie jedoch zu Fallböen. In Brandenburg an der Havel und auf Bornholm wurde gegen 23 Uhr eine Böe der Stärke 11 (56 kn, 104 km/h) gemessen. In Roenne wurde sogar eine Windspitze von 86 kn (160 km/h) gemessen. Das ist volle Orkanstärke, Beaufort 12.

Nach diesem Wirken schwächte sich ENRICO im Folgenden ab. Am 26.09. lag der (einzige) Kern nördlich Skandinaviens und wies noch einen Druck von unter 995 hPa auf. Auf der Rückseite bildeten sich in der kalten Meeresluft noch zahlreiche Schauer, die vor allem den Norden und Westen Deutschlands erfassten. ENRICO füllte sich weiter auf und zog bis nach Nordrussland. Am 27.09. wurde ENRICO dort letztmalig auf der Wetterkarte analysiert.


 

Geschrieben am 07.10.2007 von S. Müller

Wetterkarte: 25.09.2007

Pate: Enrico Hein