Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet FABIOLA

(getauft am 03.07.2018)

 

Anfang Juli dominierte das Hoch EKKEHARD über Skandinavien das Wettergeschehen in Europa. Durch weiträumiges Absinken der Luftmassen stellte sich verbreitet sonniges und trockenes Wetter ein. Ein Hochdruckgebiet oder auch Antizyklone genannt, dreht sich im Uhrzeigersinn, ein Tief bzw. eine Zyklone gegen den Uhrzeigersinn. Östlich des Zentrums von Hoch EKKEHARD konnte maritime Polarluft vom Nordmeer über den Baltischen Staaten bis zum Balkan einfließen. Zeitgleich befand sich ein weiteres Hochdruckgebiet über dem Ural nahe der Stadt Perm. Damit gelangten auf dessen Westflanke mit südlichen Winden subtropische Luftmassen vom Schwarzen Meer weit nach Norden. Es bildete sich eine über 3000 km lange Luftmassengrenze aus. Diese Grenze zwischen polaren und tropischen bzw. subtropischen Luftmassen wird in der Meteorologie als Polarfront bezeichnet. Beginnt an einer Stelle der Polarfront der Luftdruck zu fallen, strömt bodennahe Luft in dieses Gebiet nach. Das Nachströmen der Luft führt zu einer Deformation der Polarfront, wodurch sich eine Welle ausbildet. Sinkt der Luftdruck weiter, entwickelt sich aus der Welle ein bodennahes Tief, das heißt, dass jetzt auch in einer Bodenwetterkarte das Tiefdruckgebiet durch geschlossene Isobaren zu erkennen ist. Eine Isobare ist in der Meteorologie eine Linie gleichen Luftdruckes. So konnte am 01. Juli um 01 Uhr MEZ ein eigenständiges Tief nahe Kiew mit einem Druck von ca. 998 hPa analysiert werden.

Da die Fronten weiterhin von Norden nach Süden verliefen und nicht Mitteleuropa beeinflussten, erfolgte noch keine Taufe des Tiefs. Diese geschah dann letztendlich in der Analyse am 03. Juli um 01 Uhr MEZ, da sich Tief FABIOLA nach Abzug von Hoch EKKEHARD weiter nach Westen verlagern konnte. Der Kern wurde mit einem Druck von ca. 1008 hPa knapp östlich von Riga analysiert. Das Tief besaß bereits eine Okklusion, welche sich von Litauen bis ins südöstliche Finnland erstreckte. Eine Okklusion entsteht, wenn die schneller ziehende Kaltfront die Warmfront einholt und sich mit ihr vereinigt. Die Warmfront von Tief FABIOLA erstreckte sich vom Okklusionspunkt bis nach Perm, die Kaltfront bogenförmig über den Westen Russlands bis zum Schwarzen Meer. Der Okklusionspunkt ist der Punkt, an dem sich Kalt- und Warmfront vereinigen. Typischerweise treten hier kräftige Regenfälle auf. Den Haupteinfluss übte das Tief FABIOLA auf das Baltikum, Weißrussland und den Westen Russlands aus. Dichte Wolken sorgten für sehr gedämpfte Temperaturen und zeitweiligen Regen. Die Höchstwerte lagen in den genannten Regionen zwischen 11 und 19°C. Besonders an der Ostseeküste blieb es sehr kühl, wie auf der estnischen Insel Vilsandi mit 10,8°C oder in Helsinki mit 13,0°C. Etwas wärmer war es im Binnenland wie in Minsk mit 18,1°C. Auch die vorangegangene Nacht fiel mit Tiefstwerten von 13 bis 7°C recht kühl aus. Die 24-stündigen Regenmengen beliefen sich bis zum 07 Uhr MEZ Termin des Folgetages auf 5 bis 15 mm, stellenweise auch darüber. Im finnischen Lohja Porla fielen 10,7 mm, im russischen Smolensk sowie im litauischen Vilnius jeweils 21,0 mm und im weißrussischen Minsk 24,0 mm. Auch im Nordosten von Polen fielen geringe Mengen von 0,1 bis 1 mm. Sonnenschein gab es an der Ostseeküste kaum, nach Osten und in Richtung Weißrussland setzten sich kurze sonnige Phasen durch. Deutschland wurde von dem Tief nur indirekt beeinflusst. Mit einer schwachen nördlichen bis nordöstlichen Strömung gelangten einige hohe Wolkenfelder in den Norden, diese brachten aber keinen Niederschlag.

Zum 4. Juli verlagerte sich Tief FABIOLA nach Norden und befand sich um 01 Uhr MEZ mit gleichgebliebenen Luftdruck knapp östlich von Riga. Die Okklusionsfront verlief bogenförmig von Litauen über die Ostsee, Westfinnland bis nach Archangelsk. Von dort aus erstreckten sich nur noch eine kurze Warm- und Kaltfront nach Osten. Somit verlagerte sich auch der Niederschlagsschwerpunkt nach Norden. Es fielen bis 07 Uhr MEZ am 05. Juli 24-stündig von der Halbinsel Kola über Westrussland und dem Osten Weißrusslands 2 bis 10 mm, am Okklusionspunkt bis 27 mm. Die höchste Regenmenge vermeldete das am Nordende des Onegasees gelegene Medweschjegorsk mit 27,0 mm. Moskau registrierte noch 12,0 mm. Die Höchstwerte lagen unter den dichten Wolken bei 15 bis 19°C, sonst bei 20 bis 23°C. Aufgrund der Drehrichtung des Tiefs wurde auf der Vorderseite warme Luft nach Norden geführt, sodass die Höchstwerte entlang des Ural auf warme 25 bis 29°C anstiegen.

Am 5. Juli lag das Tief FABIOLA mit zwei Kernen nahe Archangelsk und Moskau. Von den Kernen gingen jeweils in östlicher und südöstlicher Richtung Okklusionen aus, welche erneut länger andauernde Regenfälle auslösten. So fielen in 24 Stunden bis zum Folgetag in Estland, Südfinnland und im Nordwesten Russlands zwischen 5 und 26 mm. Die höchsten Mengen vermeldeten Wyborg mit 26,0 mm und Sankt Petersburg mit 26,3 mm. Die Höchstwerte lagen in den genannten Regionen bei leicht wärmeren 16 bis 22°C.

Zum 6. Juli konnte sich Tief FABIOLA kurzzeitig deutlich verstärken und positionierte sich mit dem Kern über Sankt Petersburg mit einem Druck von ca. 1000 hPa. Die Okklusion erstreckte sich spiralförmig über die Ostsee bis zum Ural. So blieb das Einflussgebiet im Vergleich zum Vortag nahezu gleich, die Niederschläge intensivierten sich aber. Verbreitet fielen entlang des Finnischen Meerbusens 10 bis 30 mm. Lodeinoje Pole, etwa 240 km nordöstlich von Sankt Petersburg gelegen, vermeldete mit 33,0 mm die höchste 24-stündige Regenmenge, gefolgt von Sankt Petersburg mit 26,0 mm. Somit fielen hier in 48 Stunden 52,3 mm Regen.

Vom 7. bis zum 10. Juli zog Tief FABIOLA unter Abschwächung nach Osten in Richtung des Ural. So ließen auch die Niederschläge im Westen Russlands langsam nach. Wurden am 8. Juli noch örtlich 20 mm in 24 Stunden erreicht, so lagen die Regenmengen in den Folgetagen bei höchstens 10 mm. Letztmalig war Tief FABIOLA am 10. Juli um 01 Uhr MEZ auf der Berliner Wetterkarte verzeichnet. Auf der Rückseite des Tiefs konnte sich in der nördlichen Strömung in der Folge das Tief GISLINDE bilden, das in Teilen Nord- und Ostdeutschlands hohe Regenmengen brachte.