Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  FAYE

(getauft am 16.05.2006)

 

 

Dank einer ausgeprägten Höhenströmung konnte sich über dem Ostatlantik ein starkes Tiefdruckgebiet entwickeln, welches am 16.05.2006 in der Berliner Wetterkarte auf den Namen FAYE getauft wurde.

Innerhalb der nächsten 24 Stunden konnte sich dieses Tief erheblich verstärken. So sank der Luftdruck im Zentrum, der sich am 16.05.2006 noch bei etwa 1000 hPa befand, bis zum Morgen des 17.05.2006 auf 985 hPa. Aufgrund der damit verbundenen Gradientzunahme kam es über den Britischen Inseln verbreitet zu Sturmböen der Stärke 8 bis 9, an der Küste auch bis 10 Beaufort. Gleichzeitig regnete es dort ergiebig (z.B. Cork in Irland 21 mm, Milford Haven in England 20 mm innerhalb von 12 Stunden).

Die Warmfront des Tiefs FAYE erfasste mit ihrem Niederschlagsgebiet in derselben Nacht auch den Westen Deutschlands. Es folgte im Warmsektor labil geschichtete, subtropische Warmluft (xS), in der es über Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz an einer Konvergenz zu einigen Gewittern kam. So wiesen die 12-stündigen Regenmengen in der Nacht recht unterschiedliche Werte auf. Örtlich fielen bis zu 14 l/m² (Aachen), meist aber darunter.

Am Vormittag des 17.05.2006 erreichte der Regen auch den Berliner Raum, wobei hier erstmals seit dem 1. Mai wieder nennenswerte Niederschlagsmengen auftraten (6-stündig 2,3 l/m² in Dahlem). Bis zum 18.05.2006 überquerten die Fronten des bei Schottland angelangten Tiefdruckwirbels FAYE, dem sich das alte Tief CONDOLEEZZA angegliedert hatte, mit Ostkurs ganz Mitteleuropa. Sie brachten auch Berlin am Donnerstag längere Zeit Regen, wobei in Dahlem mit 9,0 Liter pro Quadratmeter die größte Tagesmenge seit dem 26. März (9,2 Liter) fiel. Eine wellenartige Deformation der inzwischen zu einer Okklusion zusammengelaufenen Fronten lieferte aber dem Süden Deutschlands und den Alpenländern noch erheblich mehr Regen: So meldete z. B. Todtmoos im Schwarzwald bis heute früh eine 24-stündige Menge von 40 Liter pro Quadratmeter. Von Westen her folgte rasch eine weitere Okklusion nach, die noch am Vortag südwestlich der Britischen Inseln gelegen hatte. An ihr kam es in der Nacht zum 19.05.2006 im Nordwesten Deutschlands verbreitet zu Schauern und Gewittern, die am Morgen und Vormittag auch die Gebiete nordöstlich der Elbe erfassten. Sie verlagerten sich jedoch sehr schnell, so dass sie mittags schon über Polen lagen. Das Tiefdruckgebiet FAYE verlagerte sich unter Abschwächung innerhalb der nächsten Tage Richtung Nordosten, ehe es am 26.05.2006 letztmalig in der Berliner Wetterkarte analysiert wurde.


Geschrieben am 12.06.2006 von Jana Neuber 
Wetterkarte: 18.05.2006

Pate: Daniel Kaschub