Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet  FLORENCE

(getauft am 24.08.2006)

 

 

Ein über England entstandenes Tiefdruckgebiet wurde am Donnerstag, den 24.08.06 auf den Namen FLORENCE getauft. Gegen Mittag lag der Kern des Tiefdruckwirbels bereits vor der Holländischen Nordseeküste nahe der Stadt Amsterdam. Das zum System von FLORENCE gehörende Frontenregime löste aber schon einige Schauer und Gewitter im Westen und Südwesten Deutschlands aus.

Am Freitag [25.08.06] lag das Zentrum des Tiefs über Helgoland. FLORENCE war also entlang der Küste nach Nordosten gezogen. Ihre Kaltfrontokklusion hingegen (der wetterwirksamste Bereich eines Tiefs) überquerte Deutschland von West nach Nordost. In den Mittelgebirgen wurden dabei 24-stündige Niederschlagsmengen von etwa 5 Liter pro Quadratmeter gemessen. Im übrigen Bundesgebiet lag die Niederschlagsmenge zwischen 10 und 20 Liter auf den Quadratmeter. Die größte Menge wurde mit 31 l/m² am Münchener Flughafen registriert. Die Tageshöchsttemperatur wurde in der Niederlausitz mit knapp 24°C erreicht. Am kühlsten war es mit nur 12°C in Würzburg.

FLORENCE brachte aber nicht nur Deutschland ergiebige Regenmengen, so wurden beispielsweise in den Niederlanden und in Belgien bis zu 67 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen, und das innerhalb von nur etwas mehr als 12 Stunden.

Auf Seite 7 der beiliegenden Wetterkarte kann man gut erkennen, wie die wetterwirksame Okklusion vom Zentrum des Tiefs auf Helgoland bis hin zum Balkan reichte. So entstanden auch in Kroatien, Slowenien und in der Slowakei zum Teil heftige Gewitter. Die größte Regenmenge wurde an der Wetterstation Maribor mit 58 l/m² gemessen. Doch selbst in Österreich löste FLORENCE verbreitet bis zu 30 Liter Niederschlag aus.

Am Samstag [26.08.06] zog FLORENCE über Nordostdeutschland. Im zentralen Bereich des Tiefs bildeten sich teils kräftige zellenförmige Wolkengebilde aus. Einer dieser Gewitter-Cluster erfasste Berlin und verstärkte sich über der Stadt enorm. Die Zelle hatte über dem Flughafen Tegel ihr Maximum erreicht und blieb unglücklicherweise nahezu stationär über selbigem liegen. Daher kam es zu einer dramatischen Niederschlagsmenge von 120 Liter pro Quadratmeter in nur 2 Stunden. Die Folge waren erhebliche Überschwemmungen und ein Ausnahmezustand für die Berliner Feuerwehr. Nur wenige Kilometer entfernt regnete es deutlich weniger, beispielsweise fielen in Berlin-Siemensstadt – etwa 3km südwestlich von Tegel – nur 2 Liter auf den Quadratmeter. Am Stadtrand von Berlin blieb es sogar stellenweise trocken.

Im übrigen Deutschland kam es verbreitet zu Schauern und Gewittern, jedoch mit deutlich niedrigeren Werten als Tegel. Lediglich die Station in Jork (nahe Hamburg) ragte mit einer 12-stündigen Niederschlagsmenge von 61 l/m² heraus.

Am Sonntag [27.08.06] lag FLORENCE bereits über der zentralen Ostsee. Ihr Wettereinfluss beschränkte sich nun auf Nordostdeutschland, die Baltischen Staaten, Polen und Tschechien. In Rostock wurde mit 25 l/m² die höchste 12-stündige Regenmenge gemessen. Die wärmste Region Deutschlands lag wiederum in der Niederlausitz, jedoch wurden auch dort nur knapp 23°C registriert.

Im weiteren Verlauf zog FLORENCE mit der allgemeinen Höhenströmung weiter nach Osten und lag mit ihrem Kern am Montag, den 29.08.06 vor der russischen Stadt Wolgograd. Bereits einen Tag später verschwand sie schließlich aus dem Einzugsgebiet der Berliner Wetterkarte.     

 


Geschrieben am 16.10.2006 von Ronny Büttner

Wetterkarte: 25.08.2006

Pate: Florence Rump