Lebensgeschichte

 

Tiefdruckgebiet GERHARD

(getauft am 31.12.2013)

 

Das Tief GERHARD wurde am 31.12.2013 um 00 Uhr UTC, d.h. 01 Uhr MEZ, östlich von Neufundland mit einem Kerndruck von 990 hPa getauft nachdem es die Tage zuvor entlang der Ostküste Nordamerikas Richtung Nordatlantik gezogen war. Das Frontensystem des Tiefdruckgebietes GERHARD bestand am Tauftag aus einer kurzen, nach Süden reichenden Okklusion, eine Mischform der Warm- und Kaltfront, welche durch die Vereinigung dieser beiden Fronten im Okklusionspunkt entsteht. Von diesem Okklusionspunkt ging eine Warmfront, die einen weit geschwungen Bogen über den Atlantik beschrieb und in der Nähe der westlichen Azoren in die Kaltfront des Tiefs FELIX I überging, sowie eine Kaltfront aus, welche sich in südwestlicher Richtung über die Bermuda-Inseln in Richtung des nordamerikanischen Festlands zog und dort den Analysebereich der Berliner Wetterkarte verließ.

Innerhalb des ausgeprägten Strömungsbandes im 500hPa-Niveau, was etwa 5,5 km Höhe entspricht, verlagerte sich der Kern des Wirbels GERHARD in 24 Stunden bis zum 01.01.2014 über den Nordatlantik und lag um 00 Uhr UTC südlich von Island auf dem Breitengrad von Paris. Dabei hatte sich der Kerndruck noch einmal verstärkt und war auf knapp unter 980 hPa gesunken. Abermals wies das Frontensystem eine Okklusion auf, die nun aber eine deutlich größere Ausdehnung aufwies und in einem Bogen nach Norden in die Okklusion eines Tiefs über der Davisstraße überging. Die kurze Warmfront verlief in südlicher Richtung parallel zur Küstenlinie der Biscaya, etwa 1000 km von der Küste entfernt. Dagegen erstreckte sich die Kaltfront weit hinaus auf den Zentralatlantik um dort in die Warmfront des nachfolgenden Tiefs ANNE überging. Im späteren Verlauf des Tages erreichten die ersten Niederschläge Edinburgh, sodass dort bis zum 18 Uhr UTC-Termin innerhalb der vorangegangenen 12 Stunden 4 l/m² gemessen werden konnten. In London-Heathrow waren es in 24 Stunden bis zum 06 Uhr UTC-Termin des folgenden Tages 23,8 l/m².

Sich weiterhin verstärkend hatte sich die Zyklone GERHARD bis 00 Uhr UTC des 02.01.2014 über Schottland nordwestlich von Edinburgh verlagert, dort erreichte der Kerndruck nun nur noch knapp unter 975 hPa. Die Okklusion der vorherigen Tage hatte sich gänzlich aufgelöst sodass nur noch eine Warmfront, welche die Nordsee überquerte und südlich von Bremen endete, sowie eine Kaltfront, die bogenförmig über die Nordsee, Brüssel, Paris und Bordeaux reichte, schließlich die Pyrenäen überquerte und auf der Breite von Porto hinaus auf den Atlantik führte wo sie in die Warmfront des nachfolgenden Tiefs ANNE überging, existierten. Während in Paris den ganzen Tag nur immer wieder vereinzelte Regentropfen verzeichnet wurden fielen in Bordeaux hingegen innerhalb von 18 Stunden bis 00 Uhr UTC des Folgetages 4,4 l/m². Auch in Bremen blieben die Niederschläge trotz ganztägig bedecktem Himmel, es wurde nicht eine Stunde Sonnenschein gemessen, sehr gering, in 24 Stunden fielen hier nur 0,4 l/m².

Der Wirbel GERHARD verlagerte sich in einer leicht retrograden Bewegung, d.h. entgegen der sonst üblichen ostwärts gerichteten Verlagerung, nordwestwärts bis vor die Südostküste Islands, wo dieser am 03.01.2014 mit einem Kerndruck von nun sogar etwas unter 970 hPa verzeichnet wurde. Das Frontensystem bestand aus einer wellenförmigen Okklusionsfront, die vom Kern zunächst in nordöstlicher Richtung verlief, um dann nach Süden umzuschwenken, dem norwegischen Küstenverlauf folgend, abermals einen Bogen beschreibend und so das Seegebiet Skagerrak zu überqueren. Bei Kopenhagen beschrieb sie erneut einen Bogen über Westpolen vorbei an Prag um nun Richtung Alpen zu verlaufen, wo sie schließlich südöstlich von München endete. Entlang der gesamten Front des Tiefs GERHARD kam es kaum noch zu Niederschlag, Kopenhagen war mit 1,6 l/m² bis zum 06 Uhr UTC-Termin des Folgetages noch der absolute Spitzenreiter.

Innerhalb der ersten Stunden des neuen Tages wurde das Tiefdruckgebiet GERHARD von dem mittlerweile zu einem Sturmtief herangewachsenen Tief ANNE aufgenommen und konnte somit am 04.01.2014 nicht mehr als eigenständiges Tief auf der Berliner Wetterkarte analysiert werden.

 

 

Geschrieben am 16.01.2014 von Patrick Ilmer

Berliner Wetterkarte: 02.01.2014

Pate: Oliver Wulke (www.netgenerator.de)